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Wirtschaft | Fr, 10.06.2011 08:18

Rohstoffe sind größtes Risiko für anhaltendes Wachstum der Chemieindustrie

Die deutsche Chemiebranche wächst weiter: Trotz der teilweise historischen Höchststände bei Produktion, Umsatz und Beschäftigtenzahlen glaubt deutlich mehr als die Hälfte der befragten Entscheider, dass sich der beeindruckende Wachstumskurs in den kommenden zwölf Monaten fortsetzen wird. Das geht aus der aktuellen CHEMonitor-Umfrage von CHEManager und der Strategie- und Organisationsberatung Camelot Management Consultants hervor.

Die Verfügbarkeit von Rohstoffen und deren Preisschwankungen entwickeln sich zu den größten Risiken in der chemischen Industrie. (Foto: Chemie-Verbände Baden-Württemberg)

Die Verfügbarkeit von Rohstoffen und deren Preisschwankungen entwickeln sich zu den größten Risiken in der chemischen Industrie. (Foto: Chemie-Verbände Baden-Württemberg)


„Egal ob bei Produktion, Umsatz oder Auslastung: Die Chemiebranche ist weiter auf Rekordjagd“, sagt Dr. Josef Packowski, Managing Partner bei Camelot Management Consultants. Angesichts dieser beeindruckenden Zahlen ist es fast überraschend, dass nur ein Drittel der Befragten davon ausgeht, dass sich der positive Trend bei der Geschäftsentwicklung nicht mehr weiter fortsetzen wird. „Der Anteil der Manager, die eine Verschlechterung erwarten, hat im Vergleich zur letzten Befragung leicht auf 30 Prozent zugenommen. Besonders Unternehmen mit mehr als 500 Mio. Euro Umsatz sehen zunehmend keinen Spielraum mehr für weitere Steigerungen“, erläutert Dr. Sven Mandewirth, Chemieexperte und Partner bei Camelot Management Consultants. Der Wachstumskurs der chemischen Industrie nimmt aktuell sogar noch weiter Fahrt auf: Der Fokus auf Kostensenkung ist auf äußerst niedrigem Niveau (7%), mehr als die Hälfte der Unternehmen setzt dagegen ausschließlich auf Wachstum.

Das Wachstum wird auch im Südwesten über das Jahr hinweg voraussichtlich anhalten. Für Baden-Württemberg muss allerdings gesondert der Bereich der pharmazeutischen Industrie betrachtet werden. Hier sind im vergangenen Jahr und im ersten Quartal des laufenden Jahres deutliche Einbrüche festzustellen. Daher ist für die Gesamtbranche in Baden-Württemberg (knapp vierzig Prozent Pharma) der Ausblick deutlich verhaltener. Insgesamt stieg der Umsatz in der baden-württembergischen Chemie um 6,3 % im ersten Quartal 2011 (bundesweit: 8 %).

Zum größten Wachstumsrisiko entwickeln sich Verfügbarkeit und Preisschwankungen von Rohstoffen. Fast die Hälfte der Chemiemanager glaubt, dass das Thema Versorgungssicherheit an Bedeutung gewinnen wird, fast zwei Drittel erwarten von der Entwicklung der Rohstoff- und Energiepreise sogar einen negativen Effekt auf ihr operatives Ergebnis. „Unternehmen mit flexiblen Supply Chains und konsequentem Komplexitätsmanagement haben einen klaren Wettbewerbsvorteil“, sagt Packowski.

Um ihre Rohstoffversorgung zu sichern, setzen die Unternehmen in erster Linie auf ein aktives Lieferantenmanagement (44 %) und eine Anpassung vertraglicher Regelungen (38 %). Den Aufbau von Beständen halten dagegen weniger als ein Drittel für geeignet. „Die chemische Industrie läuft unter Volllast. Um diese Tempo beibehalten zu können, haben Maßnahmen zur Absicherung gegen Versorgungsrisiken momentan höchste Priorität“, sagt Mandewirth. „Das beste Mittel dafür sind innovative und engere Kooperationen mit Lieferanten.“

Alternative Rohstoffe könnten einen Ausweg bieten. Allerdings messen ihnen aktuell nur 16% der Unternehmen eine große Bedeutung bei. In der nahen Zukunft wird sich das allerdings ändern: Mehr als zwei Drittel der großen Unternehmen planen, den Anteil alternativer Rohstoffe in den kommenden fünf Jahren auszubauen. Auch die Absicherung gegen steigende Energiepreise bleibt ein Thema. Auffällig ist, dass dabei trotz der erheblichen Anstrengungen der letzten Jahre immer noch mehr als die Hälfte der Unternehmen weiter auf eine Senkung des Energieverbrauchs setzt. Regenerative Energien halten nur etwas mehr als zwei Prozent für geeignet.

(Redaktion)