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Wirtschaft | Di, 01.03.2011 09:34

Studie sieht Private-Equity-Branche in Deutschland im Aufwind

Der aktuelle Stimmungsindikator der Private-Equity-Branche von Deloitte erreicht im vierten Quartal 2010 bereits wieder die Spitzenwerte der Boomjahre bis 2007. Die Gründe liegen in der Erholung der Gesamtwirtschaft sowie dem einfacheren Zugang zu Fremdkapital. Mehr als die Hälfte der Private-Equity-Manager sehen hierbei bessere Kapitalzugangsmöglichkeiten, um damit neue Unternehmensbeteiligungen zu finanzieren - der höchste Wert seit dem ersten Quartal 2004.


Als besonders attraktive Investitionsobjekte gelten dabei Unternehmen aus dem Bereich Konsumgüter. Jedoch stehen auch Beteiligungen an Anbietern aus der Healthcare- und Life-Sciences-Branche hoch im Kurs. Geografisch steht Deutschland im Bereich Handel solide da: Etwa ein Fünftel der Private-Equity-Manager würde heute hier erstmals investieren, insgesamt ist Deutschland für knapp zwei Drittel interessant.

"Die Private-Equity-Branche in Deutschland profitiert vom Aufschwung der Gesamtwirtschaft: Das Konjunkturbarometer zeigt nach oben und die Anzahl der Transaktionen nimmt zu. Die allgemeine Tendenz gilt für zahlreiche Branchen, vor allem aber im Handelssegment - wie auch der Börsengang von Tom Tailor oder der Verkauf der Takko-Kette zeigen", erklärt Christof Dreibholz, Partner im Bereich Transaction Services bei Deloitte.

Deutliches Zeichen des Aufschwungs ist das Stimmungsbarometer: Mit einem Wert von 130 konnte es gegenüber der letzten Erhebung Anfang des Jahres 2010 um 14 Prozentpunkte zulegen und erreicht damit den Spitzenwert der Jahre bis 2007. Dabei sieht gut die Hälfte der befragten Manager optimistisch in die Zukunft - bei der letzten Erhebung waren es knapp zwei Drittel. Unabhängig davon - sicherlich auch vom Aufschwung getragen - erwarten 87 Prozent der Befragten eine Verbesserung der Finanzsituation ihrer Beteiligungen. Dazu trägt auch der einfachere Zugang zu Fremdkapital bei, der mittlerweile von 55 Prozent der Befragten erwartet wird.

Mehr Kapital bedeutet tendenziell auch ein höheres Transaktionsvolumen: Die europäischen LBO-Volumina sind im Jahr 2010 insgesamt auf 31,5 Mrd. Euro angestiegen. 2009 lagen sie noch bei neun Mrd. Euro. Aktuell erwarten 72 Prozent der Befragten, dass die Anzahl der Transaktionen steigen werden. Mit zunehmender Investitionsbereitschaft, schätzen 45 Prozent, werden auch die Multiples steigen, allerdings geht die knappe Mehrheit von gleich bleibenden Multiples aus. Im besonderen Fokus für Transaktionen stehen zurzeit die Healthcare- und Life-Science-Branche, aber auch Unternehmen der Konsumgüterindustrie, wobei das Interesse an den Branchen Energie-, Chemie- und Bergbau nachlässt.

Das Interesse an deutschen Handelsunternehmen entwickelt sich solide: Über 20 Prozent der Befragten würden erstmals in ein deutsches Handelsunternehmen investieren, insgesamt halten 65 Prozent entsprechende Investments für viel versprechend.

Experten zufolge wird das Umsatzwachstum im Handelssektor in den nächsten Jahren bei zweieinhalb bis drei Prozent liegen. Wichtig für Investoren sind der nachhaltig darstellbare Marktanteil der Unternehmen sowie die Option von Folgeinvestitionen. Insbesondere richtet sich ihr Interesse auf Handelsunternehmen im oberen Preissegment, aber auch umsatzstarke Discounter gelten momentan als lohnende Transaktionsobjekte.

"Es bleibt abzuwarten, ob das zunehmende Interesse an Handelsunternehmen und dem Konsumgütersektor zum dauerhaften Trend wird. Das hängt nicht zuletzt auch von der weiteren Entwicklung der Binnenkonjunktur ab. Allerdings lässt die Vorliebe für das obere und untere Preissegment darauf schließen, dass sich die Investoren für mögliche Krisen wappnen wollen: Beide gelten im Unterschied zum mittleren Segment als krisenfester", ergänzt Guy Street, Partner im Bereich Transaction Services bei Deloitte.

(Redaktion/Deloitte)