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Wirtschaft | Fr, 05.08.2011 10:33

Verbrauchermärkte wachsen 2010 mit neuen Verkaufsflächen

Die Umsätze im Lebensmitteleinzelhandel (ab 100 qm inkl. Aldi, Lidl, Norma und Drogeriemärkte) sind 2010 mit einem Plus von 1,5 Prozent auf knapp 156 Milliarden Euro moderat gestiegen. Gleichzeitig sank im selben Zeitraum über alle beobachteten Vertriebsschienen hinweg die Anzahl der Verkaufsstellen um 2,3 Prozent. Dabei profitierten alle Vertriebsschienen von leicht gestiegenen Einkaufsbons, weil die Verbraucher je Einkauf mehr ausgaben als im Vorjahr. Da aber zugleich die Einkaufshäufigkeit im letzten Jahr sank, konnten im Vergleich zu 2009 keine Mehrumsätze erzielt werden. Dies ist das Fazit der Nielsen-Publikation „Handel – Verbraucher – Werbung 2011“.


Den größten Anteil vom Umsatzkuchen schnitten sich mit 40 Prozent die Verbrauchermärkte ab. Sie konnten entgegen dem Markttrend außerdem Umsatzzuwächse von 3,4 Prozent realisieren. Allerdings stieg parallel die Anzahl ihrer Verkaufsstellen um 3,5 Prozent, so dass sie flächenbereinigt letztlich kein Plus verbuchen konnten. Auch den Discountern gelang das hauchdünne Umsatz-Plus von 0,7 Prozent nur vor dem Hintergrund einer um 1,5 Prozent gestiegenen Anzahl von Filialen. Nach wie vor verzeichnen sie jedoch die größte Akzeptanz unter den Verbrauchern, sowohl in Bezug auf die Käuferbasis wie auch auf die Höhe der Ausgaben. Drogeriemärkte dagegen waren 2011 die echten Gewinner: Sie legten trotz eines deutlichen Abschmelzungsprozesses beim Filialnetz (-8,3%) im Umsatz leicht zu (1,4%). Supermärkte zeigten zwar auch im letzten Jahr eine weiter sinkende Tendenz bei den Umsätzen, konnten das Abwärtstempo aber drosseln (-1,5 %). Die seit einigen Jahren zu beobachtende Verkleinerung des Filialnetzes setzte sich ebenfalls weiter fort (-4,2%); dabei – auch dies ein fortdauernder Trend – verzeichnete diese Vertriebsschiene aber steigende Umsätze pro Filiale.

Die schwache Performance im LEH spiegelte sich in den Entwicklungen der wichtigsten Warenklassen wider: Im Foodbereich verbuchten unter den 17 Kategorien nur Tabakwaren sowie Fette & Öle ein leichtes Umsatzplus. Bei Nearfood konnte keine der elf Warenklassen eine positive Entwicklung erzielen.

Einen neuen Rekord mit zweistelligen Zuwächsen erzielte im vergangenen Jahr jedoch in Deutschland der Bruttowerbemarkt: Er erreichte ein Niveau von rund 25 Milliarden Euro (Vj. 22,6). Davon profitierte vor allem die TV-Werbung als umsatzstärkstes Medium; der Anteil stieg von 41,6 auf 43,7 Prozent. Deutliche Zuwächse verzeichnete aber auch die Online-Werbung; auf sie entfielen 9,5 (Vj. 7,7) Prozent der Werbebudgets. Branchenbezogen lagen die Ausgaben der Handelsorganisationen mit gut zwei Milliarden Euro dabei weiter an erster Stelle im Markt. Der Löwenanteil entfiel hier auf die Zeitungswerbung, gefolgt von Werbemaßnahmen im TV. Die Discounter haben im vergangenen Jahr die Bruttowerbeaufwendungen stark zurückgefahren, während Verbrauchermärkte und SB-Warenhäuser ihren Bruttowerbedruck um ein Drittel aufstockten. Mit bislang 2,8 Prozent Anteil am Gesamtetat ist die Internetwerbung seitens des stationären Handels noch ausbaufähig – der Versandhandel bringt es allerdings schon auf 14,5 Prozent Budgetanteil.

Eine wachsende Rolle bei der Kaufentscheidung spielen Social Media. In Deutschland fällen nach Nielsen Online-Befragungen derzeit 14 Prozent der Verbraucher ihre Kaufentscheidung erst, nachdem sie die jeweiligen Produktbewertungen auf einschlägigen Portalen im Internet studiert haben. Im europäischen Durchschnitt (30%) liegen die Deutschen damit allerdings noch weit zurück. In der Schweiz beispielsweise konsultiert schon jeder fünfte Verbraucher vor dem Kauf entsprechende Social-Media-Plattformen. Besonders beliebt ist die Abfrage bei elektronischen Geräten. Hier checkt knapp ein Drittel der deutschen Verbraucher vor dem Kauf Online-Bewertungen. Im weltweiten Durchschnitt sind dies allerdings bereits 40 Prozent.

(Redaktion)