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Wirtschaft | Do, 19.08.2010 09:50

Viele Lehrstellen bleiben Leerstellen - Unternehmen bemängeln Noten und Auftreten vieler Bewerber

Viele mittelständische Unternehmen haben auch für dieses Ausbildungsjahr Schwierigkeiten für offene Ausbildungsstellen geeignete Bewerber zu finden. Dies ergab eine aktuelle Umfrage des Bundes der Selbständigen Baden- Württemberg unter 1.026 Unternehmen im Land. So gaben 48,7 Prozent der ausbildungswilligen Betriebe an, es sei für sie problematisch, Auszubildende zu finden.


Im Sommer vergangenen Jahres lag die Zahl mit 43,6 noch rund fünf Prozent niedriger. Für BDS-Präsident Günther Hieber ist diese Entwicklung ein weiterer Hinweis, dass der Fachkräftemangel zu einem ernst zu nehmenden Problem wird. „Ich erwarte, dass in Baden-Württemberg zahlreiche Lehrstellen nicht besetzt werden können“, so Hieber.

Besonders schwierig ist die Suche nach Auszubildenden für Handwerker sowie Hotellerie und Gastronomie. In diesen Branchen haben rund 55 Prozent bzw. sogar 58 Prozent der Betriebe Schwierigkeiten, neue Auszubildende zu finden. Weniger kritisch ist die Situation dagegen derzeit in der Industrie, wo nur knapp 33 Prozent über Besetzungsprobleme klagen. Bei Dienstleistern und Freiberuflern (44,3 Prozent) sowie im Einzelhandel haben 43,8 Prozent der Betriebe Probleme. Bei den Unternehmensgrößen klagen die Betriebe zwischen 5 und 9 Mitarbeiter am meisten, ihre Lehrstellen nicht oder nur mit Schwierigkeiten besetzen zu können (57,5 Prozent).

Als größtes Problem bei der Suche nach geeigneten Auszubildenden nannten die Arbeitgeber die mangelnde Qualifikation vieler Bewerber in Form schlechter Noten. Diese kritisieren rund 86,4 Prozent der Befragten. Ebenfalls problematisch sei das schlechte Auftreten und Erscheinungsbild vieler Schulabgänger, mit gut 58 Prozent die zweithäufigste Nennung. Vielen Bewerbern fehle es an Motivation, Durchhaltevermögen und Interesse am Beruf. Gegenüber diesen qualitativen Mängeln tritt der rein zahlenmäßige Mangel an Bewerbern derzeit offenbar noch in den Hintergrund. Rund ein Viertel (25,3 Prozent) der Unternehmen bemängeln fehlende Bewerbungen. Das oft diskutierte Problem mangelnder Sprachkenntnisse ist für 23 Prozent der Selbständigen ein Thema.

Die Ausbildungsbereitschaft der im BDS organisierten Unternehmen ist traditionell deutlich höher als im bundesweiten Durchschnitt. Mit 51,8 Prozent liegt die Quote der ausbildenden Betriebe rund doppelt so hoch wie bei allen Betrieben in Deutschland.. Dabei ist die Zahl im Vergleich zum Sommer 2009 (47,5 Prozent) noch mal um rund zwei Prozent gestiegen. „Die BDS-Unternehmen tragen damit ihren Teil zur Eindämmung des Fachkräftemangels bei, der zunehmend auch den Mittelstand betrifft. Viele kleinere Betriebe sehen sich dabei auch in der sozialen Verantwortung, jungen Leuten eine Chance zu geben, die einen erhöhten Förderbedarf haben“, kommentierte BDS-Präsident Günther Hieber. „Die Politik muss jedoch auch ihre Hausaufgaben erledigen und sicherstellen, dass endlich alle Schulabgänger ausbildungsfähig sind.“

(Redaktion/BDS)