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Wirtschaft | Mi, 07.03.2012 10:11

Outsourcing: Viele Unternehmen wollen auch Personal- und Rechnungswesen auslagern

Deutsche Unternehmen sehen auch künftig viel Potenzial beim Outsourcing. Neben den Bereichen Facility Management, Sicherheitsdienste und Telekommunikation sollen in den nächsten Jahren auch die Bereiche Personal- und Rechnungswesen häufig ausgelagert werden. Aber: Unternehmen sind nur dann zufrieden mit ihren Outsourcing-Entscheidungen, wenn sie den Prozess von der Idee bis zur Umsetzung detailliert vorbereiten und durchführen. Das zeigt eine gemeinsame Studie der Unternehmensgruppe buw, der Einkaufsberatung Kerkhoff Consulting und dem Kerkhoff Competence Center of Supply Chain Management an der Universität St. Gallen. Dazu wurden 150 deutsche Unternehmen aller Branchen befragt.


95 Prozent der befragten Unternehmen wollen in den nächsten fünf Jahren das Facility Management nicht mehr intern durchführen lassen, 86 Prozent wollen auf externe Sicherheitsdienste setzen. Die Telekommunikation soll bei 73 Prozent der Befragten outgesourct werden, die Logistik bei zwei Drittel. Die Hälfte möchte sich von einer internen IT-Abteilung verabschieden. Und immerhin zwei von fünf befragten Unternehmen wollen in den nächsten fünf Jahren das Personal- sowie das Rechnungswesen in fremde Hände legen. Fast niemand (4 Prozent) will Forschung und Entwicklung externalisieren, ebenso wenig den Vertrieb (8 Prozent) oder das Marketing (15 Prozent).

"Das Facility Management oder die Sicherheit von externen Partnern betreuen zu lassen, bedarf heute oft keiner großen Diskussionen mehr im Management", sagt Andreas Pasing-Husemann von der buw Unternehmensgruppe. "An die Themen Personal und Rechnungswesen hat man sich in den vergangenen Jahren häufig noch nicht herangewagt. Dabei sind auch dies Prozesse, die nicht zur Kernkompetenz jedes Unternehmens gehören und damit nicht zur Wertschöpfung beitragen. Darum ist auf den Prüfstand zu stellen, ob es nicht dritte Anbieter gibt, die diese Services professioneller gestalten können, als dies bisher intern möglich war."

Insgesamt haben nur 60 Prozent der befragten Unternehmen angeführt, dass die Steigerung von Qualität den Impuls für Outsourcing gegeben hat. Bei neun von zehn Unternehmen war die Entscheidung ausschließlich oder mindestens Bestandteil von Kostensenkungsprogrammen. "Deutsche Unternehmen lernen erst langsam, dass die Auslagerung von Geschäftsprozessen nicht nur dazu dient, Personal oder Sachkosten zu reduzieren", sagt Professor Erik Hofmann von der Universität St. Gallen. "Motivation sollte vielmehr sein, sich auf das zu konzentrieren, was ein Unternehmen eigentlich kann und was damit zentraler Bestandteil der Wertschöpfung ist. Die Konzentration auf die Stärken verspricht Wachstum, nicht das Denken, man könne alles selbst erledigen."

Die fünf Unternehmen, die in der Befragung die höchste Zufriedenheit mit ihrer Outsourcing-Entscheidung aufwiesen, haben sich nicht allein aus Kostengründen für die Auslagerung von Prozessen (Business Process Outsourcing) an externe Dienstleister entschieden. Sie haben angegeben, dass ihre wichtigste Motivation eine Steigerung der Qualität der jeweiligen Dienstleistung war. Auch ansonsten decken sich ihre Aussagen häufig nicht mit dem Rest der Befragten: Die besonders zufriedenen Unternehmen halten ein klar definiertes System zur Bewertung von Dienstleistungen für wichtiger als die anderen Befragten, haben häufiger Maßnahmen zur Vorbereitung von Outsourcing-Aktivitäten getroffen und nutzen eine spezielle Steuerungseinheit für Outsourcing-Entscheidungen. Nur 18 Prozent der restlichen Unternehmen nutzen eine solche Steuerungseinheit.

91 Prozent der befragten Unternehmen halten die Einbindung der Einkaufsabteilung als unterstützende Abteilung in den Outsourcing-Prozess für wichtig oder sehr wichtig. Die Einkäufer suchen die neuen Dienstleister gemeinsam mit der Geschäftsführung oder den entsprechenden Abteilungsleitern aus. 86 Prozent der Unternehmen halten es zudem für wichtig oder sehr wichtig, die Einkäufer in die operativen Entscheidungen mit einzubeziehen. "Auf der strategischen Ebene sieht das leider häufig ganz anders aus", sagt Oliver Kreienbrink, Partner bei Kerkhoff Consulting. "Einkäufer sind noch immer viel zu selten von Anfang an in den Prozess mit eingebunden und verschenken damit wertvolle Potenziale. Denn nur wenn sie schon bei der strategischen Entscheidung mit am Tisch sitzen, können sie bereits Impulse für die Auswahl von Dienstleistern geben. Nur dann können Unternehmen ihre Qualität in den outgesourcten Prozessen steigern und zugleich auch Kosten senken."

(Redaktion)