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Wirtschaft | Do, 09.10.2014 13:15

Stimmung im Mittelstand im September erneut schlechter

In der deutschen Wirtschaft läuft es nicht mehr rund. Die kräftigen Rückgänge bei Auftragseingängen und Industrieproduktion im August werden nicht die letzten schlechten Nachrichten bei den harten Konjunkturdaten bleiben, wenn die Firmen in ihrer Selbsteinschätzung Recht behalten. Der Mittelstand meldet für September eine erneute Verschlechterung seines Geschäftsklimas, diesmal um 1,4 Zähler auf 10,6 Saldenpunkte. Die Stimmung sinkt damit bereits den sechsten Monat in Folge. Das sind Ergebnisse des aktuellen KfW-ifo-Mittelstandsbarometers.


Nicht nur die Gegenwart, auch die Zukunft erscheint in einem immer trüberen Licht: Die Lageurteile verlieren 1,4 Zähler auf 20,2 Saldenpunkte. Damit bewerten die Mittelständler ihre aktuelle Geschäftslage im langfristigen Vergleich zwar noch immer recht gut, aber auch deutlich schlechter als im Frühjahr. Die Erwartungen trüben sich um 1,3 Zähler auf 1,0 Saldenpunkte ein. Damit liegen sie nur noch unwesentlich über der Nulllinie, die für den langfristigen Durchschnitt steht.

„Das im September erneut sehr schwache Ergebnis des KfW-ifo-Mittelstandsbarometers setzt ein großes Fragezeichen hinter die deutschen Wachstumsaussichten für dieses und das kommende Jahr“, sagt Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW. Selbst die jüngst auf breiter Front gesenkten Konjunkturprognosen könnten sich nach heutigem Stand als zu optimistisch erweisen. „Ein halbwegs befriedigendes Jahresergebnis steht für Deutschland 2014 zwar nicht in Frage - dank des gelungenen Jahresauftakts ergäbe sich selbst bei Stagnation im zweiten Halbjahr ein Realwachstum von 1,2 Prozent. Doch die Perspektiven für 2015 werden düsterer.“

Sogar noch größere Sorgen als die Mittelständler machen sich im September die Großunternehmen. Während sich ihre aktuelle Geschäftslage noch relativ moderat um nur einen Zähler schlechter als im Vormonat bewerten (16,1 Saldenpunkte), nimmt die Angst vor einbrechenden Geschäften rapide zu: Die Erwartungen der großen Firmen rauschen um 5,9 Zähler nach unten; das entspricht knapp dem Doppelten einer normalen Monatsveränderung. Mit -5,6 Saldenpunkten notiert der Indikator erstmals seit Anfang 2013 wieder im negativen Bereich.

Vor allem das internationale Umfeld sehen die großen exportorientierten Firmen wohl mit zunehmender Sorge. Das Wachstum der Schwellenländer und des Welthandels hat sich strukturell verlangsamt, die Erholung in Europa lässt weiter auf sich warten. Dazu kommen ein gehöriges Maß an geopolitischer Unsicherheit im Nahen Osten und der Ukraine. Demgegenüber ist auf die Binnenwirtschaft noch Verlass: Der Einzelhandel ist im September der einzige Wirtschaftsbereich, in dem sich das Geschäftsklima in beiden Größenklassen leicht verbessern kann.

Sorge bereiten die fehlenden Wachstumsimpulse aus Europa: „In der Eurozone sehe ich in diesem Jahr ein schwaches Wachstum von nur 0,7 Prozent, für 2015 erwarte ich 1,0 Prozent“, so Zeuner. „Ohne eine durchgreifende Erholung im Heimatmarkt Europa wird aber auch in Deutschland kein dynamischer Aufschwung gelingen.“

(Redaktion)