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KMU & Freiberufler | Do, 18.04.2013 12:56

Studie: Wie Deutschlands Frauen gründen

Bei Unternehmensgründungen von Frauen lassen sich typische Muster, Stärken und Schwächen erkennen lassen. Eine gezielte Unterstützung von Gründerinnen wird allerdings nicht flächendeckend angeboten. Besonders im Süden und in der Mitte Deutschlands ist die Unzufriedenheit darüber groß. Das ist das Ergebnis einer Studie der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation. Die Studie wurde im Auftrag der HypoVereinsbank und in Kooperation mit der Bundesweiten Gründerinnenagentur (bga) unter Leitung von Prof. Dr. Lars Rademacher erstellt.


In Deutschland gründen Frauen die meisten Unternehmen im Dienstleistungssektor (60 Prozent). Beim Großteil der angebotenen Services handelt es sich um Kreativleistungen. Motiviert wird die Unternehmensgründung meist durch den Wunsch nach einer erfüllenden Tätigkeit (24 Prozent) und nach der Entwicklung der eigenen Talente (19 Prozent). Nur drei Prozent der Frauen nannten einen Ausweg aus der Arbeitslosigkeit als Grund. Auch ein Mangel an passenden Angestelltenpositionen war nur für vier Prozent der Grund für eine Existenzgründung. Große Bedeutung besitzt für die Gründerinnen eine ausgewogene Work-Life-Balance (43 Prozent). Selbst in der akuten Gründungsphase nehmen nur 32 Prozent der Befragten persönliche Abstriche für das Unternehmen in Kauf.

„Wer eine erfüllende Tätigkeit als wichtigste Zielsetzung der Gründung nennt und großen Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance legt, hat sehr präzise Vorstellungen von seinem Leben. Entsprechend verwundert es nicht, dass die durchschnittliche Unternehmensgründerin in Deutschland 45 Jahre alt ist. Sie hat also bereits erhebliche berufliche Erfahrung vorzuweisen, gegebenenfalls eine Familie gegründet und entscheidet sich bewusst für das selbständige Unternehmertum“, so Prof. Dr. Lars Rademacher, Leiter des Studienganges Medienmanagement an der MHMK.

Als größte Hindernisse bei der Gründung nennen die Befragten die Einarbeitung in wirtschaftliche und steuerliche Fragen sowie die Sicherstellung der Finanzierung. Nur jede fünfte Gründerin sieht ihre Hausbank als guten Sparringspartner. Anders die Erfahrungen mit Mentoren: 93 Prozent der Gründerinnen sind mit ihrem Mentoring zufrieden. Allerdings werden Mentoringprogramme nur von einem guten Drittel der Frauen überhaupt genutzt. Zehn Prozent der Befragten wissen noch nicht einmal von der Existenz solcher Programme. Grundsätzlich würde fast jede zweite Gründerin (48 Prozent) eine weibliche Mentorin bevorzugen – motiviert wohl durch die Erwartung, dass Mentorinnen die spezifischen Herausforderungen und Wünsche weiblicher Gründerinnen besser adressieren können.

Bei der Suche nach einem geeigneten Mentoring erleben Gründerinnen je nach Region ein sehr unterschiedliches Angebot: So geben 41 Prozent der Befragten aus dem Norden Deutschlands und knapp 42 Prozent aus dem Osten an, dass sie genügend Informationen und Anlaufstellen finden, die Gründerinnen unterstützen. Im Süden und in der Mitte Deutschlands sagen das jeweils nur 24 bzw. 26 Prozent.

Besonders in Bayern und Baden-Württemberg kritisiert fast jede Zweite der befragten Jungunternehmerinnen, dass die Beratungsangebote die spezifische Situation von Frauen nicht berücksichtigen (47 Prozent). Von einem grundsätzlichen Mangel an Verständnis für weibliche Gründerinnen wollen allerdings auch in Bayern und Baden-Württemberg nur 16,1 der Frauen sprechen. Das sind immerhin aber noch doppelt so viele wie in den ostdeutschen Bundesländern (Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen) mit 8,5 Prozent.

Ein auffälliges Ergebnis der Gründerinnen-Studie 2013 ist die Beobachtung, dass die befragten Gründerinnen das Potenzial sozialer Medien noch nicht ausschöpfen. Nur knapp jede Zehnte sagt, dass soziale Medien Teil des Geschäftsmodells seien. Demgegenüber spielen soziale Medien für 39 Prozent der Befragten noch gar keine Rolle. 45 Prozent der Gründerinnen nennen Social Media als einen Kanal unter vielen für ihr Unternehmen. Auch in der Gründungsphase hat die Hälfte der Befragten (49 Prozent) soziale Medien überhaupt nicht in die Planung einbezogen. Die kleinere andere Hälfte hat Foren und Blogs zumindest passiv zur Informationsgewinnung genutzt (41,5 Prozent). Lediglich neun Prozent der Gründerinnen haben das Social Web aktiv genutzt, um sich mit anderen Gründerinnen auszutauschen und Netzwerke aufzubauen.

„Hier besteht sicherlich noch erhebliches Potenzial, das eigene Unternehmen durch Erfahrungsaustausch, Vernetzung und Marketingmaßnahmen in den sozialen Medien voranzubringen. Ein Training in der Social-Media-Nutzung muss zentraler Bestandteil bei jedem Gründermentoring sein – unabhängig davon, ob es sich um männliche oder weibliche Gründer handelt“, kommentiert David Wawrzinek, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der MHMK.

(Redaktion)