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Wirtschaft | Do, 13.08.2009 10:38

Nachgefragt: Wie effektiv steuern Unternehmen gegen die Krise?

Aktuelle Studie des Fraunhofer IAO identifiziert zentrale Kriterien für Entscheidungsprozesse in Krisenzeiten: Neben konsequentem Daten-Monitoring ist die Qualität der Interaktion und Kommunikation von Führungskräften ausschlaggebend.


Klar ist: Wirtschaftliche Turbulenzen erfordern entschlossenes unternehmerisches Handeln. Offen hingegen ist: Mit welchen Steuerungsinstrumenten können die notwendigen Beschlüsse im Managementteam effektiv und effizient erzielt werden? Diese Frage stand im Fokus der jüngsten Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, die von Mai bis Juni dieses Jahres durchgeführt wurde. Im Rahmen der Online-Studie "Turbulenz-Management" wurden Geschäftsführer und Entscheider sowie Verantwortliche für interne und externe Kommunikation befragt.

Große Einigkeit der Befragten besteht darin, dass Entscheidungen schneller, flexibler und über einen effizienteren Austausch mit internen und externen Anspruchsgruppen getroffen werden sollen. Schwierige Entscheidungen müssen transparent und nachvollziehbar begründet werden, so das einhellige Urteil von rund 90 Prozent der Teilnehmer.

Dabei ist das Leuten der Alarmglocken in diesen Zeiten nicht mehr zu überhören: So stellen zwei Drittel der Befragten negative Auswirkungen der aktuellen wirtschaftlichen Situation auf die eigene Branche fest. Zwar kommen laut der Studie beim aktiven "Gegensteuern" Rationalisierungsprozesse, intensiveres Monitoring, Controlling und Reporting zum Einsatz. Doch das scheint nicht mehr auszureichen - 80 Prozent der Teilnehmer sehen einen Veränderungsbedarf in der Unternehmenssteuerung und 58 Prozent im Bereich des Risikomanagements. Laut Aussagen von drei Vierteln der Studienteilnehmer würden hier durchaus finanzielle Mittel für neue Managementinstrumente und -maßnahmen zur Verfügung stehen.

Strategische Kommunikation wird für die Wahrnehmung des Unternehmens nach innen und nach außen ebenfalls als entscheidend betrachtet. Allerdings wird die aktuelle Berichterstattung von knapp der Hälfte der Befragten als negativ bewertet. Dennoch können mit Hilfe gezielter und gestaltender Kommunikation auch in diesen Zeiten neue Perspektiven geschaffen werden, dafür sprechen sich rund 70 Prozent der Befragten aus. Neben der medialen Kommunikation ist in Krisenzeiten der direkte Dialog mit allen internen und externen Bezugsgruppen von besonderer Bedeutung. 48 Prozent der Studienteilnehmer befürworten vollständig die unverzügliche und einstimmige Kommunikation, beispielsweise um schädliche Gerüchte und Spekulationen zu verhindern und einzudämmen, 36 Prozent stimmen dieser Aussage teilweise zu.

Knapp 80 Prozent der befragten Manager sprechen sich für den direkten Dialog aus, um für Verständnis und Vertrauen in Entscheidungen zu werben. Dem Votum, eine kollaborative Unternehmenskultur zu fördern, um die Zusammenarbeit unter Kollegen zu verbessern, folgen rund 61 Prozent. Gut die Hälfte der Teilnehmer möchte den Mitarbeiterkontakt und den Wissensaustausch fördern. Zustimmung in Krisenzeiten erhalten auch das eher klassische Berichtswesen und Reporting Systeme. Auffallend hingegen: Zumindest die befragten Führungskräfte zeigen sich noch skeptisch gegenüber Social Software und Business Intelligence Systemen.

"Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass neben dem verbesserten Einsatz von wirkungsvollen Steuerungsinstrumenten vor allem in der Optimierung der Führungskräftekommunikation noch Handlungspotenzial gesehen wird," so Prof. Spath, Institutsleiter des Fraunhofer IAO. "Oder vereinfacht ausgedrückt: das Management muss sich in Zeiten des permanenten Wandels schneller an Fakten, aber auch Kollegenmeinungen orientieren können, um selbst Orientierung nach innen und außen geben zu können."

Vorhandene Monitoring- und Steuerungssysteme müssen ständig den neuesten technologischen und wirtschaftlichen Trends sowie den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen angepasst werden. "Insbesondere, wenn eine Kurskorrektur des Unternehmens unvermeidlich ist, müssen Chancen und Risiken zügig erkannt werden", so Professor Spath. "Nach wie vor werden aber viele Veränderungsprozesse durch ungenutzte Kollaborationstechniken und schlecht koordinierte Kommunikation eher torpediert als unterstützt".

Mehr Informationen zum Thema Standortbestimmung zur realen Handlungskompetenz bei der Entscheidungsfindung in komplexen Situationen und Techniken zur ihrer Verbesserung finden Sie unter nachstehendem Link.

(Fraunhofer IAO/ idw)