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Marketing & Personal | Di, 07.05.2013 11:48

Teilzeitarbeit im Management selten

Doppelspitzen, Topsharing oder Tandem-Führung – neue Arbeitszeitmodelle im Management werden häufig diskutiert. Die Realität sieht anders aus: Nur wenige Chefs und Chefinnen in Europa reduzieren ihre Arbeitszeit. Dies geht aus einer Studie über Management und Teilzeitarbeit von Forschern des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) hervor.


Zum Management werden Beschäftigte mit Leitungsfunktionen gezählt, aber auch Selbstständige und Unternehmer, die Angestellte führen. Die Forscher werteten Daten der Europäischen Arbeitskräfteerhebung aus dem Jahr 2009 aus.

Der Vergleich von 19 Ländern zeigt: Innerhalb Europas und innerhalb der Branchen gibt es große Unterschiede. In einigen Ländern sind Führungskräfte eher in der Lage, ihre Teilzeitwünsche zu realisieren als in anderen. In Deutschland arbeiten nur fünf Prozent aller Managerinnen und Manager in Teilzeit, d.h. weniger als 30 Stunden pro Woche. Dagegen sind es in Großbritannien acht und in den Niederlanden zwölf Prozent. „Manager reduzieren eher in den Ländern ihre Arbeitszeit, in denen Teilzeiterwerbstätigkeit von Beschäftigten ohnehin weitverbreitet ist“, erklären die Forscher Lena Hipp und Stefan Stuth.

Frauen in Managementpositionen arbeiten viel häufiger Teilzeit als Männer. In Deutschland sind es 14,6 Prozent der Frauen, aber nur 1,2 Prozent der Männer. In den Niederlanden haben dagegen 31,5 Prozent der Frauen und 4,1 Prozent der Männer im Management ihre Stundenzahl reduziert. Besonders selten kommt Teilzeitarbeit in den Führungsebenen großer Unternehmen und bei Selbstständigen vor. Auch die branchenspezifischen Unterschiede sind beachtlich: Teilzeitmanager sind in Deutschland am häufigsten in den Bereichen Bildung, Gesundheit und öffentliche Verwaltung vertreten (9,3 Prozent). Im verarbeitenden Gewerbe sind teilzeitarbeitende Managerinnen und Manager mit 1,2 Prozent die Ausnahme.

Wunsch und Wirklichkeit klaffen in vielen Ländern auseinander. In Tschechien, Luxemburg, Österreich und Griechenland möchten zwischen 25 und 35 Prozent der Managerinnen und Manager ihre Arbeitszeiten um mindestens fünf Wochenstunden reduzieren. In Deutschland sieht es jedoch anders aus: Hier wollen dies nur fünf Prozent.

Die Gründe, weshalb Teilzeitarbeit in Europa im Management wenig verbreitet ist, liegen nach Ansicht der beiden Wissenschaftler vor allem in der Arbeitskultur. Aber auch die Erwartungen an die Führungskräfte spielen eine Rolle. In Ländern wie Litauen und Griechenland, in denen traditionelle Geschlechternormen vorherrschen, reduzieren Führungskräfte ihre Arbeitszeiten seltener. Anders sieht es beispielsweise in Belgien aus, dort ist die die Erwerbstätigkeit von Müttern und die Haus- und Familienarbeit von Vätern generell selbstverständlicher. Auch in Ländern, in denen Führungskräfte lange Wochenarbeitszeiten in Kauf nehmen müssen, wie in Frankreich, gibt es kaum Teilzeit-Manager.

Die beiden Forscher sehen in der Teilzeitarbeit ein positives Instrument der Personalpolitik. Wenn mehr Chefs und Chefinnen bereit wären, ihre Arbeitszeit zu reduzieren, würde die Teilzeitarbeit aufgewertet. Arbeitszeitverkürzungen beim Führungspersonal können zudem zur Reduzierung der Geschlechtersegregation am Arbeitsmarkt beitragen. Wenn Managementaufgaben auch in Teilzeit ausgeübt werden können, sind diese Positionen leichter für Frauen zugänglich.

(Redaktion)