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Wirtschaft | Fr, 24.10.2014 11:41

Wachstum in Baden-Württemberg schwächt sich ab

Nach einem wachstumsstarken ersten Quartal 2014 zeigte sich die baden-württembergische Konjunktur im zweiten Quartal bereits deutlich schwächer. Dies war teilweise auf einen Witterungseffekt zurückzuführen (der milde Winter sorgte in der Bauwirtschaft für Vorzieheffekte), vor allem aber auf das sich verschlechternde Konjunkturumfeld. Dennoch wuchs die baden-württembergische Wirtschaft im ersten Halbjahr 2014 gegenüber dem Vorjahr real um 2,2 Prozent. Das teilt das Statistische Landesamt mit.


„Die sich seit dem zweiten Quartal verstärkenden internationalen Krisen hinterließen mit einer zeitlichen Verzögerung zunehmend Spuren bei den Stimmungs- und produktionsnahen Indikatoren. Entsprechend zeigt der Gesamtkonjunkturindikator des Statistischen Landesamtes für die zweite Jahreshälfte eine Abschwächung an, sodass wir für das dritte Quartal ein Vorjahreswachstum von 1,25 Prozent, für das vierte Quartal von 1,5 Prozent erwarten.“ So fasste die Präsidentin des Statistischen Landesamtes Dr. Carmina Brenner die Aussagen der aktuellen Ausgabe von »Konjunktur Südwest« zusammen.

Die Inlandsumsätze des Verarbeitenden Gewerbes Baden-Württembergs lagen im Durchschnitt der Sommermonate Juni bis August 2014 real und arbeitstäglich bereinigt 0,7 Prozent über ihrem Vorjahreswert. Damit ging die konjunkturelle Dynamik weiter zurück. Vom Frühjahr zum Sommer sanken die Erlöse saison- und arbeitstäglich bereinigt um 1,0 Prozent. Die Inlandsumsätze von Maschinen- und Fahrzeugbau sind gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,6 Prozent bzw. 1,7 Prozent gefallen. Gegenüber dem Frühjahr belief sich der Umsatzrückgang auf 0,8 Prozent im Maschinenbau und sogar auf 3,9 Prozent im Fahrzeugbau. Entsprechend schwach war auch die Geschäftslage der Investitionsgüterproduzenten insgesamt, die ein Umsatzminus von 0,9 Prozent zum Vorjahr und 1,8 Prozent zur Vorperiode hinnehmen mussten. Einen positiven Wachstumsbeitrag dagegen lieferte die Chemische Industrie mit einer Vorjahresveränderungsrate von 2,9 Prozent, wobei auch hier gegenüber dem Frühjahr ein Minus von 0,5 Prozent zu Buche schlägt.

In der Bauwirtschaft setzte im Frühjahr eine Normalisierung ein, nachdem der milde Winter für Vorzieheffekte gesorgt hatte. Dieser Effekt setzte sich auch in den Sommermonaten fort, was erklärt, dass die geleisteten Arbeitsstunden im Bauhauptgewerbe nur knapp über dem Vorjahresniveau lagen (+0,1 Prozent). Im August stieg das Volumen der Auftragseingänge spürbar an, was ein Signal für eine anziehende Bautätigkeit sein könnte. Im Einzelhandel war die Nachfrage im Sommer rückläufig. Hier gingen die Umsätze gegenüber dem Vorjahr um 0,3 Prozent zurück, gegenüber dem Frühjahr um 1,0 Prozent. Die in den Stimmungsindikatoren zum Ausdruck kommende Verschlechterung der Ertragserwartungen manifestiert sich auch in den inländischen Auftragseingängen des Verarbeitenden Gewerbes. Diese lagen im Sommer nur noch leicht über ihrem Vorjahreswert, und gegenüber dem Frühjahr ist das Volumen erneut gesunken. In besonderem Maße gilt dies für die Investitionsgüterproduzenten. Anders dagegen ist die Auftragslage bei den Herstellern von Vorleistungsgütern, deren Auftragseingänge einen ansteigenden Trend aufweisen.

Es ist ein Bild, das man angesichts des internationalen Konjunkturumfelds nicht unbedingt erwarten würde: Der Fahrzeugbau meldet für die Sommermonate Juni bis August 2014 reale Umsatzsteigerungen von 7,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum – ein stärkeres Vorjahreswachstum als noch im Frühjahr. Ähnlich ist die Situation im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt: Hier stiegen die realen und arbeitstäglich bereinigten Auslandsumsätze um 4,2 Prozent, und damit ebenfalls stärker als in der Vorperiode. Auch für die Produzenten von Vorleistungs- bzw. Investitionsgütern erkennt man ein ähnliches Muster (+6,2 Prozent bzw. +4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr).

Von Abschwächung also keine Spur? Ein Blick auf die saisonbereinigten Umsatzzahlen relativiert den ersten Eindruck dann doch ein wenig. Zieht man diese heran, stiegen die Auslandsumsätze des baden-württembergischen Verarbeitenden Gewerbes im Durchschnitt der Sommermonate gegenüber dem vorangegangenen Dreimonatszeitraum nämlich nur um 0,3 Prozent an, stagnierten also faktisch. Die Auslandsumsätze des Fahrzeugbaus lagen um 1,0 Prozent unter dem Frühjahreswert. Auch für den Maschinenbau, dessen Erlöse gegenüber dem Vorjahr noch um 1,4 Prozent stiegen, war die Entwicklung gegenüber der Vorperiode leicht rückläufig (−0,2 Prozent).

Im Mai lag der Wert der Auslandsbestellungen (gemessen in geglätteter Form als Dreimonatsdurchschnitt) nach einigen Monaten der Abschwächung unter dem des Vorjahres. Entsprechend stand zu erwarten, dass sich diese Entwicklung mit einer gewissen Zeitverzögerung auch auf die Umsätze überträgt. Bis zum August sind dann zwei bemerkenswerte Phänomene zu beobachten: Zum einen hielten sich die Umsatzsteigerungen trotz des weiteren Rückgangs der Auftragseingänge im Vorjahresvergleich stabil im positiven Bereich. Zum anderen stiegen die Auslandsbestellungen im Durchschnitt der Sommermonate begünstigt durch den August um 5,6 Prozent an. Saisonbereinigt bedeutet das ein Plus von 3,5 Prozent gegenüber dem Frühjahr. Ob es sich um eine Wende oder ein Zwischenhoch handelt, muss zum jetzigen Zeitpunkt offen bleiben.

(Redaktion)