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Wirtschaft | Di, 12.04.2011 08:04

Trendwende am Lehrstellenmarkt in Baden-Württemberg: Bewerber werden knapp

Die Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung in Baden-Württemberg bieten in diesem Jahr deutlich mehr Ausbildungsplätze an als im Vorjahr. Damit will die Mehrzahl der Unternehmen ihren künftigern Fachkräftebedarf sichern. Das ergab eine aktuelle Umfrage der Industrie- und Handelskammern (IHK) in Baden-Württemberg, an der sich rund 2.500 Ausbildungsbetriebe im Land, davon 340 in der Region Stuttgart, beteiligten.


Den Umfrageergebnissen zufolge wollen 86 Prozent der befragten Unternehmen die Zahl der angebotenen Lehrstellen in diesem Jahr beibehalten oder sogar erhöhen – eine deutliche Steigerung im Vergleich zum Vorjahr mit 74 Prozent.

Erfreulich sei laut Dr. Müller, Präsident der IHK Region Stuttgart und Federführer Ausbildung der zwölf baden-württembergischen IHKs, dass die Angebote alle Unternehmensgrößen und Branchen betreffen. „Das ist ein ausgesprochen gutes Signal“, sagt Dr. Herbert Müller. „Die Unternehmen wissen, dass es jetzt noch mehr auf Ausbildung ankommt. Selber den qualifizierten Nachwuchs für den Betrieb auszubilden, das ist der beste Weg gegen Fachkräftemangel.“ Die Trendwende am Ausbildungsmarkt sei in Baden-Württemberg angekommen, denn nun werden die Bewerber knapp, so Dr. Müller.

Diese Entwicklung bestätigte auch die Agentur für Arbeit, Regionaldirektion Baden-Württemberg, die in ihrem jüngsten Bericht die Gesamtzahl gemeldeter Stellen mit rund 54.700 angab, der rein rechnerisch etwa 50.300 Ausbildungsbewerber gegenüber stünden. Laut IHK-Umfrage registriert deutlich mehr als die Hälfte der Betriebe rückläufige Bewerberzahlen und etwa 23 Prozent der Ausbildungsbetriebe rechnen damit, dass sie ihre Lehrstellen nicht besetzen können. Viele Unternehmen haben deshalb selbst die Initiative ergriffen und versuchen durch Kooperationen mit Schulen (31 Prozent der Betriebe), einem verbesserten Ausbildungsmarketing (27 Prozent der Betriebe) und mehr Praktikumsangebote (26 Prozent der Betriebe) Azubis zu gewinnen. Auch machen etwa 11 Prozent der Unternehmen verstärkt Angebote für lernschwache Bewerber, wie zum Beispiel Einstiegsqualifizierung, und erschließen neue Bewerbergruppen, wie etwa Studienabbrecher.

Ausbildungshemmnis Nummer eins ist laut Umfrage weiterhin die mangelnde Ausbildungsreife der Schulabgänger. Mehr als drei Viertel der Unternehmen, auf die sich Ausbildungshemmnisse auswirken, beklagen unzureichende Schulbildung und fehlende soziale Kompetenzen bei den Bewerbern. Vor allem sind die Unternehmen unzufrieden mit der Leistungsbereitschaft, der Belastbarkeit und der Disziplin der Bewerber. Eine von Jahr zu Jahr steigende Anzahl von Betrieben registriert diese bedenkliche Entwicklung – versucht aber auch gegenzusteuern: Mit Angeboten für betriebliche Einstiegsqualifizierungen fördern etwa 20 Prozent der Unternehmen die Ausbildungsreife der Jugendlichen. Etwa 56 Prozent der Betriebe bieten den Azubis eigene Nachhilfe im Unternehmen, rund 36 Prozent der Unternehmen nutzen Nachhilfe-Angebote der Agentur für Arbeit.

Die Chance für Jugendliche auf eine interessante berufliche Laufbahn, einen sicheren Job und gute Verdienstmöglichkeiten in Baden-Württemberg seien so gut wie lange nicht mehr. „Jeder Bewerber, der eine Ausbildung oder Qualifizierung absolvieren möchte, bekommt ein Angebot “, erklärt Dr. Müller. Besonders attraktiv für die jungen Menschen sei außerdem, dass in diesem Jahr laut Umfrage 62 Prozent der Betriebe mindestens drei Viertel ihrer Auszubildenden übernehmen wollen. „Jetzt beginnt der Endspurt“, ermuntert Dr. Müller die Jugendlichen. „Greifen Sie zu, bewerben Sie sich!“

(Redaktion)