Sign In

Welcome, Login to your account.

Vermischtes | Mi, 17.04.2013 11:05

Viele Berufstätige jederzeit erreichbar

Auch außerhalb ihrer regulären Arbeitszeiten sind 77 Prozent aller Berufstätigen in Deutschland für Kollegen, Vorgesetzte oder Kunden per Handy oder E-Mail erreichbar. Davon sind 30 Prozent jederzeit erreichbar und 32 Prozent zu bestimmten Zeiten, zum Beispiel abends an Wochentagen oder am Wochenende. Weitere 15 Prozent stehen in Ausnahmefällen und 16 Prozent gar nicht zur Verfügung. Das ist das Ergebnis einer Studie des Hightech-Verbands Bitkom zum Thema „Arbeiten in der digitalen Welt“. Dafür wurden zwei repräsentative Umfragen unter Berufstätigen und Personalverantwortlichen durchgeführt. In 62 Prozent aller Betriebe gibt es keinerlei Vorgaben, wann Mitarbeiter elektronisch erreichbar sein sollten und wann nicht.


„Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten klare Vereinbarungen über Arbeitszeiten und Erreichbarkeit treffen“, sagte Bitkom-Präsident Prof. Dieter Kempf bei Vorstellung der Studie. Dabei werden Arbeitgeber verstärkt auf flexible Arbeitsmodelle setzen. „Feste Arbeitszeiten und ortsgebundene Arbeitsplätze sind dank neuer Technologien für viele Büro-Jobs nicht mehr zeitgemäß“, sagte Kempf. Eine gesetzliche „Antistress-Verordnung“ lehnt der Bitkom dagegen ab. Kempf: „Das umfangreiche deutsche Arbeitsrecht reicht aus, um die Folgen der Digitalisierung für die Arbeitswelt zu regeln.“

Nach den Ergebnissen der Umfrage haben sich Computer und Handy in nahezu  allen Berufen durchgesetzt: 87 Prozent aller Berufstätigen arbeiten mit einem Computer und 67 Prozent mit Handy oder Smartphone. Dabei geht der Trend zum mobilen Arbeiten. Laut Umfrage nutzen 79 Prozent aller Erwerbstätigen für ihre tägliche Arbeit mobile Geräte, also Notebooks, Tablet Computer, Smartphones oder Handys.

„Mobile Endgeräte in Verbindung mit Breitbandnetzen und Cloud Computing ermöglichen es, an nahezu jedem Ort zu arbeiten und dabei mit anderen in Kontakt zu stehen“, sagte Kempf. So arbeiten laut Umfrage 55 Prozent der Beschäftigten, die mobile Geräte nutzen, zumindest gelegentlich unterwegs. 22 Prozent arbeiten zeitweise im Auto, 20 Prozent in der Bahn und je 19 Prozent im Hotel sowie in Bussen oder Bahnen des Nahverkehrs.  

Weit verbreitet ist inzwischen die Arbeit im Home Office. Ein Drittel der befragten Berufstätigen arbeitet regelmäßig von zu Hause. Davon arbeiten 21 Prozent täglich, zehn Prozent an mehreren Tagen in der Woche und zwei Prozent an einem Tag pro Woche daheim. Weitere 13 Prozent arbeiten zumindest gelegentlich zu Hause. Laut Umfrage sind vier von fünf Berufstätigen der Ansicht, dass sich dadurch Arbeit und Familie besser vereinbaren lassen. Mehr als die Hälfte der Befragten meinen, dass, sie Berufstätige zufriedener macht. Allerdings sind 55 Prozent der Meinung, dass sich bei der Arbeit im Home Office Beruf und Freizeit zu stark vermischen. Ängste, durch Home-Office-Nutzung Nachteile zu erleiden, gehören der Vergangenheit an: Nur ein Viertel ist der Meinung, dass die Arbeit von zu Hause die Karriere behindert.

Auch Personalverantwortliche sehen die positiven Effekte der Arbeit von zu Hause. Eine große Mehrheit der Befragten ist der Ansicht, dass sie Arbeit flexibler macht (79 Prozent) und dazu beiträgt, Fachkräfte an das Unternehmen zu binden (59 Prozent). Nur 16 Prozent sagen, dass sich die Arbeitsleistung verringert. 61 Prozent sind der Meinung, dass sie die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern hemmt. „Moderne Arbeitskonzepte sollten darauf abzielen, die Kommunikation der Mitarbeiter zu fördern“, betonte Kempf. Nur 27 Prozent aller Unternehmen fördern die Arbeit im Home Office aktiv.

Aus Sicht des Bitkom sollten Unternehmen moderne Arbeitskonzepte entwickeln. So können die Vorteile der neuen Technologien ausgeschöpft und gleichzeitig die Nachteile im Arbeitsalltag minimiert werden. Nach den Ergebnissen der Umfrage erwarten 52 Prozent der befragten Unternehmen, dass ihre Mitarbeiter außerhalb der regulären Arbeitszeiten jederzeit oder zu bestimmten Zeiten per Handy oder E-Mail erreichbar sind. 48 Prozent verlangen keine Erreichbarkeit oder nur in dringenden Ausnahmefällen.

„Viele Berufstätige leiden unter Stress, wenn sie sich in einem dauernden Standby-Modus befinden“, sagte Kempf. Daher sei ein bewusster Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln unabdingbar. Notwendig sind klare Vereinbarungen zwischen den Parteien, um Grundsätze für Arbeitszeiten und Erreichbarkeit  im Home Office und in der Freizeit zu etablieren. Zudem sollten Mitarbeiter im effizienten Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln besser geschult werden. Bislang bieten erst 27 Prozent aller Unternehmen Seminare zum Umgang mit E-Mails und 25 Prozent für das persönliche Zeitmanagement an.  

(Redaktion)