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Wirtschaft | Fr, 09.11.2012 08:35

Weihnachtsgeschäft: Verbraucher wollen nicht sparen

Deutsche Verbraucher wollen dieses Jahr zu Weihnachten mehr Geld ausgeben als noch vor Jahresfrist. Damit gehören sie europaweit zu einer Minderheit. Und zu den Frühstartern: Dieses Jahr werden die meisten Käufe schon im November getätigt. Bei der Wahl der Geschenke spielt Tradition eine zunehmende Rolle, Umweltverträglichkeit dagegen weniger. Der Geschenkekauf hat Priorität gegenüber dem Lebensmittelkauf für die Festtage. Knapp die Hälfte aller Geschenke ist für Kinder. Das begehrteste Präsent ist in diesem Jahr Bargeld, damit wurde das Buch als Spitzenreiter abgelöst. Kommunikationstechnologie hingegen rangiert unter "ferner liefen". Das sind Ergebnisse der Christmas Survey 2012 der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte. An der Umfrage beteiligten sich insgesamt rund 18.500 Verbraucher aus Europa, Afrika und dem Nahen Osten.


Am liebsten kaufen die Deutschen in Kaufhäusern und traditionellen Fachgeschäften. Für die Suche und den Vergleich von Waren und Preisen nutzen sie zudem verstärkt Websites, auch Social Media werden für Produktbesprechungen herangezogen. Mobile Commerce hingegen trifft noch auf viele Vorbehalte - insbesondere in Fragen der Zahlungssicherheit.

„Deutschland gehört zu den wenigen europäischen Ländern, dessen Bevölkerung die Weihnachtsausgaben gegenüber dem letzten Jahr steigern will - europaweit sollen die Ausgaben sinken. Für die Mehrheit der Deutschen ist bei einem durchschnittlichen Weihnachtsbudget von etwa 485 Euro der Preis entscheidend“, erklärt Dr. Peter Thormann Partner und Leiter Consumer Business bei Deloitte.

Die Deutschen zeigen sich spendabel: Um sieben Prozent steigt das diesjährige Budget gegenüber dem Vorjahr. Nur Russland und die Ukraine verzeichnen noch höhere Zuwächse. Dabei glauben 49 Prozent der deutschen Befragten nicht daran, dass die Wirtschaft in einem guten Zustand ist und hoffen auch nicht auf eine positive Wende. Insbesondere die Älteren zeigen sich skeptisch. Im europäischen Vergleich sind die Deutschen aber immer noch zuversichtlich. Und schnell, denn die Jagd auf die Geschenke beginnt bereits im November.

Laut eigener Aussage verfügen die Deutschen 2012 etwa über dieselbe Finanzkraft wie 2011, ein Fünftel hat sogar etwas mehr. Mehr ausgeben können dabei vor allem die Altersgruppen von 18 bis 34 Jahren, weniger die Verbraucher von 45 bis 64 Jahren. 28 Prozent erwarten ein Absinken ihrer Finanzkraft im nächsten Jahr, 46 Prozent sehen keine Veränderung. Insgesamt gehört Deutschland zu den Ländern, in denen die Zukunftsangst wächst - wie auch in Belgien, Polen, Spanien und Portugal.

Über ein Fünftel der Deutschen will stärker als letztes Jahr nach Sonderangeboten suchen. Auch sind weniger Impulskäufe beabsichtigt. Ebenfalls gesunken ist die Bereitschaft, Kredite für Einkäufe aufzunehmen. Andererseits lassen sich die Deutschen kaum von Rabatt- oder Treueangeboten locken, im Gegensatz zu den meisten anderen Europäern. Am ehesten springen sie auf Treuepunkte-Gutscheine an, die sie sofort einlösen können.

Die Deutschen haben als einzige Europäer ihre Präferenzen geändert und sparen eher bei Lebensmitteln als bei Geschenken. Die Ausgabebereitschaft begründet fast die Hälfte damit, die Probleme zumindest über Weihnachten vergessen zu wollen. Das gilt insbesondere für das Beschenken von Kindern: Diese Präsente machen mit 46 Prozent fast die Hälfte des gesamten Volumens aus.

Bei den beliebtesten Geschenkwünschen hat Bargeld den letztjährigen Spitzenreiter Bücher abgelöst - und zwar in allen Altersgruppen bis auf die Senioren. Der Kauf von Smartphones und Tablets hat gegenüber dem letzten Jahr nachgelassen, vier bis fünf Prozent sind 2012 zum Kauf dieser Geräte bereit. Die beiden erwähnten Artikel werden fünf- bzw. sechsmal so häufig gewünscht wie voraussichtlich gekauft. Damit ist die Diskrepanz zwischen Wunsch und möglicher Erfüllung deutlich gestiegen. Für Teens sollen es vor allem Spiele sein - aber keine Videospiele wie noch 2011. Kinder unter 12 Jahren werden statt mit Lernspielzeug mit Büchern beschenkt. Geschenkgutscheine sind nach wie vor unter den Top 10 Geschenken. Aber die Befragten sehen auch die damit verbundenen Einschränkungen: Beispielsweise werden Gutscheine von den Beschenkten häufig vergessen einzulösen oder diese werden nur von einer begrenzten Anzahl von Läden angeboten.

Am liebsten kaufen die Deutschen ihre Weihnachtsgeschenke in traditionellen Warenhäusern.  Gleiches gilt für Fachgeschäfte und alteingesessene Läden. Der Versandhandel wird hingegen nur noch von zwei Prozent der Befragten genutzt.

„Heute beschränken sich die Verbraucher nicht auf eine Einkaufsmethode. Sie suchen nach Tipps, Ideen und Angeboten auf Webseiten, kaufen aber Artikel wie Bekleidung lieber im Geschäft, während Elektronikartikel auch im Netz erstanden werden. Mobile Commerce ist ebenfalls im Kommen - aber viele sind wegen der Sicherheit besorgt“, schließt Peter Thormann.

(Redaktion)