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Wirtschaft | Di, 21.05.2013 09:36

Moderates Wachstum für Kreativwirtschaft im Südwesten erwartet

Das Gesamtbild für die Kreativwirtschaft in Baden-Württemberg ist positiv, da eine Mehrheit der befragten Unternehmen von gemäßigtem Wachstum ausgeht. Allerdings variieren die Aussichten der einzelnen Teilbranchen stark, auch vor dem Hintergrund des digitalen Wandels. Innovationsdruck und ein steigender Aufwand für die Neukundengewinnung bleiben die größten Herausforderungen. Das sind Ergebnisse der zweiten Ausgabe des „Trendbarometer Kreativwirtschaft Baden-Württemberg“ der Hochschule der Medien Stuttgart und der MFG Innovationsagentur für IT und Medien.


Die Kreativwirtschaft ist breit aufgestellt in Baden-Württemberg, sie reicht vom Verlagswesen über Games bis zur Musikbranche. Mit rund 30.000 Unternehmen und einem Umsatzvolumen von über 20 Milliarden Euro gehört sie zu den größten und dynamischsten Wirtschaftszweigen des Landes. Die Grundstimmung ist zunächst einmal positiv. Ein großer Anteil der befragten Unternehmen (44 Prozent) erwartet für die eigenen Teilbranche ein moderates Wachstum, eine Minderheit von fünf Prozent sogar überdurchschnittliches Wachstum. Allerdings sind die Aussichten je nach Teilbranche sehr unterschiedlich, insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung. Während die Software- und Games-Industrie optimistisch in die Zukunft blickt (80 Prozent), sind die Erwartungen im Buchmarkt gedämpfter (30 Prozent).

Drei Bereiche stuften die befragten Kreativen als besonders herausfordernd ein:

  • Steigender Aufwand zur Kundengewinnung
  • Allgemein schwierige Konjunktur- und Auftragslage
  • Persönliche Work-Life-Balance bewahren

Seit der letzten Umfrage 2012 ist der Innovationsdruck noch gestiegen. Über die Hälfte der Befragten fühlen sich auf die kommenden Herausforderungen noch nicht genügend vorbreitet. Es sind noch ein paar „Hausaufgaben“ zu erledigen, bevor die Unternehmen den zukünftigen Veränderungen gelassen entgegen blicken können.

Neben den fachlichen Aufgaben bewegt zunehmend die persönliche Work-Life-Balance die Kreativen. Vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen Drucks fällt vor allem kleineren Unternehmen eine klare Trennung von Arbeits- und Privatleben schwer. Atypische Arbeitsverhältnisse sind in der Kreativwirtschaft üblich und lassen die Grenzen zwischen den Sphären verschwimmen. Gerade Selbstständige müssen sehr flexibel reagieren und können ihre kreativen Ideen und Projekte auch in der Freizeit nicht einfach hinter sich beziehungsweise im Büro lassen.

Der Studie zufolge sind die Kreativschaffenden zwar mit den Ausbildungsmöglichkeiten im Land sehr zufrieden, allerdings werden Berufseinsteigern in der Kreativbranche selten feste Verträge angeboten. Professor Engstler, Mitautor des Trendbarometers, warnt: „Wenn selbst herausragende Nachwuchskräfte um ihre Beschäftigung bangen müssen, dann besteht die Gefahr der Abwanderung von gut ausgebildeten Kreativen. Die Kreativunternehmen müssen sich fragen, ob die durch atypische Beschäftigungsverhältnisse gewonnene Flexibilität sich langfristig auszahlt, wenn junge Talente nicht gebunden werden“. Derzeit erwarten die Studienteilnehmer hier keine strukturelle Veränderung.

Im Zuge der Digitalisierung verändert sich die Kreativbranche besonders stark. Viele neue Leistungsangebote und digitale Services werden geschaffen und geradezu „gehyped“. Die Kreativschaffenden selbst sehen diese Entwicklung inzwischen etwas entspannter. Für sie spielt der Ausbau neuer Leistungsangebote eine geringere Rolle als im Vorjahr (40 statt 60 Prozent).

Lediglich 18 Prozent sind der Meinung, dass nicht-digitale Leistungen an Bedeutung verlieren. Das heißt, bestehende kreative Leistungen werden weiterhin die Wirtschaftsgrundlage bilden und das Altbewährte somit nicht aufgegeben, auch wenn die Bedeutung der Digitalisierung für Innovationen und Wachstum unbestritten bleibt. Es zeichnet sich also ab, dass digitale Services die klassischen nicht verdrängen, sondern beide nebeneinander existieren werden.

(Redaktion)