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Wirtschaft | Mi, 14.10.2009 10:49

Wirtschaft in Baden-Württemberg hat Talsohle durchschritten

Die Lage der Wirtschaft in Baden-Württemberg hellt sich langsam auf. Zwar leidet auch im Herbst 2009 noch die Mehrzahl der Unternehmen unter schlecht laufenden Geschäften, doch die Talfahrt scheint gestoppt. „Die Nachfrage aus dem Ausland wie auch die Binnennachfrage stabilisiert sich auf niedrigem Niveau“, erklärt Dr. Herbert Müller, Präsident der IHK-Region Stuttgart, die Federführer Volkswirtschaft der zwölf IHKs in Baden-Württemberg ist. Wie die aktuelle IHK-Konjunkturumfrage, an der sich knapp 4.200 Unternehmen aller Betriebsgrößen und Branchen beteiligt haben, ergeben habe, meldete die Südwestwirtschaft erstmals seit zwei Jahren eine im Vergleich zur vorigen Befragung verbesserte Geschäftslage.


Jedoch geht es auch im Herbst 2009 immer noch deutlich mehr Betrieben schlecht als gut: Knapp 18 Prozent der Betriebe bezeichnen ihre aktuelle Situation als gut (plus drei Prozentpunkte im Vergleich zum Frühsommer 2009). Über schlechte Geschäfte klagen 36 Prozent der Unternehmen (Frühsommer: 41 Prozent). Die Kapazitätsauslastung der Betriebe ist weiterhin sehr niedrig und so haben bislang fast zwei Drittel der Unternehmen geringere Erträge als 2008 – in der Industrie sind es drei Viertel, bei den Herstellern von Investitionsgütern sogar 84 Prozent. Anlass zur Hoffnung gibt allerdings die Auftragseingangsentwicklung: 21 Prozent der Unternehmen vermelden hier eine Steigerung (Frühsommer: 9 Prozent), 30 Prozent einen Rückgang (Frühsommer: 50 Prozent). Vor diesem Hintergrund hellt sich die Stimmung der Betriebe zunehmend auf. Inzwischen rechnet auch wieder eine Mehrheit mit steigenden Exporten.

Eine Gefahr für dieses leicht positive Klima könnte von den verschlechterten Finanzierungskonditionen ausgehen, mit denen immer mehr Unternehmen zu kämpfen haben. „Von einer Kreditklemme kann man nicht sprechen, doch die Unternehmen klagen über steigende Zinsen, Sicherheitsforderungen und Dokumentationspflichten“, erläutert Dr. Müller. Ungünstigere Konditionen für Betriebsmittel- und Investitionskredite bremsen nach Aussage des IHK-Präsidenten den wirtschaftlichen Erholungsprozess.

Die geringe Auslastung und die Personalkosten belasten das Eigenkapital der Unternehmen. Dies spiegelt sich in den Beschäftigungsplänen wieder: Die Mehrheit der Betriebe will zwar ihre Beschäftigtenzahl konstant halten, neun Prozent planen eine Aufstockung. Doch mehr als ein Drittel planen weiterhin oder auch erstmals, Personal abzubauen. In der Industrie sind es sogar 47 Prozent und im Hotel- und Gaststättengewerbe rechnen über 35 Prozent damit, ihre Beschäftigtenzahl reduzieren zu müssen.

Blick in die Branchen: Die Industrie im Südwesten leidet nach wie vor unter einer schlechten Ertragslage. Doch steigende Auftragseingänge in einer wachsenden Zahl von Unternehmen geben vermehrt Anlass zur Zuversicht. Die Bauwirtschaft vermeldet eine im Vergleich zum Frühjahr leicht verbesserte positive Lage. Doch die rückläufige Nachfrage nach Bauleistungen lässt die Branche insgesamt eher skeptisch in die Zukunft blicken. Der Einzelhandel behauptet sich zwar, die Stimmung ist jedoch insgesamt eher verhalten. Mit einer deutlich schlechteren Lage hat der Großhandel zu kämpfen. Aufgrund von insgesamt verbesserten Perspektiven im Handel ist der Pessimismus hier jedoch verflogen. Die Situation der Dienstleister ist inzwischen insgesamt ausgeglichen, jedoch leiden insbesondere die Zeitarbeit sowie die Werbewirtschaft unter einer ungünstigeren Geschäftslage. Die andauernde Zurückhaltung der Geschäftskunden schlägt sich im Hotel- und Gaststättengewerbe immer noch spürbar nieder, der Blick nach vorn ist jedoch inzwischen etwas optimistischer geworden als noch im Frühjahr. Guter Dinge ist das Kreditgewerbe, in fast zwei Drittel aller Banken hat sich die Ertragslage gegenüber 2008 verbessert. Vor diesem Hintergrund könnten die Banken künftig wieder mehr Kredite vergeben.

(BWIHK)