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Wirtschaft | Fr, 28.01.2011 11:32

Wirtschaftlicher Erholungskurs in Baden-Württemberg setzt sich fort – Binnennachfrage festigt sich

Nachdem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der ersten drei Quartale des vergangenen Jahres nunmehr vorläufig berechnet ist, steht auch das für das Gesamtjahr prognostizierte Wirtschaftswachstum in Baden-Württemberg auf zunehmend sicherem Grund: Nach jetzigem Berechnungsstand dürfte die Wirtschaftsleistung 2010 im Land um rund 4,75 Prozent gestiegen sein.


Einen Ausblick auf den Konjunkturverlauf 2011 erlaubt der Gesamtkonjunkturindikator des Statistischen Landesamts, der eine fortgesetzte Erholung bei gebremster Dynamik andeutet. „Für das erste Quartal 2011 rechnen wir mit einem realen Wirtschaftswachstum gegenüber dem ersten Quartal 2010 von rund 5,5 Prozent“, so Dr. Carmina Brenner, Präsidentin des Statistischen Landesamts. „Auch gegenüber dem Vorquartal bedeutet dies um preisliche, saisonale und kalenderbedingte Einflüsse bereinigt, ein solides Wachstum von rund 0,75 Prozent.“

Die konjunkturelle Dynamik scheint sich aktuell etwas abzuflachen. Zwar liegen die Auslandsumsätze der Branchen des Verarbeitenden Gewerbes im Vorjahresvergleich satt im Plus: Im Durchschnitt der Herbstmonate September bis November ist für das Verarbeitende Gewerbe insgesamt arbeitstäglich bereinigt gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme von rund 20 Prozent zu verzeichnen. Im Maschinenbau liegt dieser Wert bei rund 19 Prozent, im Fahrzeugbau sogar bei rund 28 Prozent. Im Vergleich zur Vorperiode allerdings nahmen die Auslandsumsätze im Verarbeitenden Gewerbe, um saisonale und irreguläre Einflüsse bereinigt, in den Monaten September bis November deutlich weniger stark zu als noch im Sommer. Die nachlassende Dynamik ist aber auch nicht überzubewerten. Vielmehr scheint es sich um eine normale zyklische Abschwächung in einem fulminanten Aufholprozess zu handeln.

Die weitere konjunkturelle Erholung wird immer mehr von der sich festigenden Binnennachfrage getragen. Im Verarbeitenden Gewerbe konnten die Inlandsumsätze im Herbst um rund 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegen. Eine bemerkenswerte Umsatzentwicklung zeigt der Maschinenbau mit einem arbeitstäglich bereinigten Umsatzplus von rund 23 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im Sommer war der entsprechende Wert erst halb so hoch. Die Binnenkonjunktur nimmt also Fahrt auf – das zeigt sich auch am Beispiel der Investitionsgüterhersteller insgesamt, die ein Umsatzplus von 13 Prozent verbuchen konnten. Dass sich das Vertrauen in den Aufschwung zu festigen scheint, lässt sich auch an den Umsatzzahlen ausgewählter Dienstleistungsbranchen ablesen: Einzelhandel und Beherbergungsgewerbe verzeichneten Umsatzzuwächse von rund 2 Prozent bzw. 10 Prozent. Auch die Erlöse des Kfz-Handels lagen nach einer Durststrecke im Herbst wieder über ihrem Vorjahreswert. Insgesamt gewinnt die Binnennachfrage an Breite.

Die Anzahl der Erwerbstätigen lag 2010 im Jahresdurchschnitt um 21.000 über dem Vorjahreswert. Dabei zeigte sich die Beschäftigungslage im Jahresverlauf zunehmend freundlicher. Im dritten Quartal 2010 übertraf die Zahl der Erwerbstätigen das Vorjahresniveau bereits um 44.000. Die Dynamik wurde wesentlich von der Entwicklung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten getragen. Deren Anzahl stieg zwischen August und Oktober vorläufigen Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit zufolge sogar um knapp 61.000 über den Vorjahreswert. Der Zuwachs geht maßgeblich auf das Konto der Dienstleistungsbereiche, insbesondere der Arbeitnehmerüberlassung. Die Zahl der Arbeitslosen lag im vierten Quartal mit rund 242 000 um fast 40.000 unter dem Vorjahreswert. Die Arbeitslosenquote betrug im Dezember 4,3 Prozent.

Mit der wirtschaftlichen Erholung des vergangenen Jahres tendierten auch die Verbraucherpreise in Baden-Württemberg nach oben. Über das Gesamtjahr ist der Preisanstieg mit 1,1 Prozent nach wie vor als moderat zu bezeichnen. Unverkennbar ist allerdings, dass die Teuerung sich im Jahresverlauf verstärkte. Besonders der Anstieg der Weltmarktpreise für Rohstoffe sorgte dafür, dass sich der Preisdruck auf den Vorstufen deutlich erhöhte.

(Redaktion)