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Wirtschaft | Do, 21.10.2010 13:59

Stellenabbau in Baden-Württemberg im 2. Quartal 2010 fast gestoppt

Im 2. Quartal 2010 hat sich die Beschäftigungssituation in Baden-Württemberg verbessert. Wie das Statistische Landesamt nach Auswertung der aktuellsten Daten des Arbeitskreises „Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder“ mitteilt, kam der seit dem 2. Quartal 2009 zu beobachtende Stellenabbau fast zum Stillstand.


Insgesamt gab es im Land 5,57 Millionen Arbeitsplätze, lediglich 2.300 weniger als im vergleichbaren Vorjahresquartal (–0,04 Prozent). Bereits im 1. Quartal 2010 hatte sich der Personalrückgang gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal auf 34.000 verringert (–0,6 Prozent). Gegenüber dem Vorquartal stieg die Zahl der Erwerbstätigen im Südwesten um fast 47.000. Ein Anstieg der Gesamtbeschäftigung im 2. Quartal ist zwar saisonal üblich, dieser fiel aktuell jedoch mehr als dreimal so stark aus wie im Jahr 2009 (+15.000 Erwerbstätige) und erreichte fast die Stärke des Hochkonjunkturjahres 2008 (+50.000 Erwerbstätige).

In dem positiven Trend auf dem Arbeitsmarkt spiegelt sich die kräftige konjunkturelle Erholung der baden-württembergischen Wirtschaft wider. Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt ist im ersten Halbjahr 2010 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 5 Prozent gestiegen. Dass dieses kräftige Wirtschaftswachstum gesamtwirtschaftlich im Vergleich zum Vorjahr noch keinen Erwerbstätigenzuwachs brachte, hat mehrere Gründe. Zum einen ist der konjunkturelle Aufschwung noch jung und läuft der Beschäftigungsentwicklung stets zeitlich voraus. Hinzu kommt, dass die Betriebe im Land in der zurückliegenden Wirtschaftskrise in einem bis dahin noch nie beobachteten Ausmaß ihren Personalbestand mittels Kurzarbeit und dem Abbau von Arbeitszeitkonten so weit wie möglich gesichert haben. Mit dem Anziehen der Konjunktur werden daher zunächst vorhandene Personalkapazitäten voll ausgelastet, bevor es zu Neueinstellungen kommt. Nach neuesten Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im Juni 2010 immer noch fast 86.000 Arbeitnehmer in 7.100 baden-württembergischen Betrieben konjunkturell bedingt von Kurzarbeit betroffen.

Die konjunkturelle Erholung war in allen großen Wirtschaftsbereichen zu beobachten. Das Produzierende Gewerbe profitierte im Zuge der Erholung der Weltkonjunktur von der verbesserten Auftragslage vornehmlich aus dem Ausland. Dort waren im 2. Quartal 2010 mehr als 1,74 Millionen Personen erwerbstätig, und der Stellenabbau gegenüber dem Vorjahresquartal reduzierte sich auf 37.000 (–2,1 Prozent). Im 1. Quartal 2010 hatte der Personalrückgang noch über 58.000 betragen. Im Dienstleistungssektor, wo 3,73 Millionen Personen tätig sind, verstärkte sich das Stellenplus im 2. Quartal 2010 gegenüber dem Vorjahresquartal per Saldo auf mehr als 35 000 neue Arbeitsplätze oder +1,0 Prozent (1. Quartal 2010: +25.000 Erwerbstätige). Diese konnten den Stellenabbau in der Industrie und in der Land- und Forstwirtschaft jedoch nicht vollständig ausgleichen.

Insbesondere die öffentlichen und privaten Dienstleister erhöhten ihren Personalbestand um mehr als 29 000 Personen (+1,9 Prozent), was vor allem dem Gesundheitswesen zu verdanken war. Bei den Unternehmensdienstleistern gab es ein Stellenplus gegenüber dem Vorjahr von 17.000 oder 1,9 Prozent. Ausschlaggebend war die Zeitarbeitsbranche, die als Frühindikator auf dem Arbeitsmarkt gilt. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im Juni 2010 rund 80.000 Arbeitnehmer in der Zeitarbeitsbranche sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 28.000 mehr als ein Jahr zuvor.

Die Entwicklung der Zeitarbeit und der Kurzarbeit, aber auch anderer Frühindikatoren für die weitere Beschäftigungsentwicklung wie die Zahl der gemeldeten Arbeitsstellen und der Arbeitslosen deuten darauf hin, dass sich die Erholungstendenzen auf dem Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg fortsetzen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit stieg die Zahl der gemeldeten Arbeitsstellen bis September 2010 auf über 58.000 an. Die Zahl der Arbeitslosen liegt seit Mai 2010 immer deutlicher unter den entsprechenden Vorjahreswerten. Im September waren in Baden-Württemberg 258.000 Menschen arbeitslos, 38 000 weniger als ein Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote lag mit 4,6 Prozent mit Ausnahme von Bayern in keinem anderen Bundesland so niedrig wie in Baden-Württemberg.

(Redaktion)