Sign In

Welcome, Login to your account.

Vermischtes | Do, 16.08.2012 10:41

Umfrage: Kein Wachstum um jeden Preis

Unter dem Eindruck der europaweiten Wirtschafts- und Verschuldungskrise wünschen sich acht von zehn Bundesbürgern eine neue Wirtschaftsordnung. Dies sollte in erster Linie den Umweltschutz stärken und den sorgsamen Umgang mit Ressourcen sicherstellen. Gleichzeitig soll der soziale Ausgleich in der Gesellschaft stärker berücksichtigt werden. Bei der Lösung der gegenwärtigen Probleme, die durch die Wirtschafts- und Verschuldungskrise in Europa verursacht wurden, vertraut nur etwa jeder dritte Befragte auf die ‚Selbstheilungskräfte der Märkte‘. Dies zeigt eine Umfrage von TNS-EMNID im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.


Uneins sind sich die Bundesbürger darüber, wie der beste Weg aus der aktuellen Krise in Europa aussehen könnte. Während 46 Prozent ein deutliches wirtschaftliches Wachstum in Europa als Lösung ansehen, plädieren 44 Prozent für strikte staatliche Sparkurse.

Langfristig gesehen stellt eine deutliche Mehrheit infrage, ob „immer mehr Wirtschaftswachstum das Wichtigste ist“. Knapp 9 von 10 Befragten halten daran fest, wirtschaftliches Wachstum sei grundsätzlich „sehr wichtig“ oder „wichtig“. Allerdings glauben 60 Prozent nicht daran, dass dies die eigene Lebensqualität steigere. Eine Ansicht, die 27 Prozent mehr Ältere als Jüngere vertreten. Gegenüber einer Befragung im Jahr 2010 ging zudem der Anteil derjenigen, die wirtschaftliches Wachstum als „sehr wichtig“ für die Lebensqualität in der Gesellschaft einschätzen um 14 Prozentpunkte zurück.

89 Prozent der Deutschen sind zudem der Meinung, dass es möglich ist, den Zuwachs an materiellem Wohlstand der Bevölkerung mit dem Schutz der Umwelt und einem sorgsamen Umgang mit Ressourcen zu verbinden. Nur jeder Siebte (13 Prozent) ist der Meinung, dass für den Erhalt der politischen Stabilität ein Zuwachs an materiellem Wohlstand in der Bevölkerung auch zu Lasten der Umwelt gehe könne oder zu einer weiteren hohen Verschuldung führe dürfe.

„Im Lichte der Finanzkrise ist die Diskussion um den Wachstumsbegriff in den vergangenen Jahren vielschichtiger geworden: Es geht längst nicht mehr nur um Quantität, sondern vor allem auch um Qualität: Wir brauchen Lösungen dafür, wie Wachstum verantwortungsvoll und nachhaltig gestaltet werden kann. Hierfür müssen wir nicht nur zu punktuellen Reformen, sondern zu wirklicher Veränderung bereit sein“, so Liz Mohn, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung.

In einer Rangfolge der persönlich wichtigen Dinge, stehen für die Befragten „Gesundheit“, „Zufriedenheit mit der persönlichen Lebenssituation“ und „Schutz der Umwelt“ an der Spitze. „Geld und Besitz zu sichern und zu mehren“ werden dagegen am Ende genannt. Je älter die Befragten, desto wichtiger ist der Schutz der Umwelt für die persönliche Lebensqualität. Ähnlich verhält es sich mit dem sozialen Ausgleich in der Gesellschaft. Er ist zwar insgesamt für 85 Prozent der Deutschen zumindest „wichtig“. Hohe Bedeutung hat er jedoch nur bei 32 Prozent, vor allem für die Älteren, denen der soziale Ausgleich besonders am Herzen liegt.

(Redaktion)