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Unternehmensnachfolge | Do, 27.06.2013 12:57

Unternehmensnachfolge: Wann kommen die Frauen?

Die erfolgreiche Unternehmensübergabe gehört zu den größten Herausforderungen, die Familienunternehmen zu bewältigen haben. Vielen Unternehmern liegt daran, ihren Betrieb in Familienhand zu belassen. Doch obwohl junge Frauen heute immer besser qualifiziert sind, Management- und Führungsqualitäten mitbringen und es durchaus prominente Erfolgsbeispiele gibt, spielen Töchter in den Nachfolgeplänen der Eltern noch immer eine eher untergeordnete Rolle. Nur etwa jedes zehnte Familienunternehmen wird tatsächlich von einer Tochter übernommen.


Es ist der Wunsch vieler Familienunternehmer, ihren Betrieb innerhalb der Familie an die nächste Generation weitergeben zu können. Doch während 74,5 Prozent der Unternehmer auf  eine familieninterne Übergabe hoffen, findet diese de facto nur in 45,6 Prozent aller Fälle statt.  Und diese Zahl wird weiter sinken, denn die Bereitschaft der Kinder, das elterliche Unternehmen fortzuführen, nimmt ab. Nach repräsentativen Studien sind es noch immer die Söhne, die bei der Unternehmensnachfolge im Vordergrund stehen: Unternehmensübergaben erfolgen zu 80 Prozent durch männliche Personen. Selbst Experten sind überrascht, wie althergebracht die Vorstellungen der Nachfolgeregelung auch bei ansonsten nüchtern kalkulierenden und nach modernsten Managementmethoden agierenden Unternehmern sind.

Töchter kommen oft nur dann zum Zug, wenn kein männlicher Nachfolger zur Verfügung steht. Trotz prominenter Beispiele gelungener Töchternachfolge sind die weiblichen Nachkommen immer noch mehr „Notlösung“ als Wunschkandidatinnen – um das Unternehmen nicht an einen externen Interessenten veräußern zu müssen. Nicht, dass Frauen in Familienunternehmen traditionell keine Rolle spielen würden! Im Gegenteil: Oft leisten Unternehmerfrauen unverzichtbare Arbeit, meist jedoch ohne klar definierte, rechtliche Stellung und gerne im Hintergrund. Dabei war die aktuelle Frauengeneration noch nie so gut qualifiziert wie heute: Mehr als die Hälfte aller Studierenden an Hochschulen und Universitäten sind weiblich. Die Frauenerwerbsquote liegt mittlerweile bei 64 Prozent und hinter  jeder dritten Existenzgründung steht eine Frau.

Gleichwohl erfolgen nur wenige Unternehmensnachfolgen durch Frauen bzw. Töchter.  Doch die Zeiten ändern sich, wenn auch langsam: Nach einer Erhebung der INTES-Akademie stehen heute immerhin in einem Viertel aller Familienbetriebe Frauen an der Spitze der Geschäftsführung. Das Gros der weiblichen Führungskräfte trat eigenen Angaben zufolge erst nach 1995 in die Geschäftsführung der befragten Unternehmen ein. Zudem stellen Fachleute fest, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Töchter ihren Anspruch auf die Geschäftsführung anmelden und sich die Führungsrolle auch bewusst zutrauen. 

Realität aber ist: Je größer das Familienunternehmen, desto geringer die Zahl der Frauen in Leitungsfunktion. In sehr großen, inhabergeführten Betrieben sind Frauen in Geschäftsführung oder Vorstand ähnlich stark unterrepräsentiert wie in den DAX 30-Unternehmen. Und dafür ist nicht nur der vermeintliche Hemmschuh „Karriere mit Familie“ verantwortlich. Frauen sind oft auch zu wenig sensibilisiert für das Thema Nachfolge. Viele kennen die Möglichkeit  einer Nachfolgegestaltung mittels  Management-Buy-In oder Management-Buy-Out gar nicht.

Fazit: Der demografische Wandel wird die Nachfolgeproblematik künftig weiter verschärfen. Sollen mehr Frauen Leitungsfunktionen in Familienbetrieben übernehmen, müssten die Voraussetzungen und das Vertrauen hierfür verbessert werden. Dies fängt bei der Information über Möglichkeiten der Nachfolge an und endet bei einer besseren Kinderbetreuung. 

Zur Autorin: Dipl.-Kauffr. (FH) Kerstin Ott ist als Projektleiterin im Bereich Financial Advisory Services für die seneca Corporate Finance GmbH tätig. Zu ihrem fachlichen Schwerpunkten gehören Unternehmensanalyse, Business Pläne, Unternehmensbewertungen sowie die allgemeine Transaktionsberatung. Weitere Informationen sind unter www.seneca-cf.de abrufbar.