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Wirtschaft | Mi, 07.10.2015 08:33

Nur wenige Branchen sind räumlich stark konzentriert

Nur jede zehnte Branche ist räumlich stark konzentriert. Der Großteil der Branchen weist dagegen einen schwachen räumlichen Konzentrationsgrad auf. Das zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Sie analysiert die Entwicklung in Westdeutschland von 1980 bis 2010.


Die räumlich am stärksten konzentrierte Branche war im Jahr 2010 die Kokerei. Ihre Betriebe befinden sich ausschließlich im Ruhrgebiet. Auf Rang zwei und drei folgen die Fischverarbeitung sowie die See- und Küstenschifffahrt, deren Standorte an der Nord- und Ostsee konzentriert sind. „Diese drei Branchen sind gute Beispiele dafür, wie die betrieblichen Standortmuster von naturgemäßen Gegebenheiten geprägt werden“, schreiben die IAB-Forscher Wolfgang Dauth, Michaela Fuchs und Anne Otto. Dies sei aber keineswegs die einzige Ursache für räumliche Konzentration: Beim Kreditgewerbe, das ebenfalls zu den räumlich am stärksten konzentrierten Branchen gehört, kommt dem Finanzplatz Frankfurt mit der Börse entscheidende Bedeutung zu.

Zu den am schwächsten konzentrierten Branchen zählen demgegenüber Dienstleistungen, für die die Nähe zum Kunden eine wichtige Rolle spielt. Das gilt beispielsweise für Apotheken oder Postdienste. Der Dienstleistungsbereich sei grundsätzlich wesentlich weniger räumlich konzentriert als das verarbeitende Gewerbe, so die Forscher.

Von 1980 bis 2010 ist die räumliche Konzentration insbesondere im verarbeitenden Gewerbe zurückgegangen. Der Index, mit dem die IAB-Forscher die räumliche Verteilung wirtschaftlicher Aktivitäten messen, lag im Jahr 1980 bei 0,028, im Jahr 2010 bei 0,021. Wären die Standorte der Betriebe zufällig verteilt, läge der Index beim Wert Null. Je stärker die räumliche Konzentration ausgeprägt ist, desto stärker nähert sich der Index dem Wert Eins.

Die Ursachen für den Rückgang der räumlichen Konzentration seien vielfältig, erklären die IAB-Forscher: „Zum Beispiel hat die Fragmentierung der Wertschöpfungskette im Verarbeitenden Gewerbe zur Verlagerung von Produktionsteilen an Standorte im ländlichen Raum oder ins kostengünstigere Ausland geführt. Industrienahe Dienstleistungsfunktionen wurden aus den Betrieben herausgelöst, die nun als eigenständige Dienstleistungsunternehmen fungieren. Altindustriell geprägte Branchen wie die Textil- und Bekleidungsindustrie verlagerten große Teile der inländischen Produktion ins Ausland. Außerdem haben geopolitische Änderungen – wie das Ende des Kalten Krieges – den deutschen Unternehmen einen Zugang zu neuen, kostengünstigeren Produktionsstandorten in Osteuropa ermöglicht.“

Hinzu kämen der umfassende Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, der zur Senkung der Transport- und folglich der Herstellungskosten für Güter führte, gestiegene Standortkosten, beispielsweise durch Umweltauflagen und Immobilienpreise, sowie Flächenengpässe in den großstädtischen Ballungsräumen. Auch hätten neu entwickelte Informations- und Kommunikationstechnologien dazu geführt, dass die Betriebe standortunabhängiger geworden sind.

Grundsätzlich könnten Betriebe von der räumlichen Nähe zu anderen Betrieben aus der gleichen Branche gleich in mehrfacher Hinsicht profitieren, betonen die Arbeitsmarktforscher. Kurze Entfernungen erleichtern die Zusammenarbeit mit Zulieferern, die Gewinnung von Fachkräften und den Austausch von Ideen.

(Redaktion)