Sign In

Welcome, Login to your account.

IT / Kommunikation | Fr, 24.05.2013 10:38

Studie: Digitalisierung von Geschäftsprozessen im Mittelstand

Der Mittelstand hat die Bedeutung der Digitalisierung erkannt. Die Vorstellungen sind jedoch in der Regel noch nicht konkret. Das zeigt die Deloitte-Studie "Digitalisierung im Mittelstand". Immerhin weisen 73 Prozent der Befragten dem Phänomen eine hohe bzw. sehr hohe Aktualität zu, 76 Prozent sehen eine hohe strategische Relevanz. Vor allem im Handel hat sich diese Sichtweise durchgesetzt. Dies gilt jedoch weniger für den Dienstleistungsbereich und noch weniger für die Industrie.


Die Digitalisierungstreiber lassen sich in externe und interne einteilen. Letztere sind beispielsweise Prozess- und Kostenstruktur-Optimierungen, organisatorische Veränderungen und zunehmendes Datenvolumen. Als externe Treiber gelten Kunden- und Lieferantenanforderungen, veränderte Marktkonstellationen sowie politische Vorgaben. Allerdings entstehen viele interne Treiber erst durch externen Druck - zahlreiche Unternehmen haben die Dimension dessen noch gar nicht erfasst.

„Die rechtzeitige Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Folgen der Digitalisierung wird von existenzieller Bedeutung sein. Dies betrifft neben der Hebung von Effizienzen nahezu alle betrieblichen Prozesse sowie die Kommunikationskanäle und wird schon mittelfristig Auswirkungen auf das Gesamtunternehmen haben. Es wird nicht ausreichen, Digitalisierung auf einzelnen Unternehmensebenen voranzutreiben. Es gilt, nicht jedem Trend zu folgen, sondern einen eigenen ganzheitlichen Ansatz zu entwickeln“, fasst Jürgen Reker, Partner und Leiter Mittelstand bei Deloitte, zusammen.

Konkrete Herausforderungen sehen diejenigen Mittelständler, die bereits einen hohen Digitalisierungsgrad aufweisen, vor allem bei der Datensicherheit und –qualität oder der Steuerung einer fragmentierten Infrastruktur. Aber auch die Transparenz von Erfolgen, Misserfolgen und Kosten zählt dazu. Besonders wichtig sind: Informationssicherheit, Enterprise Collaboration, Mobile Commerce, Business Activity Management und Business Rules Management.

Bei der Einbettung der Digitalisierung in die Unternehmensstrategie zeigt sich, dass jene kein eigenständiges Ziel ist. Immerhin betreiben 61 Prozent der Befragten eine solche - oft als Unterstützungsfunktion. Auffällig: 91 Prozent der managergeführten, aber nur 52 Prozent der eigentümergeführten Unternehmen betten die Digitalisierung in ihre Strategie ein.

Insgesamt 78 Prozent der Mittelständler geben an, ihre Digitalisierung systematisch zu planen. Experten bezweifeln dies, denn tatsächlich betreiben nur 25 Prozent eine Einzelplanung für Digitalisierungsprojekte. Rund 80 Prozent führen eine Digitalisierungskontrolle durch -anhand von Kennzahlen, persönlichen Gesprächen und Berichten. Diese ist jedoch stärker informell als formal ausgeprägt.

Die Digitalisierung verändert Geschäftsmodelle: Über ein Drittel glaubt an maßgebliche Veränderungen in den nächsten drei Jahren, insbesondere bei der Ertragsmechanik, der Ressourcenstruktur und der Produkt-Markt-Kombination. Nur ein Viertel hingegen erwartet eine Veränderung der Wertschöpfungskette an sich.

Die klassischen Wertschöpfungs-Schemata erodieren im Zuge der Digitalisierung. Information rückt gegenüber Produkten in den Vordergrund. Besonders gut bereiten Unternehmen die Bereiche Rechnungswesen, Finanzen, IT und Controlling auf Veränderungen vor. Deutlich schlechter sieht es bei Personal, Wissensmanagement und Rechtsabteilung aus. Insgesamt weisen alle primären Leistungsprozesse einen lediglich durchschnittlichen Vorbereitungsgrad auf. Überprüft werden Digitalisierungsprojekte insbesondere im Controlling, in der Beschaffung und im Marketing. Generell unzureichend hingegen ist die Umsetzung der Datenschutzanforderungen.

„Die mittelständischen Studienteilnehmer bewerten die Effektivität ihrer Digitalisierungsprojekte zu 59 Prozent, die Effizienz zu 46 Prozent mit 'gut'. Gerade beim ersten Fall sind externe Experten aber skeptisch, denn viele Mittelständler sind aufgrund ihrer Struktur kaum in der Lage, den vollen Funktionsumfang von Systemen auszureizen. Der Reifegrad hängt dabei stark von der Unternehmensgröße ab. So sehen 87 Prozent der Befragten konkrete Optimierungsbedarfe“, fasst Jürgen Reker zusammen.

Die komplette Studie "Digitalisierung im Mittelstand" steht als PDF zum Download zur Verfügung.

(Redaktion)