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Unternehmensnachfolge | Fr, 21.06.2013 14:16

Nachfolge geregelt - Vorbereitung auf den Ruhestand

Es wird viel darüber geschrieben, wie die Nachfolgeregelung in einem Unternehmen vorbereitet und durchgeführt werden kann und wie komplex und individuell das Thema im Einzelfall ist. Doch egal, ob das Unternehmen nun an fremde Dritte verkauft wird oder ob es einen Nachfolger innerhalb der Familie gibt: Der scheidende Chef muss sich auch damit beschäftigen, wie das Leben nach einer oftmals vereinbarten Übergangszeit organisiert werden soll.


Nach einem Leben, in dem man immer eine Hauptrolle gespielt hat und in dem es maßgeblich auf die eigenen Entscheidungen ankam, erahnt mancher eine Art Vakuum. Es macht sich der ungute Verdacht breit, die neu gewonnene Freiheit könnte sehr bald zur Belastung werden, weil man mit ihr nichts so richtig anfangen kann. Tatsächlich kann die Freude über die frei verfügbare Zeit sehr schnell verfliegen. Statt verlängertem Urlaub beginnt die Phase der Langeweile. Erst jetzt werden sich viele Unternehmer bewusst, wie sehr ihr bisheriges Leben auf den Betrieb fixiert war. Die sozialen Kontakte, die Lektüre, die Gespräche, die Interessen waren stets von dem Gedanken bestimmt, im Business mithalten zu können, auf dem Laufenden zu bleiben, sich trotz zunehmenden Alters von den Konkurrenten nicht abhängen zu lassen.

Angesichts der medizinischen und gesellschaftlichen Realität sollte der Ruhestand als eine Aufgabe betrachtet werden. Heutige Rentner sind keine verbrauchten Wracks, die sich nur noch auf eine Parkbank in die Sonne setzen können. Der Ruhestand ist eine Lebensphase, die noch viele Jahre dauern wird. Fragt man Mediziner und Psychologen nach den Voraussetzungen für einen glücklichen Lebensabend, dann werden stets zwei Bedingungen genannt: Eine sinnvolle Aufgabe und eine hohe Zahl an sozialen Kontakten. Nur so ist gewährleistet, dass die geistige Beweglichkeit und die körperliche Gesundheit erhalten bleiben. Die Schlussfolgerung ist ebenso offensichtlich: Der Ruhestand ist kein Geschenk, sondern eine Herausforderung. Und Herausforderungen kennen Sie ja aus Ihrem bisherigen Alltag zur Genüge.

Langjährige Berufserfahrung ist heute sehr gefragt. Daher gibt es Möglichkeiten, als “Senior-Experte” seine Kenntnisse im In- und Ausland weiterzugeben. Senior-Experten sind alle erfahrenen Fachkräfte mit einer qualifizierten Ausbildung - egal ob Akademiker mit Universitäts-Abschluss oder Nichtakademiker, wie z. B. Meister und Techniker. Dabei kann es sich genauso gut um Beratung beim Betrieb einer Bäckerei in Vietnam, wie Hilfe in einer Druckerei in Deutschland handeln. Der Bedarf ist vorhanden, entsprechende Organisationen, die die Verbindung zwischen Experten und Betrieb herstellen, ebenfalls. Finanziell lukrativ dürfte diese Tätigkeit nicht sein, dafür aber eine positive Herausforderung und eine zutiefst befriedigende, menschliche Erfahrung.

Falls ein solch zeitaufwändiger Einsatz zuviel ist oder man sich lieber sozial engagieren möchte, gibt es im engeren Umfeld viele Alternativen, um die Zeit sinnvoll einzusetzen: Sportvereine würden ohne freiwillige Helfer überhaupt nicht funktionieren und vielleicht gibt es im Verein sogar bestehende Kontakte zu alten Freunden oder Verwandten. Simple Hausaufgabenhilfe für Schüler mit sogenanntem “Migrationshintergrund” dürfte dem Gemeinwesen mehr Nutzen bringen als jeder Leitartikel und jeder Talkshow-Auftritt unserer Politiker. Auch Wohlfahrtsverbände und ähnliche Institutionen freuen sich über jeden freiwilligen Helfer. Auch hier ist das Spektrum weit und reicht vom Vorlesen in einem Altenheim bis zum Spaziergang mit einem Hund aus dem Tierasyl.

Das “Netzwerken” ist inzwischen zu einem Modebegriff geworden. Früher sagte man vielleicht dazu “einen Bekanntenkreis pflegen”. Menschliche Kontakte, Freundschaften und Bekanntschaften sind wertvolle Aktivposten im Leben. Diese Kontakte zu pflegen und auszubauen, ist die wichtigste Vorbereitung auf den Ruhestand und die beste Möglichkeit, die Zeit als Ruheständler zu genießen.

Der Eintritt in den Ruhestand hat jedoch nicht nur Auswirkungen auf die Zeiteinteilung und die sozialen Beziehungen des Rentners. Auch in der Partnerschaft machen sich durch den Ruhestand normalerweise Veränderungen bemerkbar, denn nicht nur der Alltag des Ruheständlers verläuft in neuen Bahnen, auch der Partner muss sich zwangsläufig an eine neue Tagesroutine gewöhnen.

Innerhalb einer Beziehung übernimmt jeder im Laufe der Jahre ganz bestimmte Aufgaben und kümmert sich um unterschiedliche Dinge. Geht ein Rentner fortan nicht mehr täglich zur Arbeit, sondern verbringt einen Großteil der Zeit zu Hause, so dringt er oder sie (meist unbeabsichtigt) in die Bereiche seines Partners ein. Oft sind es nur gut gemeinte Gesten, die langfristig zu Konflikten und Reibereien führen. Dies geschieht z. B., wenn der Ehemann seiner Frau im Haushalt behilflich sein möchte, dabei jedoch nach einem anderen System vorgeht, als sie es seit Jahren tut. Oder aber wenn sie fest damit rechnet, die meiste Zeit mit ihm zusammen zu sein und dadurch gewohnte Freiheiten als eingeengt angesehen werden.

Die beiden Partner verbringen plötzlich viel mehr Zeit miteinander und häufig müssen sie neu lernen, die Eigenarten des anderen zu akzeptieren. Vielleicht hat jeder der beiden seine eigene Vorstellung vom Ruhestand und diese Erwartungen können manchmal nur durch gegenseitige Kompromisse vereint werden. Um ständige Streitereien zu vermeiden, sollten sich Partner zusammen auf den Ruhestand vorbereiten. Schon im Vorfeld sollten die Aufgaben eines jeden festlegen und einen gemeinsamen Zeitplan aufgestellt werden. Besonders wichtig ist es jedoch, dass jeder dem anderen genügend Freiheiten lässt und dessen Standpunkte akzeptiert.

Die Zeit ohne Stress und ohne ständige Verpflichtungen sollte man als Rentner genießen. Allerdings darf auch in diesem neuen Lebensabschnitt die Gesundheit nicht vernachlässigt werden. Viele Menschen glauben, dass ein steigendes Alter zwangsläufig mit der Verschlechterung des Gesundheitszustandes einhergeht. Das muss jedoch nicht sein. Wer sich gesund ernährt, sich regelmäßig bewegt und einen angepassten Lebensstil annimmt, kann bis ins hohe Alter fit und gesund bleiben.

Zum Autor: Andreas Dufner ist Geschäftsführer des IBF-Instituts für Betriebsführung AG (www.ibf.de) und berät Kunden zu Themen im Bereich Finanzierung.