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Wirtschaft | Do, 26.08.2010 09:44

Unternehmen können offene Stellen zum Teil nicht besetzen

Trotz erst kürzlich überwundener Wirtschaftskrise haben die Unternehmen bereits Schwierigkeiten, ihre offenen Stellen zu besetzen. Das hat eine repräsentative Umfrage der Industrie- und Handelskammern in Baden-Württemberg unter den Mitgliedern ihrer Vollversammlungen ergeben. Ein Fünftel der Unternehmen gibt an, offene Stellen nur mit Mühe besetzen zu können, jedes zweite kämpft hier zumindest teilweise mit Problemen.


„Nicht nur die Suche nach Hochqualifizierten ist schwierig, die Unternehmen haben Probleme bei der Rekrutierung von Fachkräften aller Qualifikationsniveaus“, erläutert Andreas Richter, Hauptgeschäftsführer der IHK Region Stuttgart, die bei diesem Thema Federführerin der baden-württembergischen IHKs ist. Kaum Probleme fallen nur bei Stellen mit geringen Qualifikationsanforderungen an. Doch der Bedarf in diesem Bereich nehme bekanntlich schon seit Jahren ab. In den kommenden fünf Jahren werde sich die Lage nach Einschätzung der Betriebe weiter zuspitzen: Von allen Unternehmen, die sich eine Einschätzung der Entwicklung von eigenem Fachkräftebedarf und dem Fachkräfteangebot in den kommenden fünf Jahren zutrauen, rechnen zwei Drittel mit einem Fachkräftemangel über alle Berufsgruppen hinweg. Mehr als drei Viertel rechnen mit Engpässen bei Hochqualifizierten und technischen Fachkräften.

Um Abhilfe zu schaffen, setzen die Unternehmen in erster Linie auf die Weiterbildung ihrer Belegschaften: Zwei Drittel der Betriebe wollen ihre Aktivitäten auf dem Gebiet ausbauen. 38 Prozent planen, künftig noch mehr auszubilden, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Die Politik müsse hier die passenden Rahmenbedingungen setzen, beispielsweise indem sie das Bildungssystem insgesamt verbessere, damit auch Schwächeren der Schritt in die Ausbildung gelänge, fordert Richter.

Hoch im Kurs steht auch das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Über ein Drittel der Betriebe wollen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern künftig verstärkt dabei unterstützen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Trotz der enormen Anstrengungen, die hier bereits von Staat und Wirtschaft unternommen werden, übersteige der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen immer noch bei weitem das Angebot, so der IHK-Hauptgeschäftsführer. Auch im Bereich Ganztagesbetreuung sowohl von Kindergarten- wie auch von Schulkindern gebe es vor allem in Baden-Württemberg großen Nachholbedarf. Richter: „Es kann nicht angehen, dass hochqualifizierte Fachkräfte zu Hause bleiben müssen, weil sie keine Betreuung für ihre Kinder haben.“

„Über ein Fünftel der Unternehmen planen außerdem, vermehrt ältere Arbeitnehmer zu beschäftigen“, führt Richter weiter aus. Hier fände zunehmend ein Umdenken in Wirtschaft und Gesellschaft statt, das weiter forciert werden müsse. Und auch wenn es quantitativ nicht die gleiche Bedeutung wie die vorgenannten Maßnahmen erlangen könne, so zähle auch das verstärkte Anwerben von Fachkräften aus dem Ausland zum Maßnahmen-Paket gegen Fachkräftemangel. 13,5 Prozent der Unternehmen geben an, hier künftig verstärkte Anstrengungen unternehmen zu wollen. Die Politik müsse hier die bürokratischen Hemmnisse abbauen, die den Zuzug qualifizierter Beschäftigter aus dem Ausland behinderten wie zum Beispiel die viel zu restriktiv behandelte Niederlassungserlaubnis.

Die Umfrage ist Teil der bundesweiten Auswertung „Mitarbeiter dringend gesucht! Fachkräftesicherung – Herausforderung der Zukunft“ des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Die hier dargestellten Umfrageergebnisse aus Baden-Württemberg entsprechen dem bundesweiten Trend.

(Redaktion/ IHK BW)