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Wirtschaft | Di, 14.07.2009 10:32

Unternehmensbefragung 'Breitbandzugang als Standortfaktor für Unternehmen im Ländlichen Raum Baden-Württembergs' vorgestellt

"Die Unternehmen im Ländlichen Raum sehen die Breitbandanbindung als entscheidenden Standortfaktor", sagte der Minister für Ernährung und Ländlichen Raum, Peter Hauk MdL, bei der Vorstellung der Ergebnisse der Unternehmensbefragung 'Breitbandzugang als Standortfaktor für Unternehmen im Ländlichen Raum Baden-Württembergs' der Universität Stuttgart anlässlich des 5. Treffens der Aktionsgemeinschaft 'Breitband im Ländlichen Raum' am Montag (13. Juli) in Mannheim. Die Wissenschaftler Dr. Iris Gebauer, Dr. Torsten Luley und Clemens Breuninger vom Institut für Geographie der Universität Stuttgart hatten 1.007 Unternehmen mit Standort im Ländlichen Raum Baden-Württembergs im Auftrag des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum befragt.


Die Studie zeigt deutlich auf, dass auch im Ländlichen Raum die Frage bei den Unternehmen nicht mehr die ist, ob sie die Datenautobahn nutzen oder nicht, sondern die, welche Qualität die Datenautobahn besitzt. Brachenübergreifend hat sich der Breitbandbedarf deutlich erhöht. Bei der Mehrheit der Unternehmen liegt der derzeitige Breitbandbedarf bei 6 Mbit/s (Megabit pro Sekunde) und höher. Dies sei notwendig, um im Markt wettbewerbsfähig und produktiv agieren zu können. Zudem erwarten sie einen starken kurz- und mittelfristigen Anstieg der erforderlichen Bandbreite. Sie sehen neben den Standortvorteilen im Ländlichen Raum wie zum Beispiel die hohe Verfügbarkeit geeigneter Räume und Gebäude als einen der vier gravierenden Standortnachteile die unzureichende Verfügbarkeit eines adäquaten Breitbandanschlusses. Die Befragung zeigt zudem deutlich auf, dass die Unternehmen den Kommunen eine entscheidende Rolle beim Ausbau der Breitbandnetzes zuweisen, wenn die bestehenden Breitbandanbieter die Defizite nicht beheben können oder wollen.

"Die Studie bestätigt die Linie der Landesregierung, den Breitbandausbau in engem Schulterschluss mit den Gemeinden voranzutreiben und der Breitbandversorgung der Unternehmen im Ländlichen Raum auch im Rahmen der Förderung eine hohe Bedeutung anzuräumen. Die Studie unterstreicht die Wichtigkeit der Breitbandförderung für den Ländlichen Raum als Wirtschaftsstandort und spornt die Gemeinden und die Landesregierung an, nach weiteren Verbesserungen bei der Breitbandversorgung der Unternehmen im Ländlichen Raum in Abstimmung mit der Europäischen Union zu suchen", betonte Peter Hauk.

Kurzfassung der Untersuchungsergebnisse:
Die Untersuchung basiert auf einer Befragung von 1.007 Unternehmen mit Standort im ländlichen Raum Baden-Württembergs. Befragt wurden Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe, des Handels, Dienstleister und die Untersuchung bezog Selbstständige und Freiberufler ein.

Das Internet wird inzwischen von Unternehmen aller Branchen und aller Größenklassen genutzt – und eben auch von Unternehmen im ländlichen Raum. Die Frage, welche Unternehmen das Internet für unternehmerische Zwecke nutzen, ist folglich veraltet, da es keine Differenzierungen der unternehmensbezogenen Internetnutzung bezüglich Unternehmensgröße, -branche und auch -standort nach Siedlungsstrukturtypen gibt.

Über die Hälfte der befragten Unternehmen im ländlichen Raum Baden-Württembergs hält Ihre derzeitige Breitbandanbindung für unzureichend.

In Unternehmen ist branchenübergreifend der Bandbreitenbedarf sehr stark angestiegen. Er liegt bei der Mehrheit der Unternehmen aktuell bei 6 Mbit/s und höher, um im Markt wettbewerbsfähig und im Unternehmen produktiv agieren zu können. Der Bandbreitenbedarf der Unternehmen ist weitaus höher als die derzeitige Definition von Breitband (ab 384 Kbit/s) suggeriert. Die aktuelle Definition von Breitband verzerrt die reale Situation deutlich.

Deutlich sichtbar ist, dass die meisten befragten Unternehmen keine Stagnation bezüglich der Entwicklung des Bandbreitenbedarfs erwarten, sondern einen starken kurz- und mittelfristigen Anstieg erwarten.

Breitband als Standortfaktor
Breitbandanbindung ist entscheidender Standortfaktor für Unternehmen. Im Konzert der Standortfaktoren spielt die Breitbandanbindung inzwischen eine herausragende Rolle und eine mangelhafte Anbindung wird in der Studie als klarer Standortnachteil für Unternehmen im ländlichen Raum Baden-Württembergs deutlich erkennbar. Es zeigt sich deutlich, dass inzwischen nahezu alle Unternehmen – unabhängig von ihrer Branchenzugehörigkeit, Unternehmensgröße oder auch vom Marktradius – das Thema Breitbandinfrastruktur in ihre Standortüberlegungen mit einbeziehen.

Standortvorteile im ländlichen Raum Baden-Württembergs sind neben der hohen Verfügbarkeit von unternehmensgeeigneten Räumen und Gebäuden die relativ geringen Kosten für Miete und Pacht, günstige Boden- und Grundstückspreise sowie günstige Personalkosten.

Es bestehen deutliche Standortnachteile im ländlichen Raum Baden-Württembergs hinsichtlich der Faktoren unzureichende Verfügbarkeit eines Breitbandanschlusses, einem hohen bürokratischen Aufwand, der geringen Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal am Ort sowie der Qualität der Verkehrsinfrastruktur.

Entscheidende Risiken einer mangelnden Breitbandanbindung für den ländlichen Raum in Baden-Württemberg sind vor allem der Attraktivitäts- und Imageverlust als Unternehmensstandort sowie ein gravierender Hemmnisfaktor bei der Neuansiedlung aber auch bei der Ausschöpfung des lokalen Gründungspotentials. Insgesamt betrachtet sind die aus einer unzureichenden Breitbandanbindung resultierenden Konsequenzen für die Unternehmen vielschichtig und einschneidend. Nicht nur allgemeine Probleme mit der Produktivität und Wettbewerbsnachteile, sondern auch Probleme beim Aufbau und der Pflege von Kundenbeziehungen resultieren aus einer Unterversorgung. In jedem fünften Fall der unterversorgten Unternehmen wird sogar der Standort in Frage gestellt.   

Akteure
Die Bewertung der kommunalen Aktivitäten der Kommunen steht im direkten Zusammenhang mit der Breitbandverfügbarkeit. Den Kommunen kommt beim Ausbau des Breitbandnetzes aus Sicht vieler Unternehmen eine entscheidende Bedeutung zu, wenn die Internetanbieter bestehende Breitbanddefizite nicht beheben können oder wollen. Die Unternehmen erwarten Unterstützung von Politik und Verwaltung. Auf die Frage, welche Aktivitäten die Unternehmen im ländlichen Raum Baden-Württembergs von der Kommune, in der sie angesiedelt sind, oder auch von der Politik und Verwaltung allgemein erwarten, wird der Wunsch nach staatlicher Unterstützung beim Ausbaus der Breitbandinfrastruktur auf unterschiedliche Art und Weise, aber sehr deutlich formuliert.  

(Quelle: Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum)