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Wirtschaft | Mo, 08.11.2010 09:25

Urkundenfälschung: Nicht jeder Meisterbrief hält, was er verspricht

Die Handwerkskammer Reutlingen weist darauf hin, dass es in letzter Zeit vermehrt zu Fällen von Urkundenfälschung gekommen ist. Die Bandbreite reicht vom eigenmächtig verbesserten Schulzeugnis über nachgemachte Lehrgangszertifikate bis hin zu gefälschten Gesellen- und Meisterbriefen. „Arbeitgeber sollten im Verdachtsfall die Aussteller kontaktieren“, empfiehlt Karl Wagner, Leiter der Handwerksrolle bei der Handwerkskammer Reutlingen.


Bei der Jobsuche oder bei der Gründung eines Unternehmens gilt: erforderliche Qualifikationen müssen belegt werden. Doch nicht jeder Kandidat verfügt über den passenden Notendurchschnitt oder den geforderten Fortbildungsnachweis. Ein Umstand, der manche Bewerber und Gründer auf Abwege bringt. So seien allein in den vergangenen zwölf Monaten drei gefälschte Meisterbriefe in der Handwerkskammer eingereicht worden, um die begehrte Genehmigung zur Betriebsführung zu erhalten, berichtet Wagner. In allen Fällen hat die Handwerkskammer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet. Zwei Strafbescheide sind bereits rechtskräftig geworden.

Denn Urkundenfälschung ist kein Kavaliersdelikt. Wer eine unechte Urkunde herstellt, eine offizielle Urkunde verfälscht oder solche Dokumente gebraucht, macht sich strafbar. Der Gesetzgeber sieht in einfachen Fällen Geldstrafen vor. Fälschern, die in größerem Umfang tätig sind, droht Freiheitsentzug von sechs Monaten bis zu fünf Jahren. Darüber hinaus können gefälschte Angaben oder Dokumente dazu führen, dass auf deren Basis zustande gekommene Arbeitsverträge, Aufträge oder Genehmigungen von Vertragspartnern angefochten werden können und damit unwirksam sind.

Laien und flüchtigen Lesern dürfte die Unterscheidung von echten und gefälschten Dokumenten schwer fallen. Karl Wagner rät Arbeitgebern und Personalverantwortlichen dennoch, auffällige Zeugnisse und Urkunden nicht einfach zu akzeptieren, sondern selbst aktiv zu werden: „Wer einen Verdacht hat, sollte sich nicht scheuen, zur Sicherheit beim Aussteller nachzufragen.“ Die Echtheit der Dokumente könne meist ohne größeren Aufwand überprüft werden. Stellt sich heraus, dass es sich beim Gesellenbrief um eine Fälschung handelt, sollte die Angelegenheit der Polizei übergeben werden.

Das Geschäft mit gefälschten Urkunden scheint nicht schlecht zu laufen. Die Polizei Reutlingen und die Staatsanwaltschaft Tübingen gehen davon aus, dass es sich nicht um Einzeltäter handelt, sondern um Banden, die im gesamten Bundesgebiet aktiv sind. Wie die Fälscher der Meisterbriefe, die in der Handwerkskammer Reutlingen aufgetaucht sind. Sie sollen ihren Sitz im Kreis Reutlingen haben.

(Redaktion/HWK RT)