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Wirtschaft | Do, 25.07.2013 09:55

Textilindustrie unzufrieden mit Konjunktur

Nach einem guten Jahresauftakt hat sich das Geschäftsklima in der baden-württembergischen Textil- und Bekleidungsindustrie im zweiten Quartal deutlich abgekühlt. Die Entwicklung im nächsten Halbjahr sehen die Unternehmen zurückhaltend bis skeptisch.


„Wir sind nicht wirklich zufrieden“, resümierte der Präsident des Branchenverbandes Südwesttextil, Georg Saint-Denis, die gegenwärtige Lage der rund 200 Unternehmen der Textil- und Bekleidungsindustrie im Land. Die Umsätze der Branche sind in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres mit einem Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur sehr verhalten gestiegen. Die Kapazitätsauslastung und der im Ausland erzielte Umsatz seien deutlich zurückgegangen, sagte Saint-Denis, unter Berufung auf den vom Verband erhobenen Geschäftsklimaindex.

Hingegen fiel die Bewertung der Inlandsnachfrage um zehn Prozent positiver aus als nach der ersten Befragung im April dieses Jahres. Hieraus ziehen die Unternehmen denn auch ihre Hoffnung für den weiteren Jahresverlauf. Denn trotz der unverändert schwächelnden Automobilindustrie, zu deren Zulieferern viele Textilbetriebe zählen, erwartet die Branche vom Inlandsmarkt sowohl im Bereich technischer Textilien als auch bei Bekleidungstextilien eine Besserung der Nachfrage. Insgesamt rechnet der Verband für das laufende Geschäftsjahr mit einer Umsatzsteigerung von zwei Prozent auf 6,8 Milliarden Euro.

Ungeachtet der wenig optimistischen Erwartung wollen die Unternehmen ihre Mitarbeiterzahlen konstant halten und zum Teil weiter neue Mitarbeiter einstellen. Nach einem Beschäftigungszuwachs von 4,6 Prozent auf rund 24.000 Mitarbeiter im Jahr 2012 geben immerhin acht Prozent der Unternehmen an, neue Arbeitsplätze schaffen zu wollen. 80 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Personalstärke.

Nach dem verheerenden Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch Ende April sorgt sich der Verband Südwesttextil um den guten Ruf deutscher Modehersteller. Hans Digel, Vizepräsident von Südwesttextil, kritisiert deshalb die großen internationalen Textilhandelsketten, die durch ihr rücksichtsloses Verhalten die gesamte Modebranche in ein schlechtes Licht gerückt hätten. Dagegen produzierten die hiesigen, mittelständischen und meist inhabergeführten Familienunternehmen oft in eigenen ausländischen Werken oder unterhielten enge Kooperationen mit dortigen Herstellern, denen sie vertrauen könnten.

„Wir sind auf verlässliche Partnerschaften mit unseren Zulieferern im In- und Ausland angewiesen und können gute Qualität nur mit ausgewählten Partnern gewährleisten“, so Digel. Der Verband befürwortet daher strengere Fabrikkontrollen und wirkungsvolle Vereinbarungen zur Verbesserung der Sozialstandards in der asiatischen Textilindustrie.

(Redaktion)