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Wirtschaft | Mi, 30.10.2013 12:40

Schwaches Wachstum in Deutschland belastet KMU

Der Mittelstand zeigte sich auch im vergangenen Jahr robust. Noch sind die Unternehmen widerstandsfähig. Allerdings geht die Wachstumsschwäche in Europa auch am deutschen Mittelstand nicht spurlos vorbei: Es legen sich die ersten Schatten über den langjährigen Erfolg. Das zeigt das KfW-Mittelstandspanel 2013.


Die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) haben ihren Umsatz im letzten Jahr zwar um 2,4 Prozent erhöht. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 8,1 Prozent; er fällt damit um 70 Prozent. Während zudem ein Zuwachs von zwei Prozent an Vollzeitbeschäftigten zu beobachten ist, wird Teilzeitbeschäftigung abgebaut (-15 Prozent). In der Folge nimmt erstmals seit sechs Jahren die Zahl der erwerbstätigen Personen im Mittelstand ab, wenn auch nur geringfügig um 0,3 Prozent. Der "Jobmotor Mittelstand" beginnt zu stottern.

Die durchschnittliche Umsatzrendite im gesamten Mittelstand entwickelt sich positiv. Sie nimmt um 0,3 Prozentpunkte auf sechs Prozent zu. Das ist der höchste Wert seit Erhebung des Mittelstandspanels im Jahr 2002.

Die Schatten werden beim Blick auf die kleinen Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten sichtbar - sie bilden mit einem Anteil von 92 Prozent die Basis des Mittelstands. Deren Entwicklung koppelt sich ab: die Umsatzrenditen der Kleinen sinken deutlich um 1,1 Prozent auf 10,3 Prozent. Dies führt bei dieser Unternehmensgruppe erstmals seit fünf Jahren auch zu einem Rückgang der Eigenkapitalquoten, und zwar deutlich von 23,5 Prozent auf 18,5 Prozent.

Bedenklich ist auch die Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe. Sowohl das forschungs- und entwicklungsintensive Verarbeitende Gewerbe als auch das Sonstige Verarbeitende Gewerbe sind für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft besonders wichtig. In beiden Segmenten geht das Umsatzwachstum 2012 nach zweistelligen Zuwachsraten der letzten Jahre auf 3,2 Prozent bzw. auf 1,7 Prozent zurück. Diese Entwicklung hat Folgen für die Profitabilität der Unternehmen. Sie nimmt in den FuE-intensiven KMU besonders stark, um 0,7 Prozentpunkte, ab. Eine Fortdauer dieser Entwicklung hätte Folgen für die Investitions- und Innovationsfähigkeit der Unternehmen.

Die Unsicherheit über die noch ausstehenden Strukturreformen in Europa, die Rezession in der Eurozone sowie global gebremstes Wachstum schlagen sich auf die Investitionsbereitschaft der mittelständischen Unternehmen nieder. Trotz historisch gutem Kreditzugang hält sich der Mittelstand mit Investitionen zurück. Die im Vorjahr verzeichnete Erholung der Investitionstätigkeit war nicht von Bestand. Stattdessen sinken die gesamten Investitionsausgaben im Jahr 2012 auf 191 Milliarden Euro (-2,4 Prozent). Der Anteil der investierenden Unternehmen im Mittelstand nimmt wiederholt ab und liegt mit 41 Prozent um zwei Prozentpunkte niedriger als im Vorjahr. Dabei geht die Schere zwischen kleinen und großen Unternehmen weiter auf.

Der Chefvolkswirt der KfW, Dr. Jörg Zeuner, sagte: „Die kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland haben es im Vergleich mit anderen Staaten in Europa gut durch die Krise der letzten Jahre geschafft. Dies hat auch Kräfte gekostet. Besonders die Entwicklung von Profitabilität und Eigenkapitalausstattung bei den Kleinen gibt Anlass zur Sorge. Setzt sich diese Entwicklung mittel- bis langfristig fort, sind Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen wahrscheinlich. Das KfW-Mittelstandspanel zeigt: Teile des deutschen Mittelstands leben auch von der Substanz. Es gilt daher jetzt umso mehr, seine Stärken zu erhalten und zu fördern: Größenvielfalt, eine ausgewogene Branchenstruktur, eine starke industrielle Basis, Innovationsfreude und Kundenorientierung. Dafür müssen die Wachstumskräfte vor allem in Europa gestärkt und das Investitionsklima verbessert werden.“

(Redaktion)