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Wirtschaft | Di, 10.05.2011 08:29

Systematisches Lieferantenmanagement im Mittelstand wenig verbreitet

Rund ein Drittel der deutschen Mittelständler führen keine standardisierten Lieferantenbewertungen durch. Auch regelmäßige Besuche und Audits bei Lieferanten sind selten. Damit liegen sie gegenüber Großunternehmen und Konzernen weit zurück: Mehr als 80 Prozent dieser Unternehmen kontrollieren ihre Lieferanten systematisch. Das hat eine aktuelle Befragung von 501 Top-Entscheidern der deutschen Wirtschaft durch das Institut für Demoskopie Allensbach und das Kerkhoff Competence Center of Supply Chain Management der Universität St. Gallen im Auftrag der Unternehmensberatung Kerkhoff Consulting ergeben.


"Die Untersuchung zeigt, dass große Unternehmen das Lieferantenmanagement wesentlich professioneller betreiben als Mittelständler. Dies kann für den Mittelstand zu deutlichen Wettbewerbsnachteilen führen", sagt Gerd Kerkhoff, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Kerkhoff Consulting. "Die Steuerung der Lieferanten ist nach wie vor der Hauptjob jeder Einkaufsabteilung. Bei diesem Ergebnis könnte man sich jedoch fragen, was ein Drittel der mittelständischen Einkaufsabteilungen als Ziel definiert hat."

Noch dramatischer ist der Unterschied im Risikomanagement. Gerade einmal 14 Prozent der Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern verfügen über ein Risikomanagementsystem im Einkauf. Immerhin hat knapp die Hälfte (47 Prozent) der großen Firmen mit mehr als 1.000 Angestellten ein solches System aufgebaut.

"Die Katastrophe in Japan bedroht akut die Lieferketten der ganzen Welt", sagt Kerkhoff. "Unternehmen, die in einem Risikomanagementsystem auch Katastrophenszenarien antizipiert und Lösungsmodelle vor dem Beginn einer Krise entwickelt haben, werden sich nun leichter tun, auf alternative Lieferanten umzuschwenken. Wer in den Tag hinein gelebt hat, wird nun nur durch einen hohen zeitlichen und damit kostenintensiven Einsatz rasch Alternativlieferanten finden."

Bei der Einbindung der Einkaufsabteilung in die Produktion sind Mittelstand und Großindustrie ungefähr auf dem gleichen Stand: 65 Prozent haben Schnittstellen mit der Produktion geschaffen. Anders sieht dies bei der Produktentwicklung aus: Die Hälfte der Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern bindet den Einkauf bereits "stark" oder "sehr stark" in die Entwicklung von Produkten mit ein. Bei Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern hat dies nur ein Drittel getan.

Die Produktkostenkalkulation und Wertanalyse als modernes Einkaufstool nutzt durchschnittlich erst jedes fünfte Unternehmen. Mit Hilfe dieser Technik wird es Firmen ermöglicht, die genauen Herstellungspreise der von ihnen bezogenen Waren zu schätzen und somit wesentlich schlagkräftigere Lieferantenverhandlungen zu führen. Auch hier wird der Unterschied zwischen Klein und Groß deutlich: 13 Prozent der Mittelständler verfügen über ein "Cost-Breakdown-Tool", bei den großen Unternehmen ist es rund ein Drittel.

"Große Unternehmen lassen die kleineren Mittelständler in Sachen Professionalität weit hinter sich", sagt Gerd Kerkhoff. "Aber auch die Großen haben deutlichen Aufholbedarf: Dass nur die Hälfte ein Risikomanagementsystem haben sollte genauso alarmieren wie die viel zu geringe Einbindung der Einkaufsabteilung in interne Entscheidungsprozesse. Das Drittel der Unternehmen, das bereits mit der modernen Produktkostenkalkulation arbeitet, hat seinem Wettbewerb schon jetzt die Nase weit voraus. Die anderen müssen nachlegen, um nicht auf der Strecke zu bleiben."

(Redaktion)