Sign In

Welcome, Login to your account.

Wirtschaft | Mo, 28.10.2013 12:55

Wirtschaft in Baden-Württemberg in guter Verfassung

Nach der verhaltenen Entwicklung im ersten Halbjahr 2013 sind die Konjunkturaussichten für die baden-württembergische Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte deutlich besser. Im dritten Quartal dürfte das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) Baden-Württembergs um 1,25 Prozent gegenüber dem Vorjahr wachsen. Für das vierte Quartal ist ein Wert von rund zwei Prozent zu erwarten, so die Einschätzung des Statistischen Landesamtes. Diese wird vor allem gestützt durch die Entwicklung der inländischen Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe und die Industrieproduktion.


Die Inlandsumsätze des baden-württembergischen Verarbeitenden Gewerbes lagen im Durchschnitt der Sommermonate Juni bis August 2013 um 0,3 Prozent unter ihrem Vorjahreswert. Im Frühjahr lag das Vorjahresminus noch bei 2,6 Prozent. Tatsächlich zeigt das rückläufige Minus an, dass die inländische Nachfrage nach Industrieprodukten langsam wieder in Schwung kommt. Die Reihe der saisonbereinigten Absolutwerte bestätigt dies: Im Sommer stiegen die inländischen Industrieumsätze gegenüber der Vorperiode um 1,5 Prozent.

Im Maschinenbau zeigte sich die Nachfrage zuletzt sehr lebhaft: Nachdem die Umsätze im Frühjahr noch um 3,2 Prozent unter dem Vorjahreswert lagen, stiegen die Erlöse im Sommer im Vorjahresvergleich um immerhin 3,3 Prozent an. Saisonbereinigt erhöhten sich die Inlandsumsätze zwischen Frühjahr- und Sommermonaten um 3,9 Prozent. Im Fahrzeugbau stellt sich die konjunkturelle Lage besser dar, als der Vorjahresvergleich vermuten lässt: Hinter dem geringen Minus von 1,3 Prozent steht eine beeindruckende Erholung. Saisonbereinigt stiegen die Inlandsumsätze im Vergleich zur Vorperiode um 2,3 Prozent – die Talsohle dürfte auch in diesem Wirtschaftszweig durchschritten sein.

Gute Nachrichten kommen auch aus dem Bauhauptgewerbe. Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden nahm im Vorjahresvergleich um 3,4 Prozent und gegenüber der Vorperiode um vier Prozent zu. Zwar ist zu berücksichtigen, dass es sich trotz Saisonbereinigung um eine ziemlich schwankende Größe handelt, dennoch ist der Aufwärtstrend im Bauhauptgewerbe intakt.

Die Entwicklung der Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe zeigt an, dass sich der Aufschwung der Binnenkonjunktur verstetigen dürfte. Im Durchschnitt der Sommermonate stiegen die Auftragseingänge aus dem Inland stärker als die Inlandsumsätze, und zwar sowohl gegenüber dem Vorjahr als auch gegenüber der Vorperiode – eine Konstellation, die schon seit längerem nicht mehr zu beobachten war. Besonders stark stiegen die Auftragseingänge der Investitionsgüterproduzenten, was ein Indiz dafür ist, dass sich die Ertragserwartungen der Unternehmer verbessert haben.

Rückenwind für die Binnennachfrage geht nach wie vor von der guten Beschäftigungssituation im Land und dem verlangsamten Anstieg der Verbraucherpreise aus. Im Produzierenden Gewerbe und in den Dienstleistungsbereichen waren zuletzt rund 64 000 Personen mehr beschäftigt als im Vorjahreszeitraum, die Arbeitslosenquote belief sich im September auf 4,0 Prozent.

Allerdings sind kaum Nachfrageimpulse aus dem Ausland zu verzeichnen. Die Frühjahrszahlen haben noch Anlass zu vorsichtigem Optimismus gegeben. In den Sommermonaten 2013 hat sich jedoch die Auslandsnachfrage im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt eher eingetrübt. Im Durchschnitt der Monate Juni bis August lag die aus dem Auslandsgeschäft resultierende Umsatzsteigerung der baden-württembergischen Industrie nur noch bei 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Frühjahr wurden noch 2,8 Prozent erzielt. Der Vorjahresvergleich spiegelt die aktuelle konjunkturelle Situation durchaus wider: Gegenüber den Frühjahrsmonaten sanken die Auslandsumsätze saisonbereinigt um 0,4 Prozent.

Die Auslandsumsätze der Investitionsgüterproduzenten entwickelten sich verhaltener als die des Verarbeitenden Gewerbes insgesamt und stagnierten im Vorjahresvergleich nahezu. Dahinter steht eine divergierende Entwicklung der beiden Schwergewichte dieser Branche: Im Maschinenbau legten die Auslandserlöse zu (+2,8 Prozent), im Fahrzeugbau dagegen sanken sie (−3,0 Prozent). Ganz ähnlich ist das Bild bei den Veränderungsraten gegenüber dem Frühjahr: Dem saisonbereinigten Anstieg der Auslandsumsätze im Maschinenbau (+3,9 Prozent) steht ein Rückgang im Fahrzeugbau (−4,7 Prozent) gegenüber. Immerhin weist der längerfristige Trend im Fahrzeugbau trotz der Entwicklung am aktuellen Rand bislang noch nach oben.

Ein Blick auf die Auftragseingänge zeigt, dass die Aussichten für die Auslandskonjunktur des baden-württembergischen Verarbeitenden Gewerbes sich vorläufig nicht verbessern dürften. Im Frühjahr wuchs der Wert der Auslandsbestellungen im Vorjahresvergleich noch. Vor diesem Hintergrund ist der Rückgang von 3 Prozent, der im Sommer zu verzeichnen war, doch vergleichsweise deutlich. Saisonbereinigt belief sich der Rückgang gegenüber der Vorperiode auf 2,6 Prozent, was insbesondere auf die schwachen Juni- und Juliwerte zurückzuführen ist. Im August hat sich die Entwicklung wieder gefangen. Schwächer als im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt zeigten sich die Auftragseingänge bei den Investitionsgüterproduzenten, was die Perspektiven für die Auslandsnachfrage ebenfalls nicht aufhellt.

(Redaktion)