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Wirtschaft | Mi, 09.02.2011 09:15

Umfrage: Region Stuttgart guter Standort für Dienstleister

Die Region Stuttgart bietet der Dienstleistungsbranche gute Standortbedingungen und Entwicklungsperspektiven – hat aber auch noch Verbesserungsbedarf für mehr Wachstum und Arbeitplätze. Das ist der Tenor einer aktuellen Studie, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart beim Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung e. V. in Tübingen beauftragt hat. Neben der Auswertung statistischer Daten wurden 41 Interviews mit Experten aus dem Dienstleistungssektor geführt. Die Ergebnisse geben Auskunft über die Zukunftsaussichten der Dienstleistungsbranche und darüber, wie sie selbst den Standort Region Stuttgart beurteilt.


Der Dienstleistungssektor hat sich zu einem bedeutenden Standbein der regionalen Wirtschaft entwickelt. Mit einem Anteil der Dienstleistungsbetriebe an der Bruttowertschöpfung von 60 Prozent und einem Beschäftigungsanteil von 64 Prozent ist die Branche gut aufgestellt. Werden die in der Industrie beschäftigten Dienstleistungsberufe hinzugezählt, erreichen die Dienstleistungen sogar einen Beschäftigungsanteil von 75 Prozent.

Die Befragung ergab, dass vor allem die wissensintensiven Beratungs-, Finanz-, Medien/IT-Unternehmen sowie die Technischen und Gesundheitsdienstleister von den Stärken der Region profitieren, die besonders in der hohen Innovationskraft, der großen Dichte an Hochschulen sowie der Nähe zu Einrichtungen und Unternehmen aus Forschung und Entwicklung liegen. Im Vergleich mit 12 weiteren führenden Metropolregionen ist der Ballungsraum Stuttgart der führende Innovationsstandort Deutschlands. Bei Erreichbarkeit und Mobilität, Fachkräfteangebot, Technologietransfer für kleine und mittlere Unternehmen, Image und Internationalisierung des Dienstleistungssektors gibt es jedoch Handlungsbedarf. Die Beschäftigungsdynamik im Dienstleitungsbereich muss sich verbessern, damit sich die Region Stuttgart im zunehmend schärferen Standortwettbewerb behaupten kann.

Den Angaben der befragten Unternehmer zufolge blicken die Dienstleister in der Region Stuttgart mehrheitlich optimistisch in die Zukunft. Besonders Beratungsunternehmen, Medien- und IT-Firmen sowie Technische Dienstleister sehen Wachstumschancen. Skepsis besteht dagegen im Gesundheitswesen, bei den Printmedien und im Bankensektor.

Sorgen bereitet den Unternehmen vor allem der Fachkräftemangel. „Der Fachkräftemangel wird für die kommenden Jahre die bestimmende Herausforderung für die personalintensive Dienstleistungsbranche sein“, erklärt IHK-Präsident Dr. Herbert Müller. Von der Politik wünscht er eine Flankierung, zum Beispiel durch eine weitere Verbesserung der Bildungspolitik und eine gesteuerte qualifizierungsorientierte Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland

Zwar haben nach Angaben der Experten Banken und Versicherungen zurzeit Anteil am Beschäftigungsabbau, aber im Gesundheitswesen fehlen schon jetzt viele Pflegefachkräfte. Im Bereich Finance ist die Rekrutierung von Juristen, Sekretärinnen, Mathematikern und Hochqualifizierten problematisch. Im technischen Bereich werden IT-Spezialisten, Datenbankexperten, Programmierer und Softwareentwickler vermisst. Im Ingenieurbereich kann die Nachfrage nach Spezialisten mit einer Kombination aus beruflicher Ausbildung, fachlichem Know-how und Branchenerfahrung nicht befriedigt werden. Dagegen gebe es ein Überangebot an Spezialisten für Werbung, Personalwirtschaft und Marketing. „Für die Ausbildung von Naturwissenschaftlern, Ingenieuren und Technischen Berufen muss noch viel mehr geworben und getan werden als bisher“, erklärt Dr. Müller. Unternehmen und junge Leute müssten sich frühzeitig darüber informieren, welche Berufe in 10 oder 15 Jahren überhaupt gebraucht werden. Um diese Informationen zugänglich zu machen, schalten die baden-württembergischen IHKs ab 11. Februar im Internet eine interaktive Plattform frei, auf der Bedarf und Angebot einzelner Qualifikationen und Berufsgruppen bis 2025 abgerufen werden können.

Schwierigkeiten bereitet laut Befragung vielen Dienstleistern das Image der Region. Kreative Köpfe kämen lieber an Standorte mit einem modernen Image, bemängeln vor allem die Medien- und IT-Unternehmen. Die Regionalpolitik müsse eine intelligente Werbekampagne initiieren um Fachkräfte und Investoren anzuziehen, fordert der IHK-Präsident. Dabei sollten die Kreativen vor Ort intensiv eingebunden werden.

(Redaktion/IHK Stgt.)