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Wirtschaft | Fr, 25.01.2013 12:35

Verhaltene Konjunktur in Baden-Württemberg

Die ausländische Nachfrageschwäche hat Baden-Württembergs Wirtschaft erreicht. Umsätze und Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe zeigen, dass das Auslandsgeschäft in den Herbstmonaten September bis November erkennbar an Schwung verloren hat. Das erklärte die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Dr. Carmina Brenner. Das baden-württembergische Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs nach jetzigem Kenntnisstand im vierten Quartal 2012 real noch um knapp 0,75 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im ersten Quartal 2013 dürfte dieser Wert nur noch rund 0,5 Prozent betragen.


Die momentane konjunkturelle Schwächephase könnte allerdings in der zweiten Jahreshälfte überwunden werden. Das zeigt der Gesamtkonjunkturindikator des Statistischen Landesamtes. Es sind vor allem Stimmungsindikatoren – baden-württembergische, deutsche und internationale –, die diese Einschätzung begründen.

Die Schwächephase der Binnenkonjunktur setzte sich auch in den Herbstmonaten 2012 fort. Im Durchschnitt der Monate September bis November lagen die preis- und arbeitstäglich bereinigten Inlandsumsätze des Verarbeitenden Gewerbes um 5,3 Prozent unter ihrem Vorjahreswert. Rückläufige Umsatzzahlen vermelden auch die allermeisten Einzelbranchen des Verarbeitenden Gewerbes. Die Inlandserlöse des Maschinenbaus lagen im angegebenen Zeitraum um 7,3 Prozent unter denen des Vorjahreszeitraums, die des Fahrzeugbaus sogar um 9,3 Prozent. Diese beiden Branchen dominieren die Gruppe der Investitionsgüterproduzenten, so dass auch hier ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen ist (− 7,3 Prozent).

Die Baukonjunktur weist dagegen eine positive Entwicklung auf: Die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden lag im Durchschnitt der Herbstmonate um 0,9 Prozent über dem Vorjahreswert. Für den Handel liegen bislang zum Teil lediglich Werte bis September vor. Auch hier wird jedoch die konjunkturelle Abschwächung deutlich, wenngleich nicht so ausgeprägt wie bei den Industrieumsätzen.

Das Gesamtbild passt zur These, dass auch die Binnenkonjunktur im Land unter dem Eindruck des internationalen Konjunkturumfeldes steht: Die schleppende inländische Nachfrage nach Investitionsgütern dürfte sicherlich nicht zuletzt die verschlechterten Ertragserwartungen angesichts der schwachen gesamteuropäischen Wirtschaftsperspektiven widerspiegeln.

Nach wie vor deuten weder Umsätze noch Auftragseingänge darauf hin, dass sich die Binnennachfrage belebt. In den Herbstmonaten ging der Wert der inländischen Auftragseingänge um 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück. Auch die saisonbereinigten und geglätteten Absolutwerte, die für das Verarbeitende Gewerbe ungefähr seit Mitte 2011 fallen, lassen noch keine Bodenbildung erkennen. Umsätze und Auftragseingänge der Vorleistungsgüter, die konjunkturelle Wendepunkte üblicherweise mit einem gewissen Vorlauf anzeigen, sinken ebenso wie die entsprechenden Indikatoren der anderen Güterhauptgruppen.

Dass sich die heimische Wirtschaft nicht von der Nachfrageschwäche des nach wie vor wichtigen europäischen Marktes abkoppeln kann, wird in den aktuellen Daten des Verarbeitenden Gewerbes sichtbar: Im Durchschnitt der Herbstmonate September bis November 2012 gingen die Umsätze aus dem Auslandsgeschäft um 0,5 Prozent zurück – die erste negative Veränderungsrate dieser Kennziffer seit fast zwei Jahren. Auch der bis in die Sommermonate feststellbare Aufwärtstrend im Fahrzeugbau ist nunmehr zumindest vorläufig gebrochen. Im Herbst gingen die Auslandsumsätze um 2,3 Prozent zurück, während in den Sommermonaten noch ein deutliches Vorjahresplus zu verzeichnen war. Ein ähnliches Muster, wenngleich nicht so ausgeprägt, weist der Maschinenbau auf und damit auch die Investitionsgüterindustrie insgesamt.

Die Umsatzentwicklung zeigt also, dass die Auslandsnachfrage eine Pause einlegt. Ein Blick auf die Auftragseingänge bestätigt diese Aussage. Im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt ging der Wert der ausländischen Auftragseingänge im Vorjahresvergleich um 1,9 Prozent zurück. Gegenüber der Vorperiode Juni bis August beläuft sich das Minus saisonbereinigt auf 3,7 Prozent. Auch für die Vorleistungs- und Investitionsgüterproduzenten ergeben sich sowohl im Vergleich zum Vorjahr als auch im Vergleich zur Vorperiode rückläufige Werte. Ein positives Signal sendet der Maschinenbau aus, dessen Auftragseingang gegenüber der Vorperiode saisonbereinigt leicht anstieg.

Der Beschäftigungsaufbau in Baden-Württemberg geht weiter. Industrie und Dienstleister beschäftigten im Durchschnitt der Monate August bis Oktober 1,9 Prozent mehr Personen als im Vorjahreszeitraum, die Arbeitslosigkeit bewegte sich mit einer Quote von 3,9 Prozent im Dezember nach wie vor auf niedrigem Niveau. Was die Preisentwicklung angeht, lagen die Verbraucherpreise im vierten Quartal 1,7 Prozent über ihrem Vorjahreswert. Für das Gesamtjahr 2012 belief sich die Teuerungsrate auf durchschnittlich 1,9 Prozent.

(Redaktion)