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Wirtschaft | Di, 18.01.2011 08:40

Südwestwirtschaft zieht gute Ausbildungsbilanz für 2010

Mit einer guten Ausbildungsbilanz für 2010 ist die Südwestwirtschaft ins neue Jahr gestartet. Nach Angaben der 12 baden-württembergischen Industrie- und Handelskammern (IHK) konnten die Unternehmen bei den neu eingetragenen Lehrverträgen mit einem leichten Plus von 0,3 Prozent gegenüber 2009 abschließen. Trotz der in 2010 anhaltend schwierigen Lage vieler Betriebe aufgrund der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise haben 45.507 Jugendliche einen Ausbildungsvertrag erhalten.


„Das große Engagement und die hohe Kontinuität, die von den Unternehmen bei der Ausbildung wieder unter Beweis gestellt wurden, sind vorbildlich“, stellt Dr. Herbert Müller fest, Präsident der IHK Region Stuttgart und Federführer Ausbildung der IHKs in Baden-Württemberg. Auch für das neue Ausbildungsjahr seien die Kammern optimistisch, dass die Wirtschaft im Südwesten jedem interessierten Jugendlichen ein Ausbildungs- oder Qualifizierungsangebot unterbreiten kann.

Kritisch sieht Dr. Müller die ersten Auswirkungen der demografischen Entwicklung. Zwar drängen mit den doppelten Abiturjahrgängen zunächst mehr Schulabgänger auf den Ausbildungsmarkt, jedoch sei mittel- und langfristig mit einem deutlichen Rückgang der Schüler- und Bewerberzahlen auf Lehrstellen zu rechnen. Der Mangel an Auszubildenden und Fachkräften stelle die Unternehmen vor große Herausforderungen. Angesichts dessen setze das kürzlich vereinbarte Ausbildungsbündnis zwischen Wirtschaft, Land und Gewerkschaften die richtigen Akzente. „Das Bündnis hat enorme Bedeutung, weil uns in den nächsten 15 Jahren vor allem Nicht-Akademiker fehlen“ betont  Dr. Müller. Auch die Empfehlungen der vom Landtag zur beruflichen Bildung eingesetzten Enquetekommission gingen in die richtige Richtung. Nach ersten Berechnungen für eine Prognose zum Fachkräftebedarf, die differenziert nach über 50 Berufen und den 12 Regionen im Land Anfang Februar 2011 vorgestellt werden soll, sei schon 2014 mit einem ersten Höhepunkt des Fachkräftemangels zu rechnen. Dann fehlten über 470.000 Fachkräfte im Land, rund 90 Prozent davon Nicht-Akademiker, also vor allem Menschen, die eine duale Ausbildung absolviert haben sollten. Bis 2025 würde der Fachkräftemangel über die Jahre kontinuierlich auf über 800.000 ansteigen, wobei der Bedarf an technisch ausgebildeten Akademikern und Nichtakademikern besonders hoch sei.

Die IHKs in Baden-Württemberg begrüßen daher, dass es im neuen Ausbildungspakt gelungen ist, alle Jugendlichen in den Fokus zu nehmen, nicht allein die leistungsschwächeren. „Wir setzen auf die Zusicherung der Landesregierung, die Quote der Schulabbrecher zu senken und den teilweise erheblichen Unterrichtsausfall vor allem an den Berufsschulen abzubauen“, erklärt Dr. Müller. Es müsse außerdem gelingen, den Anteil der jungen Menschen mit einem guten Schulabschluss und einer qualifizierten Berufsausbildung weiter zu erhöhen sowie viel mehr begabte junge Leute davon zu überzeugen, dass sich eine Lehre direkt nach der Schule für sie lohnt. Die von der IHK eingebrachte Idee, im Rahmen einer Imagekampagne für die duale Ausbildung Lehrlinge als Ausbildungsbotschafter einzusetzen, müsse zielgruppengerecht umgesetzt werden. Die IHKs könnten hier ihre Erfahrung aus Lehrstellenbörsen und Bildungspartnerschaften zwischen Betrieben und Schulen einbringen. Zudem würden sie sich verstärkt darum kümmern, Ausbildungsbetriebe mit geeigneten Bewerbern zusammen zu bringen.

Die baden-württembergischen IHKs konnten im vergangenen Jahr 3.667 Betriebe dafür gewinnen, erstmalig oder nach längerer Pause wieder auszubilden. Insgesamt neu eingeworbene Ausbildungsplätze beliefen sich für das Jahr 2010 landesweit auf 9.871 Stellen. Darüber hinaus haben die Unternehmen 3.926 Praktikumsplätze für Einstiegsqualifizierung (EQ) zur Verfügung gestellt, von denen bereits 1.568 Jugendliche Gebrauch gemacht haben. Die Absolventen eines solchen sechs- bis zwölfmonatigen EQ-Praktikums mit Inhalten aus einem anerkannten Ausbildungsberuf haben nach Angaben der Kammern erfahrungsgemäß große Chancen anschließend ihre Ausbildung als Lehrling fortzuführen. Mehr als zwei Drittel der EQ-Praktikanten werde eine Lehrstelle angeboten, die Praktikumszeit kann auf die Ausbildung angerechnet werden.

Die Ausbildungsbilanz für 2010 der Unternehmen in der Region Stuttgart ist laut Dr. Müller ebenfalls äußerst positiv ausgefallen. Bis Ende letzten Jahres sind demnach 10.805 Ausbildungsverträge abgeschlossen worden – eine Verbesserung von 1,2 Prozent gegenüber 2009. 2.707 Ausbildungsplätze habe die IHK Region Stuttgart 2010 neu eingeworben; 1.040 neue Ausbildungsbetriebe konnten gewonnen werden. Darüber hinaus boten die Unternehmen in der Region im vergangenen Jahr über 972 Praktikumsplätze zur Einstiegsqualifizierung an, von denen bereits 505 durch Jugendliche in Anspruch genommen worden seien.

(Redaktion)