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Unternehmensnachfolge | Do, 20.06.2013 12:55

Wertermittlung im Rahmen der Unternehmensnachfolge

Von: Andreas Dufner

In Deutschland stehen jedes Jahr fast 80.000 Unternehmen vor einer Nachfolgeregelung. Der damit verbundene Wechsel in der Führung kleiner und mittelständischer Unternehmen bedeutet für alle Beteiligten erhebliche Veränderungen.


Eine Unternehmensnachfolge kann nur dann auf Dauer von Erfolg gekrönt sein, wenn das Unternehmen perspektivisch eine Zukunft hat. Was in der Vergangenheit erwirtschaftet worden ist (und mag der Wert noch so hoch sein), kann bedeutungslos sein, wenn die Chancen für eine weitere positive Entwicklung in den nächsten Jahren nicht gegeben sind. Das mit einer Firmenübernahme verbundene Risiko sollte der Nachfolger nur dann auf sich nehmen, wenn er sich und dem Unternehmen zutraut, auch in den nächsten Jahrzehnten wirtschaftlich bestehen zu können.

In diesem Zusammenhang kommt der Ermittlung des Unternehmenswertes eine besondere Bedeutung zu. Einen objektiv richtigen Firmenwert gibt es in der Praxis nicht. Während der abgebende Unternehmer neben den Sachwerten auch die viele Arbeit sieht, die er in das Unternehmen investiert hat, zählen für den Nachfolger häufig nur die Gewinnpotenziale der Zukunft und wie er einen möglichen Kaufpreis finanzieren und zurückzahlen kann. Aus diesen unterschiedlichen Sichtweisen resultieren häufig sehr stark voneinander abweichende Wertvorstellungen.

Es gibt mehr als eine Methode der Unternehmenswertermittlung. Gängige Verfahren sind beispielsweise das Substanzwertverfahren oder das Ertragswertverfahren. Während beim Substanzwertverfahren versucht wird, die Werte aller vorhandenen Vermögensgegenstände abzüglich der Verbindlichkeiten zu ermitteln, basiert das Ertragswertverfahren auf der Annahme, dass sich der Wert eines Unternehmens durch die erwirtschafteten oder potenziell zu erzielenden Erträge darstellt.

Die Ermittlung des Ertragswertes erfolgt in mehreren Schritten:

  • Auf Basis der bisherigen Entwicklung des Unternehmens (Vergangenheitsanalyse) wird versucht, die Chancen und Risiken der zukünftigen Entwicklung darzustellen. Für eine aussagekräftige Unternehmensprognose sind dazu unter anderem Kenntnisse über die Größe und Wachstumsrate der Branche, die Entwicklung des Wettbewerbs, die Konkurrenzfähigkeit der Produkte, die Kundenstruktur sowie die weitere Marktentwicklung erforderlich. Auch die Mitarbeiterstruktur (Alter, besondere Kenntnisse etc.) sowie der Zustand des betriebsnotwendigen Inventars müssen in diese Betrachtung eingehen.
  • Diese Untersuchungen dienen als Grundlage für den Entwurf einer langfristigen Umsatz-, Kosten-, Ergebnis- und Investitionsplanung. Der Planungszeitraum sollte dabei drei bis fünf Jahre umfassen.
  • Ermittlung des nachhaltig zu erzielenden Ertrags bzw. Cashflows. Bei der Berechnung werden alle untypischen Faktoren (bspw. überhöhte Geschäftsführergehälter, Gehälter für nicht operativ mitarbeitende Familienangehörige, nicht angemessene Firmenfahrzeuge, überhöhte oder auch zu geringe Mieten etc.) eliminiert.
  • Der aus diesen Berechnungen resultierende Ertrag wird kapitalisiert und stellt dann den Unternehmenswert dar.
  • Ermittlung des Kapitalisierungszinsfußes. Der Kapitalisierungszinsfuß hat maßgeblichen Einfluss auf den Ertragswert. Ausgehend von einem Basiszinssatz, der die Verzinsung einer alternativen und risikolosen Kapitalanlage darstellt (z. B. für langjährige Deutsche Bundesanleihen), werden zusätzlich Risikoaufschläge für unterschiedliche unternehmerische Risiken angesetzt. Diese Einschätzung hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Höhe des Unternehmenswertes. Bei diesen Risiken handelt es sich beispielsweise um Kundenabhängigkeiten, Markt- oder Produktrisiken (veraltete Produkte), Standortnachteile oder Personenabhängigkeiten.

Der auf diese Weise ermittelte Unternehmenswert stellt (unter Abwägung von Chancen und Risiken) die Verhandlungsbasis für beide Parteien dar. Letztendlich entscheidet der Markt über den tatsächlichen Wert des Unternehmens - was ist ein Käufer (Nachfolger) bereit zu bezahlen oder auf sich zu nehmen und was möchte der Verkäufer mindestens erzielen.

Die Wertermittlung ist nur ein Teilbereich auf dem Weg zu einer erfolgreichen Nachfolge. Die Klärung weiterer wichtiger Faktoren wie erbrechtliche Aspekte, die zukünftige Rechtsform, mögliche Gesellschaftsverhältnisse, Vertragsgestaltungen, Sicherheiten und Finanzierungen benötigt auch viel Zeit.

Zum Autor: Andreas Dufner ist Geschäftsführer des IBF-Instituts für Betriebsführung AG (www.ibf.de) und berät Kunden zu Themen im Bereich Finanzierung.