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KMU & Freiberufler | Fr, 30.09.2011 14:54

Vorsprung durch Wissen

Von: Jörg Löhr

Wie kommt der Strom in die Steckdose? Warum ist der Himmel blau? Haben Fische Durst? Und warum sind Bananen krumm? Kinder wollen alles wissen – wie ein Schwamm saugen sie Informationen auf, haken nach, experimentieren. Eine wertvolle Eigenschaft, die uns Erwachsenen leider über die Jahre oft verloren gegangen ist.


Doch auch wir müssen heute erkennen: Immer mehr wissen zu wollen ist notwendig, um dauerhaft erfolgreich zu sein. Lernen hört längst nicht mehr nach der Ausbildung auf. Das Fachwissen, das wir uns heute aneignen, kann morgen schon veraltet sein – es steht ständig auf dem Prüfstand, muss vertieft, erweitert, überarbeitet werden. Unternehmen haben ein verständliches Interesse daran, dass ihre Mitarbeiter sich weiterqualifizieren. In vielen Unternehmen werden heute entsprechende Angebote gemacht, interne und externe Weiterbildungsmöglichkeiten offeriert. Immer angenommen werden sie nicht.

Interner Belohnungsmechanismus

Wollen wir die von der Politik geforderte „lernende Gesellschaft“ werden, setzt das aber bei jedem von uns auch die Fähigkeit voraus, eigenverantwortlich und selbst gesteuert zu lernen. Motivation für ständiges Weiterlernen entsteht aus der Erfahrung, dass Lernen sinnvoll ist. Der Grundstein dafür wird bereits in der Schule gelegt, aber auch in späteren Jahren können wir Spaß am Lernen entwickeln. Der Clou: Unser Gehirn verfügt über einen internen Belohnungsmechanismus. Haben wir etwas gelernt, ein Problem gelöst, werden im Gehirn Stoffe und Substanzen ausgeschüttet, die für ein extremes Wohlgefühl sorgen. Besonders rund läuft dieser Belohnungsmotor dann, wenn er gefordert aber nicht permanent überfordert wird. Müssen wir uns nicht bemühen, fehlt der Kick, weiter aktiv zu bleiben. Andauernde Überforderung aber bewirkt Frustration. Ideal ist neurobiologisch eine positive Bilanz aus durch Anstrengung erlangten Erfolgen und überwundenen Misserfolgen. Und noch etwas verrät die Gehirnforschung: Der Langzeitspeicher Gedächtnis kann pro Tag nur begrenzt Informationen aufnehmen. Steht zu viel neuer Input im Wettbewerb, verdrängen sich Informationen im Gedächtnis gegenseitig. Wer also richtig lernen will, sollte sich keine zu große Tagesration „Lernstoff“ vornehmen. Auch braucht es Zeit fürs Wiederholen und Vertiefen. Lernziele sollten fordern, aber nicht überfordern. Und ihr Erreichen belohnt werden. Für jede passive Stunde vor PC oder Fernseher sollten wir eine „hirnaktive“ Stunde einplanen, in der wir lernen, ein gutes Buch lesen, Schach spielen, genussvoll Kochen, Tagebuch schreiben oder eine andere kreative Tätigkeit ausüben.

Lernen verändert unser Gehirn ein Leben lang. Das Gehirn besteht aus Milliarden von Nervenzellen, die auf individuelle Weise miteinander vernetzt sind. Durch Einflüsse von außen, entstehen neue Verknüpfungen, werden zarte Verbindungen zu breiten „Straßen“ ausgebaut, aber auch nicht benötigte verworfen. Jeder Lernprozess schafft Grundlagen für neue, weiterführende Lernprozesse, dabei entstehen wiederum neue Möglichkeiten für weiterführendes Lernen – ein faszinierendes System.

Zum Autor: Jörg Löhr zählt seit Jahren zu den angesehensten Management- und Persönlichkeitstrainern im deutschsprachigen Raum. Er ist Autor zahlreicher Bücher, u. a. „Einfach mehr vom Leben“ und „Lebe deine Stärken!“. Darüber hinaus ist Jörg Löhr Lehrbeauftragter an der Universität Augsburg und wurde für sein Lebenswerk als erster deutscher Redner von der German Speakers Association in die „Hall of Fame“ aufgenommen. Weitere Informationen unter www.joerg-loehr.com