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| Di, 30.09.2008 11:41

Staumeldung lässt Wecker früher klingeln

Von: Willi Baur, Universität Ulm

Besuch zum Abendessen angesagt und Kühlschrank samt Keller leer oder zumindest nicht ausreichend bestückt - was kochen, was einkaufen? Da hilft in Zukunft vielleicht Atraco (Adaptive and Trusted Ambient Ecologies), sinngemäß übersetzt und der Projektbeschreibung zufolge "ein anpassungsfähiger und zuverlässig arbeitender Raum, bevölkert von miteinander vernetzten und mit ihrer Umgebung sowie mit den Menschen in Beziehung stehenden Geräten und Diensten, die die Nutzer bei ihren alltäglichen Aktivitäten sinnvoll unterstützen".

Prof. Wolfgang Minker (li.) und Tobias Heinroth (Foto: Universität Ulm)

Prof. Wolfgang Minker (li.) und Tobias Heinroth (Foto: Universität Ulm)


Dann reicht im Zweifelsfall sogar eine gesprochene Gästeliste. Den Rest erledigt Atraco, von der Rezeptauswahl über die Einkaufsliste und die Bestellungen bis zum Musikprogramm. Vorausgesetzt kulinarische und musikalische Vorlieben der Besucher sind in der dynamischen Datenbank gespeichert.

Noch freilich ist Atraco nur ein auf drei Jahre angelegtes Forschungsprojekt, finanziert aus dem siebten Rahmenprogramm der Europäischen Union (EU) mit 2,5 Millionen Euro. Beteiligt sind 22 Wissenschaftler in fünf Forschungseinrichtungen in England, Frankreich, Griechenland und Deutschland. Gemeinsame Projektleiter sind Professor Wolfgang Minker und sein Doktorand Tobias Heinroth vom Institut für Informationstechnik der Universität Ulm. "Grundidee ist das intelligente Haus", sagt Heinroth, "unsere Ausgangsbasis sind bewohnte Räume mit verschiedenen integrierten Geräten und Technologien". Ziel des Projekts sei nun, dass diese untereinander und mit Menschen kommunizieren können, mittels Spracherkennung unter anderem, interaktiv und mit einer besonderen Fähigkeit: "Das System soll vom Benutzer lernen, sich dynamisch weiterentwickeln", so der junge Wissenschaftler, der neben der Projektsteuerung inhaltlich für die Komponenten Sprachdialoge und Interaktion zuständig ist.

Wobei freilich eine konventionelle Dialogführung mit dem Rechner nicht ausreiche: "Sie funktioniert ja nur starr im Rahmen programmierter Schritte." Hier aber sei hohe Flexibilität gefordert, Mitdenken des gesamten Systems sozusagen. Wenn eine morgendliche Staumeldung im Verkehrsfunk die ursprünglich vorgegebene Weckzeit vorverlegen soll, den Start der Kaffeemaschine natürlich auch. Oder die rechtzeitige Beheizung von Bad und Wohnräumen. Für Problemlösungen dieser Art ist ein weiteres Ulmer Uni-Institut beteiligt: Professorin Susanne Biundo-Stephan (Künstliche Intelligenz), assistiert von einem Doktoranden. Ihre Expertise beisteuern sollen ferner Professor Michael Weber und einer seiner Doktoranden vom Institut für Medieninformatik. Ihre Schwerpunkte sind die Aspekte Sicherheit und Privatsphäre, konzentriert auf die Fragestellung: "Was und wie viel darf die Maschine wissen?"
Über die Trinksitten potenzieller Gäste zum Beispiel. "Nur deren Präsenz in der Datenhaltung ermöglicht dem Rechner den Abgleich mit einem eventuellen Vorrat und den Bestellvorgang", erläutert Tobias Heinroth, "bezogen auf Art und Menge des jeweiligen Getränks gleichermaßen".

Noch spricht er von einer "Vision", wenn er Komponenten und Teilprojekte der "funktionierenden Hauswirtschaft" erläutert. Wohnung und Hardware indes sind bereits Realität. In der Universität von Essex nämlich, rund 100 Kilometer nordöstlich von London, ebenfalls Domizil einer beteiligten Forschungsgruppe. Auch vom praktischen Nutzen ihrer Entwicklung haben Minker und Heinroth schon durchaus konkrete Vorstellungen: "Allein lebende ältere oder behinderte Menschen könnten davon ganz erheblich profitieren."

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e.V. (idw)