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Wirtschaft | Fr, 29.10.2010 15:47

Wirtschaftliche Erholung in Baden-Württemberg geht mit gebremster Dynamik weiter

Die wirtschaftliche Entwicklung des ersten Halbjahres verlief mit einer Dynamik, die nicht nur die Prognostiker überraschte. Besonders das zweite Quartal erwies sich als ausgesprochen wachstumsstark. Für die zweite Jahreshälfte ist nach Feststellung des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg mit einer weiteren Erholung zu rechnen.


Im dritten Quartal könnte die baden-württembergische Wirtschaftsleistung saison- und kalenderbereinigt um 0,25 Prozent gegenüber dem Vorquartal steigen, für das vierte Quartal wird ein Anstieg von 0,75 Prozent prognostiziert. Betrachtet man dagegen den geglätteten Verlauf des Bruttoinlandsprodukts (BIP), zeigt sich für das zweite Halbjahr eine leicht abgeschwächte konjunkturelle Grunddynamik. Diese Einschätzung stützt sich auch auf den Verlauf des Gesamtkonjunkturindikators, der bei gebremstem Tempo eine Fortsetzung des Aufschwungs anzeigt.

Wenn der Aufschwung bislang hauptsächlich vom Auslandsgeschäft getragen wurde, zeichnet sich mittlerweile mehr und mehr ab, dass der konjunkturelle Funke auf die Binnennachfrage überspringt. In den Sommermonaten war sowohl bei den Auslandsumsätzen als auch bei den ausländischen Bestellungen eine deutliche Abflachung festzustellen. Bei der Binnennachfrage fiel der konjunkturelle Aufholprozess im Durchschnitt der letzten zwölf Monate zwar verhaltener aus, dafür zeigt er sich bis an den aktuellen Rand ungebrochen.

Die Umsatzzuwächse aus dem Inlands- wie aus dem Auslandsgeschäft sind insbesondere auf die Vorleistungs- und Investitionsgüterproduzenten zurückzuführen. Dies ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass sich der Aufschwung, wenngleich abgeschwächt, zunehmend selbst trägt. Damit dürfte auch das unvermeidliche Auslaufen der Konjunkturprogramme kompensiert werden können. Das Umsatzplus im Verarbeitenden Gewerbe aus dem Inlandsgeschäft lag im Durchschnitt der Monate Juni bis August arbeitstäglich bereinigt rund 8 Prozent über dem Vorjahreswert. Bei den Vorleistungsgüter- bzw. Investitionsgüterproduzenten betrug der Zuwachs 18 Prozent bzw. 7 Prozent. Die Auslandsumsätze stiegen um rund 21 Prozent, wobei der Anstieg bei den Vorleistungsgüterproduzenten 17 Prozent betrug, bei den Investitionsgüterproduzenten 24 Prozent.

Vom Vorjahresvergleich lässt sich allerdings aufgrund des starken Vergangenheitsbezuges nicht ohne Weiteres auf die aktuelle konjunkturelle Lage schließen. Diesbezüglich ist der Vergleich zur Vorperiode aussagekräftiger. Die konjunkturelle Grunddynamik der im Inland wie im Ausland erzielten Umsätze der Industrie mit einem Anstieg von jeweils 1,7 Prozent (saisonal, arbeitstäglich und um irreguläre Einflüsse bereinigt) hat sich im Durchschnitt der Monate Juni bis August im Vergleich zum Zeitraum März bis Mai angeglichen. Die Auftragseingänge aus dem Ausland zeigen an, dass der exportgestützte Aufschwung eine Pause einlegen könnte. Zwischen Juni und August stieg der bereinigte Wert gegenüber der Vorperiode um nur noch 0,8 Prozent, während die inländischen Auftragseingänge um 1,9 Prozent zulegen konnten.

Die insgesamt ausgezeichnete Konjunkturentwicklung wirkt sich auch positiv auf Arbeitsmarkt und Beschäftigung aus: Die Arbeitslosigkeit sinkt kontinuierlich und die Zahl der offenen Stellen steigt. Die Arbeitslosenquote (bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen) betrug im September 4,6 Prozent. Mit 267.000 lag die Zahl der Arbeitslosen im dritten Quartal 2010 um mehr als 32 000 unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums und die Zahl der ungeförderten offenen Stellen stieg um knapp 18.000 auf über 57.000. Die Zahl der Erwerbstätigen lag zuletzt nur noch geringfügig unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Der gesamtwirtschaftliche Beschäftigungsabbau dürfte damit gestoppt sein.

(Redaktion)