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| Mi, 05.03.2008 17:23

Was uns die Lösung der wichtigsten Umweltprobleme kostet

OECD-Umweltausblick 2008 vorgestellt


(Paris/Oslo - 5. März 2008) "Die Lösungen für die wichtigsten Herausforderungen im Umweltschutz sind verfügbar, erreichbar und bezahlbar, gerade wenn man sie ins Verhältnis zum erwarteten Wirtschaftswachstum und zu den Folgen des Nichtstun setzt", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría heute bei der Vorstellung des OECD-Umweltausblicks 2008 auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem norwegischen Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg in Oslo.

"Der OECD-Umweltausblick ist eine beeindruckende Arbeit. Er vereint die Hoffnung für die Zukunft mit einem dringlichen Apell, heute zu handeln. Er bietet eine Richtschnur für Entscheider und führt die Erkenntnisse aus Wirtschafts- und Umweltanalyse zusammen", sagte Ministerpräsident Jens Stoltenberg.

Der OECD-Umweltausblick 2008 ist eine wegweisende Studie, die Projektionen für die Entwicklung in Wirtschaft und Umwelt in den kommenden Dekaden zusammenführt und gleichzeitig die Auswirkungen der Maßnahmen aufzeigt, die zur Bewältigung der wichtigsten Herausforderungen nötig sind. Die Studie identifiziert vier Bereiche, in denen dringend gehandelt werden muss: Klimawandel, Verlust der Artenvielfalt, Wasserknappheit sowie die Gesundheitsgefährdungen durch Umweltverschmutzung und giftige Chemikalien.

Die ökonomisch-ökologischen Projektionen des Berichts zeigen, dass der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um 37 Prozent und bis 2050 um 52 Prozent steigen wird, wenn keine neuen Maßnahmen ergriffen werden. Um den steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln und Biokraftstoffen zu decken, würde die Landnutzung bis 2030 schätzungsweise um zehn Prozent zunehmen; eine Milliarde mehr Menschen würden 2030 in Gebieten mit Wasserknappheit leben; vorzeitige Todesfälle aufgrund von bodennahem Ozon würden sich bis 2030 vervierfachen."

Die Länder müssen die Struktur ihrer Volkswirtschaften anpassen und sich in Richtung auf eine kohlenstoffarme, grünere und nachhaltigere Zukunft bewegen. Die Kosten dieses Umbaus sind tragbar. Allerdings muss der Übergang sorgfältig organisiert werden, um den Auswirklungen auf Gesellschaft und Wettbewerbsfähigkeit zu begegnen und um von neuen Möglichkeiten zu profitieren", sagte Generalsekretär Gurría.

Der OECD-Umweltausblick 2008 geht davon aus, dass sich die weltweite Wirtschaftsleistung bis 2030 nahezu verdoppeln wird. Nur ein Prozent dieses Wachstums wäre dafür nötig, um die Luftverschmutzung um ein Drittel zu reduzieren und um die Treibausgasemissionen gegenüber heute um zwölf Prozent zu vermindern -  statt ein Wachstums um 37 Prozent in Kauf zu nehmen, wie es ohne neue Maßnahmen zu erwarten ist.

Die OECD empfiehlt ein Bündel von Maßnahmen, die, um die Kosten gering zu halten, auf marktwirtschaftlichen Instrumenten beruhen sollten. Beispiele sind die Nutzung von Umweltsteuern, effiziente Wasserbepreisung, Emissionshandel, das Verursacherprinzip, Müllabgaben und die Abschaffung umweltschädlicher Subventionen (z.B. für fossile Brennstoffe oder die Landwirtschaft). Allerdings sind auch strengere Regeln und Standards (z.B. für Verkehr und Bauwirtschaft), Investitionen in Forschung und Entwicklung, sektorale und freiwillige Vereinbarungen sowie Umweltkennzeichnung und mehr Informationen nötig.

Gurría sagte, dass technische Neuerungen einen Beitrag zur Lösung sein können, betonte aber gleichzeitig, dass zu deren Verbreitung den Herausforderungen beim Schutz geistigen Eigentums begegnet werden muss.Der OECD-Umweltausblick zeigt auch Wege auf, wie die Kosten globaler Maßnahmen geteilt werden könne. Die entwickelten Länder sind bis heute für den überwiegenden Teil der Treibhausgasemissionen verantwortlich, aber das dynamische Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern – vor allem in Brasilien, China, Russland und Indien – wird dazu führen, dass im Jahr 2030 allein die jährlichen Emissionen dieser vier Länder die Emissionen der 30 OECD-Länder übersteigen wird. Eine faire Lastenteilung und Verteilungsaspekte werden genauso wichtig sein wie der technische Fortschritt und die Wahl der richtigen Instrumente.

"Uns muss klar sein, dass es bei der Lösung der Umweltprobleme nicht nur darum geht, was zu tun ist, sondern auch wie man es tut. Und wir müssen auch die Frage angehen, wer dafür bezahlen wird. Die globalen Kosten werden viel geringer ausfallen, wenn alle Länder zusammenarbeiten", unterstrich Gurría.

Quelle: OECD Berlin Centre