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Wirtschaft | Mo, 11.02.2013 11:25

Talsohle der europäischen Finanzkrise scheint durchschritten

Experten gehen davon aus, dass die Talsohle der Wirtschafts-Krise in Europa im Herbst vergangenen Jahres durchschritten wurde. Auch die Verbraucher scheinen das Gefühl zu haben, dass ein wirtschaftlicher Aufschwung 2013 wieder realistisch erscheint. Dementsprechend steigen die Konjunktur- sowie die Einkommenserwartung in den meisten Staaten wieder leicht an - allerdings auf extrem niedrigem Niveau. Die Anschaffungsneigung ist dagegen in den meisten Ländern zum Jahresende hin abgesunken. Viele Verbraucher leiden unter sinkenden Einkommen, steigenden Steuern und zumeist hoher Arbeitslosigkeit. Das zeigt die GfK Konsumklima-Studie Europa und USA.


Die Euro-Zone ist nach drei Jahren wieder in die Rezession gerutscht. Dabei hat sich innerhalb Europas eine große Kluft entwickelt: Der Süden und Osten Europas kämpft mit zum Teil extrem hoher Arbeitslosigkeit und zunehmender Armut. Dagegen stehen die Menschen in den nördlichen Staaten trotz der Krise gut da. Diese tiefe Spaltung zeigen auch die jüngsten Zahlen vom Arbeitsmarkt. In Österreich, Luxemburg, Deutschland und den Niederlanden liegen die Arbeitslosenquoten – gemessen nach dem internationalen ILO-Standard – bei vergleichsweise niedrigen 4,5 bis 5,6 Prozent. In Spanien und Griechenland hat dagegen jeder Vierte keinen Job. Insgesamt stehen in den 17 Ländern der Euro-Zone 18,8 Millionen Menschen auf der Straße. Die Arbeitslosenquote stieg im November zum vierten Mal in Folge und lag bei 11,8 Prozent.

Die Folgen sind alarmierend: Durch den Jobverlust fallen die verfügbaren Einkommen in den Randstaaten rapide. So verfügen die Griechen im Vergleich zu 2009 heute über fast ein Fünftel weniger Geld. In Spanien sind es acht und auf Zypern sieben Prozent weniger. Experten rechnen damit, dass sich die Krise auf dem Arbeitsmarkt in diesem Jahr noch einmal weiter verschärfen wird. Im zweiten Halbjahr wird sie rund 20 Millionen Menschen betreffen. Allerdings soll damit der Höchststand erreicht sein. Dass sich die Talfahrt tatsächlich verlangsamen könnte, deuten bereits die Daten vom November an. Denn die Zahl der Arbeitslosen in der Euro-Zone wuchs langsamer als in den beiden Monaten zuvor. Für 2014 erwarten Experten einen leichten Rückgang auf 19,6 Millionen Arbeitslose in der Euro-Zone.

Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Wirtschaft in der Währungsgemeinschaft wieder in Fahrt kommt. Dafür gibt es auch erste positive Anzeichen. So hat sich die Wirtschaftsstimmung zum zweiten Mal in Folge aufgehellt, wie der Economic Sentiment Index (ESI) zeigt. Das Barometer stieg von November auf Dezember unerwartet stark um 1,3 Punkte auf 87 Zähler. Das ist der höchste Stand seit fast einem halben Jahr.

Auch die Reformen in den Krisennationen tragen nach Ansicht von Volkswirten erste Früchte. Zwar sank in den Krisenländern die Wirtschaftskraft in den vergangenen fünf Jahren deutlich. In Griechenland beispielsweise schrumpfte das BIP seit 2008 um 21 Prozent, die Investitionen haben sich halbiert, die Importe gingen um ein Drittel zurück. Es ist die schwerste Depression eines westlichen Landes seit dem Zweiten Weltkrieg. Doch durch die harten Anpassungen gewinnen die Staaten an Wettbewerbsfähigkeit, die Lohnkosten sinken, die Exportaussichten verbessern sich weiter. Die wirtschaftlichen Ungleichgewichte gehen zurück. Verbesserungen bei der Wettbewerbsfähigkeit sind vor allem in Griechenland und in Irland zu verzeichnen, wo die Lohnstückkosten seit 2009 deutlich gesunken sind.

Bei den nationalen Leistungsbilanzen hat sich in den vergangenen vier Jahren der Abstand zwischen Deutschland mit dem höchsten Überschuss und Griechenland mit dem größten Defizit beinahe halbiert. Doch diese ersten vorsichtigen Anzeichen, dass die Krise in den nächsten Jahren überwunden werden kann, stehen alle unter einer Voraussetzung. Die Krise darf nicht noch einmal eskalieren. Die Krisenstaaten dürfen sich jedoch auf diesen ersten Erfolgen nicht ausruhen, sondern müssen die Reformen weiterführen. Und die nationalen Haushalte müssen weiter konsolidiert werden – in allen Ländern der EU.

(Redaktion)