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| Mo, 19.10.2009 09:51

Projekt „Spur der Erinnerung“ in Stuttgart

„Wir müssen uns alle immer und immer wieder mit dem dunklen Kapitel unserer Geschichte auseinandersetzen. Projekte wie die ‚Spur der Erinnerung’ sind enorm wichtig, denn sie tragen mit dazu bei, dass die Verbrechen während des Nazi-Regimes nicht in Vergessenheit geraten.“ Das sagte Innenminister Heribert Rech am Freitag, 16. Oktober 2009, bei der Erinnerungsveranstaltung des Projekts „Spur der Erinnerung“ in Stuttgart. Er überbrachte die Grüße von Ministerpräsident Günther H. Oettinger und der gesamten Landesregierung und betonte, dass es für das Land selbstverständlich gewesen sei, das Projekt finanziell und ideell zu unterstützen.

Gedenkstätte und Behinderteneinrichtung Schloss Grafeneck auf der Schwäbischen Alb (Foto: Tabea Knabe)

Gedenkstätte und Behinderteneinrichtung Schloss Grafeneck auf der Schwäbischen Alb (Foto: Tabea Knabe)


„In Württemberg hat das Morden einen Namen gehabt: Grafeneck. Was dort praktiziert wurde, war der Vorläufer der Vernichtungslager in Auschwitz und anderswo“, so Rech. Das württembergische Innenministerium habe 1939 im Auftrag von Berlin die Behinderteneinrichtung Samariterstift Grafeneck auf der Schwäbischen Alb beschlagnahmt. Das sei der Auftakt für die Ermordung von über 10.600 behinderten Menschen aus Baden, Bayern und Württemberg gewesen. Im württembergischen Innenministerium seien die Verantwortlichen gesessen, die die Deportation der Menschen beschlossen und verfügt hätten. Hier hätten Hitlers Mordgesellen willige Vollstrecker ihrer unmenschlichen Ideen und Vorstellungen gefunden. „Das Innenministerium Württemberg hat sich damals mit einer schweren Hypothek belastet - einer Hypothek, die es auch heute noch auszuhalten gilt“, sagte Rech.

Das Gedenken und Erinnern als Mahnung müsse wachgehalten werden. Das gewinne umso mehr an Bedeutung, als die Zahl der Zeitzeugen abnehme. „Wir müssen uns erinnern, damit ein solches grausames und menschenverachtendes Morden nie wieder möglich sein wird“, betonte der Innenminister. Gedenken sei wichtig und dürfe kein bloßes Ritual sein. Die Gesellschaft müsse sich, auch wenn es weh tut, mit der Geschichte auseinandersetzen, damit von allen heute und morgen verantwortlich gehandelt werde. „Das sind wir den ermordeten Menschen, aber auch uns und den Menschen der kommenden Generationen schuldig. Die Verbrechen des nationalsozialistischen Unrechtsregimes mahnen uns, sich heute und für die Zukunft zu engagieren: Für Demokratie und Freiheit, für Menschenrechte und Menschenwürde aller Menschen. Unsere Geschichte mahnt uns auch, dass wir alle aufgerufen sind, uns gegen Unrecht und Gewalt zu stemmen - egal wo und in welcher Form sie uns begegnen. Wer wegsieht, obwohl er helfen könnte, macht Unrecht erst möglich“, so Rech.

Die Aktion „Spur der Erinnerung“ habe in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten Tausende von Menschen und dabei besonders viele Schülerinnen und Schüler angeregt und bewegt, sich um die Schicksale der Menschen zu kümmern, die 1940 als die Schwächsten der Gesellschaft als erste dem planmäßigen Morden den Nationalsozialisten zum Opfer gefallen seien.

„Im Namen des Landes Baden-Württemberg danke ich allen, die durch ihren großen persönlichen Einsatz das Projekt ermöglicht haben, ganz herzlich. Möge die ‚Spur der Erinnerung’ ihre unauslöschliche Spur in den Köpfen und Herzen hinterlassen“, sagte Rech.

(Innenministerium)