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KMU & Freiberufler | Fr, 09.09.2011 10:46

Von Spitzensportlern lernen - Top-Athleten weisen den Weg zum Erfolg

Von: Jörg Löhr

Gibt es den Königsweg zum Erfolg? – Eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird. Meine Antwort: Erfolgsstrategien sind in so gut wie allen Branchen dieselben. Für besonders lehrreich halte ich das Beispiel der Spitzensportler, denn hier können wir uns alle gut vorstellen, wie Top-Leistungen zustande kommen. Es lohnt sich, die Wege dahin näher zu beleuchten, lässt sich daraus doch eine Menge lernen.


Eine der Parallelen zwischen Medaillengewinnern und denen, die es in anderen Bereichen ganz nach oben schaffen: Sie haben ihr Spielfeld entdeckt, agieren also dort, wo ihre Stärken liegen. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass man nur auf diesen Gebieten wirklich gut werden kann. Niemand wird es je in einer Disziplin zu etwas bringen, für die ihm das notwendige Potenzial fehlt. Es gibt keinen Starkicker ohne Ballgefühl, keinen Top-Hochspringer ohne Sprungkraft und keinen guten Chef ohne Führungspersönlichkeit. Stärken zu stärken bringt daher viel mehr, als an seinen Schwächen zu arbeiten, um dort vielleicht – in Schulnoten ausgedrückt – von einer Vier auf eine Drei aufzurücken. Trotzdem müssen die Schwachstellen so gemanagt werden, dass sie nicht als limitierender Faktor wirken.

Weiterhin sind konsequente Vorbereitung und hartes Training nötig, um das Mittelmaß hinter sich zu lassen. Im Sport leuchtet das jedem sofort ein, es gilt jedoch auch für die berufliche Karriere. Wir müssen ausdauernd an unserer Begabung arbeiten, unser Wissen vertiefen, unser Können optimieren. Von fast ebenso großer Bedeutung ist das Einplanen von Pausen und Auszeiten. So wie ein Sportler selbstverständlich seine Saison nach Höhepunkten einteilt, auf die er gezielt hinarbeitet, so braucht er nach Phasen maximaler Anspannung solche der Entspannung, um die eigenen Energiedepots wieder zu füllen. Auch Manager, die dauerhaft in einem anstrengenden Job bestehen wollen, müssen lernen, konsequentes Energiemanagement zu betreiben.

Besonders lehrreich sind Spitzensportler in Sachen Motivation und Zielklarheit. Wer höher springen oder schneller laufen will als alle seine Konkurrenten, muss mit Leidenschaft und Enthusiasmus antreten und auch Gewöhnliches mit außergewöhnlicher Begeisterung tun – das eigene Ziel immer klar vor Augen. Das „vor Augen“ ist dabei durchaus wörtlich zu verstehen, denn die Visualisierung dessen, was als Lohn der Anstrengungen winkt, ist eines der Geheimnisse erfolgreicher Menschen. Sie stellen sich die Situation, in die sie kommen wollen, sogar mit allen Sinnen vor. Sie sehen, hören, riechen, schmecken förmlich den Sieg!

Top-Athleten sind zudem in der Lage, Druck von außen auszublenden und sich ausschließlich auf das zu konzentrieren, was ihnen durch intensives Training in Fleisch und Blut übergegangen ist. Diese Verengung des Blicks auf das Wesentliche zeichnet auch gute Manager aus: In der Flut von Arbeit auf ihrem Schreibtisch gelingt es ihnen, sich auf das Eigentliche zu fokussieren. Und sie wachsen an neuen Herausforderungen – wie Spitzensportler an einer Wettkampfsituation. Athleten und Manager der Extraklasse eint drüber hinaus, dass sie sich von Rückschlägen und Niederlagen nicht lange entmutigen lassen. Im Gegenteil: Sie versuchen, aus Fehlern zu lernen und Lehren für die Zukunft zu ziehen.

Fazit: Bestleistungen unter hohem Druck zu erbringen, das ist für Sportler ebenso wichtig wie für Manager. Wie der sportliche Erfolg von technischen Fähigkeiten und psychischer Stärke bestimmt wird, so brauchen auch Manager neben Können eine große Portion Wollen und mentale Stärke.

Zum Autor: Jörg Löhr ist Bestsellerautor. Schwerpunkte seiner Bücher und Fachartikel sind Motivation und mentale Stärke. Der 94-fache Handball-Nationalspieler ist zudem Lehrbeauftragter an der Universität Augsburg.