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Wirtschaft | Mo, 29.10.2012 08:11

Schwächeres Wirtschaftswachstum in Baden-Württemberg

Die zyklische Abschwächung der Weltwirtschaft macht auch vor Baden-Württemberg nicht halt. Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im ersten Halbjahr 2012 noch um 1,6 Prozent. In der zweiten Jahreshälfte wird eine solche Rate nicht mehr erreicht werden können. Im dritten Quartal dürfte die reale Wirtschaftsleistung um rund ein Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen sein. Für das letzte Quartal prognostiziert das Statistische Landesamt nur noch eine Rate von etwa 0,75 Prozent. Damit deutet sich eine Bodenbildung an. Hierauf weist auch der Gesamtkonjunkturindikator des Statistischen Landesamtes hin.


In den Sommermonaten setzte sich der konjunkturelle Abschwung der Binnennachfrage weiter fort. Die Inlandsumsätze des Verarbeitenden Gewerbes stiegen im Frühjahr 2012 noch um 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im Durchschnitt der Monate Juni bis August ist jedoch ein Rückgang von 2,5 Prozent zu verzeichnen. Der konjunkturelle Wendepunkt wurde im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt bereits zu Jahresbeginn erreicht, d.h. seitdem sinken die Inlandsumsätze. Erst in den Sommermonaten zeigte sich dieser Rückgang allerdings auch in negativen Vorjahresveränderungsraten. Die Schwächephase hat sich also nicht verstärkt, sondern setzt sich fort. Der konjunkturelle Zenit wurde im Maschinenbau bereits im Herbst letzten Jahres überschritten. In den Sommermonaten gingen die Inlandsumsätze im Vorjahresvergleich um 4,7 Prozent zurück. Im Fahrzeugbau wurde der Wendepunkt dagegen erst im Frühjahr dieses Jahres erreicht. So lagen die Umsätze der Hersteller von Kraftwagen und Kraftwagenteilen im Sommer um 1,5 Prozent unter ihrem Vorjahreswert.

Aus der Entwicklung der inländischen Auftragseingänge ist nicht herauszulesen, dass sich die Binnennachfrage in absehbarer Zeit belebt. Die entsprechenden Vorjahresveränderungsraten für das Verarbeitende Gewerbe insgesamt sind seit Anfang des Jahres im Minus. Zuletzt belief sich der Wert auf -6,1 Prozent. Weder die Auftragseingänge der Investitions- noch der Vorleistungs- oder Konsumgüterhersteller entwickelten sich gegen den Trend. Allerdings war das Vorjahresminus bei letzteren noch am wenigsten stark ausgeprägt und man hier in den Sommermonaten sogar von einer gewissen Stabilisierung sprechen kann. Gegenüber dem Vorjahr sanken die Auftragseingänge noch um 3,3 Prozent. Im Vergleich zur Vorperiode betrug die Veränderungsrate aber nur noch -0,2 Prozent.

Die Auslandsnachfrage bleibt die Stütze der baden-württembergischen Konjunktur. Getragen wird diese vor allem von außereuropäischen Märkten. Während die Umsätze aus dem Inlandsgeschäft auf breiter Front rückläufig waren, stiegen die Auslandsumsätze der heimischen Industrie zwischen Juni und August 2012 um 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum an. Gegenüber dem Frühjahrswert ist dies nur eine leicht schwächere Rate. Die Erlöse der Investitionsgüterhersteller stiegen mit 5,1 Prozent überdurchschnittlich. Bemerkenswert ist die unterschiedliche Dynamik im Fahrzeugbau einerseits (+11,8 Prozent) und im Maschinenbau andererseits (+0,6 Prozent), den beiden Branchen, die die Investitionsgüterindustrie im Wesentlichen ausmachen. Während die Auslandsumsätze im Fahrzeugbau seit ungefähr zwei Jahren einen nahezu ungebrochenen Aufwärtstrend aufweisen, hat sich die Umsatzentwicklung im Maschinenbau deutlicher abgeflacht. Vorleistungs- wie auch Konsumgüterumsätze stagnierten im Vorjahresvergleich zuletzt nahezu.

Es spricht einiges dafür, dass die Auslandsnachfrage vorläufig weiter trägt. Ein Blick auf die saisonbereinigten und geglätteten Absolutwerte zeigt, dass die Auftragseingänge zwar stark schwanken, im Trend seit Jahresbeginn aber aufwärtsgerichtet sind. Besonders gefragt bleiben Investitionsgüter. Dies gilt besonders für Fahrzeuge. Die Auslandsbestellungen im Maschinenbau waren dagegen im Sommer im Vergleich zu den Vormonaten rückläufig.

Tendenziell konjunkturstabilisierend dürfte die Lage am Arbeitsmarkt wirken. Der Jobaufbau in Baden-Württemberg wurde zwar schwächer, setzte sich aber fort. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten legte nach vorläufigen Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit im Durchschnitt der Monate Mai bis Juli 2012 um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Im September stieg die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr leicht an. Allerdings lag die Arbeitslosenquote mit 3,9 Prozent nach wie vor auf niedrigem Niveau.

(Redaktion)