Sign In

Welcome, Login to your account.

Wirtschaft | Fr, 25.05.2012 08:12

Südwestwirtschaft weiter auf stabilem Kurs

Die Wirtschaft in Baden-Württemberg hält sich auch im Frühsommer diesen Jahres auf stabilem Kurs. Nahezu die Hälfte der Unternehmen gibt an, eine gute Geschäftssituation zu haben. Nur sechs Prozent sind aktuell nicht zufrieden. Damit hat sich die Lage im Vergleich zum Jahresbeginn nur geringfügig abgeschwächt. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern (IHKs) in Baden-Württemberg, an der sich über 4.000 Unternehmen beteiligt haben.


Im Vergleich zum Jahresbeginn sind die Betriebe wieder optimistischer: Fast dreißig Prozent erwarten bessere Geschäfte als im vergangenen Jahr. Rund 60 Prozent gehen von einer gleich bleibenden Entwicklung aus, nur etwa zwölf Prozent rechnen mit einer Verschlechterung ihrer Geschäfte. Eine im Vergleich zum Jahresbeginn verbesserte Nachfragedynamik trägt zu der positiven Stimmung bei. Einen Rückgang der Nachfrage melden nur noch zwölf Prozent der Unternehmen (Jahresbeginn: 16 Prozent), eine verbesserte Auftragslage geben dagegen 30 Prozent der Unternehmen an (Jahresbeginn: 24 Prozent).

„Dank ihrer hervorragenden internationalen Wettbewerbsfähigkeit ist es den baden-württembergischen Unternehmen gelungen, ihre Produkte und Dienstleistungen erfolgreich zu vermarkten und ihren Absatz im In- und Ausland auf dem bereits erreichten hohen Niveau zu halten“, erklärt Dr. Peter Kulitz, Präsident des Baden-Württembergischen IHK-Tages. Vier von zehn aller auslandsorientierten Südwestbetriebe rechnen mit steigenden Exporten in den kommenden zwölf Monaten. Mehr als die Hälfte erwartet Auslandsgeschäfte auf konstant hohem Niveau, nur jeder zehnte Betrieb befürchtet Exporteinbußen. Die gute Nachfrage kurbelt auch die Inlandsinvestitionen an. Fast 80 Prozent der Betriebe wollen in diesem Jahr gleich viel oder mehr im Inland investieren, nur ein Fünftel investiert in Deutschland weniger oder gar nicht.

„Sorge machen den Unternehmen allerdings nach wie vor die steigenden Energie- und Rohstoffkosten, 56 Prozent sehen hier das Konjunkturrisiko Nummer eins“, führt der Präsident des BWIHK aus. Denn sie belasteten nicht nur den eigenen betrieblichen Ertrag, sondern könnten auch das  globale Wirtschaftswachstum spürbar bremsen. Auf dem langen Weg zur Energiewende bleibe es Aufgabe der Landesregierung, den Unternehmen jederzeit ein Höchstmaß an Versorgungssicherheit zu wettbewerbsfähigen Preisen zu gewährleisten, mahnt Dr. Kulitz. Die Wirtschaft fordere von der Landesregierung für alle wesentlichen Handlungsbereiche in der Umsetzungsphase ein transparentes Controlling mit zeitlich definierten, messbaren Meilensteinen, transparenten Statusberichten und resultierenden Steuerungsmaßnahmen.

Stabil bleibt die Lage am Arbeitsmarkt: Mit einer Arbeitslosenquote von vier Prozent bleibt Baden-Württemberg zusammen mit Bayern das Bundesland mit dem geringsten Arbeitslosigkeitsniveau. Die Südwestwirtschaft behält ihre auf Zuwachs ausgerichteten Beschäftigungspläne ebenfalls bei. 24 Prozent der Unternehmen wollen 2012 ihren Personalbestand erhöhen, lediglich elf Prozent planen Entlassungen. Dabei wird es für die Wirtschaft immer schwieriger, das benötigte Personal zu finden. Bereits in diesem Jahr fehlen in Baden-Württemberg laut IHK-Fachkräftemonitor 230.000 Fachkräfte, vor allem Techniker, Fach- und Betriebswirte, Meister und Fachkaufleute. Im Bereich Ausbildung intensivieren die Betriebe deshalb ihre Anstrengungen noch einmal. 85 Prozent wollen die Zahl der angebotenen Lehrstellen in diesem Jahr beibehalten oder sogar erhöhen. „Vor diesem Hintergrund sollte die Landesregierung das Duale System stärken und endlich den häufigen Unterrichtsausfall aufgrund fehlender Lehrkräfte an beruflichen Schulen beenden. Dass stattdessen auch noch Lehrkräfte zugunsten der Gemeinschaftsschule abgezogen werden, ist uns unbegreiflich“, so Dr. Kulitz.

Ihre Lage schätzt die Industrie aktuell etwas kritischer ein als zu Jahresbeginn. Gestiegene Kosten, vor allem für Energie- und Rohstoffe, zehren an den Erträgen. Dagegen fällt der Blick in die Zukunft in den meisten Industriezweigen wieder positiver aus.

Auch in der Metallerzeugung und -verarbeitung steigt die Zahl der zuversichtlichen Unternehmen wieder an. Nach einem etwas schwächeren Jahresbeginn hat sich die Nachfrage dort inzwischen wieder etwas erholt.

Entgegen dem allgemeinen Konjunkturtrend erreichen die aktuellen Lageurteile im Baugewerbe ein neues langjähriges Hoch. Die positivsten Signale sendet die Nachfrage im gewerblichen Hochbau, aber auch im Wohnungsbau zieht sie etwas an.

Der Einzelhandel  verzeichnet derzeit ziemlich stabile Umsätze und eine recht gute Lage. Im Großhandel ist die Lage nicht mehr ganz so hervorragend wie noch zu Jahresbeginn, aber trotzdem noch immer etwas besser als im Einzelhandel.

Die Geschäfte bei den Dienstleistungsunternehmen laufen auf hohem Niveau. Jedoch konnte in einer zunehmenden Zahl von Betrieben die Umsatz- nicht mehr mit der Kostenentwicklung mithalten, so dass sich die Ertragslage in den betroffenen Unternehmen etwas verschlechtert hat. Jedoch rechnen wieder mehr Dienstleister mit einer Verbesserung ihrer Geschäfte.

Die aktuelle Lage im Hotel- und Gaststättengewerbe hat seit Jahresbeginn einen leichten Rückgang erfahren, befindet sich aber nach wie vor auf einem für die Branche sehr hohen Niveau. Wachsende Gästezahlen haben die Stimmung im Hotel- und Gaststättengewerbe zuletzt spürbar ansteigen lassen.

(Redaktion)