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Unternehmensnachfolge | Mi, 19.06.2013 13:22

Wie Käufergruppen über Besonderheiten der Finanzierung entscheiden

Von: Matthias Tröger

Bei der Unternehmensnachfolge besteht die Möglichkeit, ein etabliertes Unternehmen weiterzuführen. Doch stellt sich die Frage, wer für die Übernahme in Frage kommt? Egal, ob der abtretende Unternehmer nun eine interne oder eine externe Lösung wählt, er muss sich für eine Käufergruppe entscheiden. Und diese Entscheidung hängt auch davon ab, in welchem finanziellen Rahmen die Übernahme ablaufen soll.


Die familieninterne Nachfolge erfolgt zumeist unentgeltlich. Die Verrentung des Kaufpreises erleichtert dem Nachfolger die Finanzierung – jedoch hängen der Verkäufer und oft auch seine Altersversorgung davon ab, ob der Nachfolger erfolgreich wirtschaftet.

Bei sogenannten Management-Buy-Outs oder Buy-Ins (MBO bzw. MBI) verfügen die potenziellen Nachfolger häufig nicht über das erforderliche Eigenkapital, um den Kaufpreis zu finanzieren. Neben der Kreditfinanzierung, die durch das Vermögen und zukünftige Erträge des Unternehmens gedeckt werden, und der Beantragung öffentlicher Fördermittel muss der Verkäufer den Käufern häufig mit einem Verkäuferdarlehen unter die Arme greifen.

Strategische Käufer sind nicht nur im Bereich der eigenen Kunden, Lieferanten oder der direkten Konkurrenten zu suchen. Auch Unternehmen, die einen Einstieg in das Markensegment des bisherigen Unternehmens planen oder an dessen Technologie interessiert sind, können mögliche Käufer sein. Bei strategischen Käufern kann meist der höchste Verkaufspreis realisiert werden, da der strategische Zusatznutzen vom verkaufenden Unternehmen in den Verkaufspreis mit einkalkuliert werden kann.

Neben der Finanzierung des Kaufpreises mit Eigenkapital bzw. Barmitteln werden dem Verkäufer gelegentlich Aktien des Käuferunternehmens im Austausch angeboten. Problematisch für den Verkäufer sind die Bewertung des Austauschverhältnisses der Anteile sowie die Fungibilität derselben. Sofern ein Verkäuferdarlehen vereinbart wird, dient dieses in der Regel zur Absicherung von Gewährleistungsrisiken.

Bei einer externen Übernahme durch Finanzinvestoren wird in der Regel eine Mischung aus Eigen- und Fremdkapital gewählt. Der Kapitaldienst für das zur Akquisition verwendete Fremdkapital ist in der Regel durch das übernommene Unternehmen zu tragen. In Negativ-Beispielen hat dies die Handlungsfähigkeit der übernommenen Unternehmen stark eingeschränkt oder diese sogar in die Insolvenz getrieben.

Diese Negativ-Beispiele bilden jedoch die Ausnahme. Die kreditfinanzierenden Institute sind zwischenzeitlich sehr viel konservativer geworden und verlangen einen durchschnittlichen Eigenkapitalanteil von 50 Prozent. Auswüchse einer 80-prozentigen Kreditfinanzierung gehören damit – hoffentlich – der Vergangenheit an. Auch bei Finanzinvestoren wird vom Verkäufer häufig ein Verkäuferdarlehen erwartet. Dabei stehen für den Erwerber neben der Absicherung der Gewährleistungsrisiken auch Finanzierungsaspekte im Vordergrund.

Aufgrund der schwindenden Attraktivität der Finanzmärkte und des gestiegenen Preisniveaus im Immobilienmarkt investieren auch vermögende Familien, sogenannte Family Offices, verstärkt in den Kauf von Unternehmen. Die Finanzierung ist unkritisch und erfolgt meist aus Barmitteln. Da kein Exitdruck vorhanden ist, ist die Haltedauer nicht vorgegeben. 

Zum Autor: Matthias Tröger ist Diplom-Betriebswirt und geschäftsführender Gesellschafter der seneca Corporate Finance GmbH. Weitere Informationen stehen unter www.seneca-cf.de zur Verfügung.