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Wirtschaft | Mi, 03.07.2013 09:19

Stimmung in der baden-württembergischen Wirtschaft hellt sich auf

Die Betriebe im Südwesten blicken weiter optimistisch in die nahe Zukunft. Angekurbelt wird die Nachfrage vor allem durch Aufträge aus dem Ausland. Vorzeigebranche bleibt die Bauindustrie. Gute Laune herrscht auch in der Konsumgüterindustrie, die Stimmung in der Chemie hat sich dagegen nach dem zuletzt turbulenten Aufstieg deutlich eingetrübt. Der Einzelhandel bleibt Sorgenkind des Landes. Zu diesen Ergebnissen kommt der Konjunkturbericht Baden-Württemberg der L-Bank für den Monat Juni.


Der Ausblick für die Gesamtwirtschaft ist verhalten optimistisch. Positive Signale, die zur Stimmungsaufhellung beitragen, kommen von der Kreditwirtschaft. Der Wert der Kredithürde für die Gesamtwirtschaft (außer Bauhauptgewerbe) in Südwest liegt aktuell bei 15,6 Prozent. „Die Finanzierungsbedingungen für die Unternehmen in Baden-Württemberg sind gut“, bestätigt Christian Brand, Vorsitzender des Vorstands der L-Bank, Staatsbank für Baden-Württemberg.

Die Kredithürde gibt den Anteil der Unternehmen an, die die Kreditvergabe als restriktiv empfinden. Im Bundesdurchschnitt liegt der Wert mit 19,6 Prozent um vier Prozentpunkte höher. Die Differenz erklärt sich allerdings auch mit einem höheren Anteil der Industrieunternehmen in Baden-Württemberg im Vergleich zum Bund. Dem Wirtschaftszweig geht es in der Tendenz besser als anderen Sektoren.

Die gesunde Wirtschaftsstruktur Baden-Württembergs trägt ihren Teil zur Attraktivität des Standorts bei. Dabei ist der Ruf des Bundeslandes bei ausländischen Investoren schon heute exzellent. Das geht aus einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft Ernst&Young hervor. 2012 wurden im Südwesten 224 Projekte realisiert. Das entspricht einem Drittel aller Neuansiedlungen und Erweiterungen. Platz zwei bei den Investitionszielen belegt Nordrhein-Westfalen mit 136 Projekten. Danach folgen Hessen mit 68 und Bayern mit 44 Projekten.

Im Visier haben die Investoren unter anderem Maschinenbaufirmen. Diese Industrie, die Bauwirtschaft und die Konsumgüterbranche sorgen für die Stimmungsaufhellung der Wirtschaft im Südwesten.

Die Entwicklung im Maschinenbau verläuft erfreulich. Die Industrie ist in Baden-Württemberg stark verankert, über 50 Prozent der deutschen Werkzeugmaschinen- und Präzisionswerkzeughersteller sind im Land ansässig. Von Mai auf Juni ist der Saldo zum Geschäftsklimaindex der Branche um 5,5 auf 8,9 Prozentpunkte gesprungen. Das ist der höchste Wert des Stimmungsbarometers seit Mai 2012. Auch für die kommenden sechs Monate zeigen sich die Unternehmen optimistisch. Sie begründen dies mit starken Erwartungen an den Export. Ulrich P. Hermani, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer in Baden-Württemberg, bleibt dennoch vorsichtig: „Wir rechnen derzeit mit einem Umsatzplus von zwei Prozent in diesem Jahr“.

Zum Aufsteiger des Jahres avanciert die Konsumgüterindustrie. Der Saldo zum Geschäftsklimaindex ist im Juni mit 13,4 Punkten auf den höchsten Wert innerhalb der vergangenen zwölf Monate geklettert. Zudem schauen die Unternehmen sehr optimistisch in die Zukunft. In den kommenden drei Monaten werden die Umsätze steigen, sind sich viele Unternehmen sicher. Der Wert für die Erwartungen an die Geschäftslage klettert mit 11,0 Punkten auf den zweithöchsten Stand innerhalb der vergangenen zwölf Monate. Auch in dieser Industrie kurbelt der Export die Geschäfte überproportional an.

Eine überraschende Trendwende deutet sich in der Autoindustrie an. Nach monatelangem Pessimismus ist das Stimmungsbarometer im Juni in den positiven Bereich zurückgekehrt. Der Saldo zum Geschäftsklimaindex springt um über 13 auf 6,6 Punkte nach oben. Schon im Mai war das Barometer um 8 Punkte gestiegen. In den vergangenen zwölf Monaten verharrte der Wert zumeist im negativen zweistelligen Bereich. Der Treiber des Aufwärtstrends ist ebenfalls der Export.

Die Stimmung in der Chemieindustrie dagegen hat sich dramatisch verschlechtert. Der Saldo zum Geschäftsklimaindex stürzt innerhalb eines Monats um 12,1 auf 1,9 Punkte ab. Das ist der tiefste Wert innerhalb der vergangenen sechs Monate. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Der Wert für die Erwartungen an die kommenden drei Monate sinkt um sieben auf 5,5 Punkte.

Das Sorgenkind der baden-württembergischen Wirtschaft bleibt der Einzelhandel. Das Stimmungsbarometer der Branche verharrt seit einem Jahr konstant im zweistelligen, negativen Bereich. Von Mai auf Juni dieses Jahres hat sich der Saldo um 2,8 auf -23,7 Punkte verschlechtert. Ganz offenbar kann der Einzelhandel des Landes nicht von der grundsätzlich positiven Verbraucherstimmung profitieren. Die so genannte Anschaffungsneigung der Bundesbürger, die von der GfK ermittelt wird, liegt weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Die Sparneigung dagegen geht auf ein Rekordtief zurück.

(Redaktion)