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Wirtschaft | Di, 22.12.2009 09:09

Wirtschaftsentwicklung in Baden-Württemberg 2009 und 2010

Nach Einschätzung von Baden-Württembergs Wirtschaftsstaatssekretär Richard Drautz zeigt die aktuelle Wachstumsprognose des Statistischen Landesamtes von eineinhalb Prozent für 2010, dass sich die Südwestwirtschaft wieder gefangen hat und auf dem Weg ist, sich aus der Krise herauszuarbeiten: „Die Jahre 2008 und 2009 sind die bislang ungewöhnlichsten in der Wirtschaftsgeschichte des Landes. Aus einem zunächst zyklischen Abschwung zu Beginn des Jahres 2008 ist es im Winterhalbjahr 2008/2009 zu einem scharfen Absturz der Konjunktur gekommen. Mit voller Wucht wurde der wirtschaftliche Kern der baden-württembergischen Wirtschaft, die auf hochwertige Investitionsgüter spezialisierte Industrie, getroffen. Jetzt aber hat sich die Südwestwirtschaft wieder gefangen und ist auf dem Weg, sich aus der schweren Krise herauszuarbeiten.“


„Die konjunkturellen Frühindikatoren zeigen an, dass 2010 ein Jahr des Aufschwungs im Land werden wird – ausgehend von einem deutlich niedrigeren Niveau der Wirtschaftsleistung infolge der schweren Rezession“, so fasste die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Dr. Carmina Brenner, ihre Einschätzungen zur Wirtschaftsentwicklung im Land zusammen. Ging das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2009 nach aktuellem Kenntnisstand um 8 Prozent zurück, prognostiziert das Statistische Landesamt für 2010 ein BIP-Wachstum von 1,5 Prozent. Der Einbruch der Wirtschaftsleistung im abgelaufenen Jahr hinterließ bereits Spuren auf dem Arbeitsmarkt. So dürfte die Anzahl der Erwerbstätigen im Land 2009 um rund 0,5 Prozent zurückgegangen sein. Die Auswirkungen der Krise werden hier allerdings auch 2010 noch zu spüren sein: Im neuen Jahr könnte die Erwerbstätigenzahl deutlich stärker, und zwar um 1,75 Prozent sinken.

 

Nachdem das Jahr 2009 durch die tiefste Wirtschaftskrise seit Bestehen des Landes geprägt war, dürfte die konjunkturelle Wende bereits zum Jahreswechsel vollzogen worden sein. Verschiedene Kennzahlen deuten in diese Richtung. Der vom Statistischen Landesamt berechnete Gesamtkonjunkturindikator hat seine Talfahrt zum Jahresende gestoppt und zeigt eine deutliche Aufwärtsbewegung an. Ein Blick auf die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts, differenziert nach Quartalen und Konjunkturzyklen bis zum prognostizierten vierten Quartal 2009 fügt sich ins Bild: Die Rezession, in der sich die Wirtschaft im Südwesten seit Anfang 2009 befand, hat sich im Jahresverlauf zusehends abgeschwächt und dürfte im vierten Quartal 2009 in eine Phase des Aufschwungs übergegangen sein.

So erfreulich die für 2010 prognostizierte positive BIP-Veränderungsrate von 1,5 Prozent nach dem Krisenjahr 2009 auch ist, es handelt sich um eine Wachstumsrate, die krisenbedingt von einem niedrigeren Niveau ausgeht: Die baden-württembergische Wirtschaftsleistung ist 2009 in etwa auf den Wert des Jahres 2005 zurückgefallen. »Der für 2010 zu erwartende wirtschaftliche Aufschwung im Land ist ein erster Schritt auf dem steinigen Weg zu alter Wirtschaftskraft – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger«, betonte Frau Dr. Brenner.

Nach Ansicht von Wirtschaftsstaatssekretär Drautz belege der anziehende Auftragseingang in der Industrie, vor allem aus dem Ausland den Aufwärtstrend. Zudem wiesen die jüngsten Umfragen auf eine Verbesserung der Geschäftssituation und einen optimistischeren Ausblick der Unternehmen hin. Wie Drautz weiter betonte, gehe er davon, dass sich im nächsten Jahr der Erholungskurs fortsetzen werde. Allerdings könnte der Aufschwung vorerst noch auf einem niedrigen Niveau verlaufen, da ein nachhaltiger Aufschwung für die exportstarke Südwestwirtschaft zu einem großen Teil von der globalen Nachfrage angestoßen werden muss. Hier gebe es gegenwärtig wegen dem weltweit unterschiedlich verlaufenden Erholungsprozess noch einige Unsicherheiten.

Die Anzahl der Erwerbstätigen ging trotz des überaus starken Rückgangs der Wirtschaftsleistung im Jahr 2009 nach jetzigem Kenntnisstand mit –0,5 Prozent nur mäßig zurück. Die Anzahl der Arbeitslosen stieg im Mittel der Monate Januar bis November 2009 im Vorjahresvergleich um rund 24 Prozent. Angesichts des BIP-Rückgangs um 8 Prozent fiel der Anstieg der Arbeitslosigkeit damit jedoch weniger stark aus, als man hätte befürchten können. Zum Vergleich: Als die Wirtschaftsleistung im Jahr 1993 um 4,1 Prozent zurückging, stieg die Anzahl der Arbeitslosen im Land um rund 47 Prozent. Im abgelaufenen Jahr 2009 konnte die Beschäftigungsbrücke Kurzarbeit zusammen mit flexiblen Arbeitszeitmodellen die negativen Auswirkungen für den Arbeitsmarkt abmildern. Für 2010 sind die Arbeitsmarktperspektiven allerdings wenig rosig: Der Rückgang der Erwerbstätigenzahl wird sich 2010 mit prognostizierten –1,75 Prozent deutlich beschleunigen.

„Bei allem begründeten Optimismus für die Wirtschaftsentwicklung 2010 dürfen die nach wie vor bestehenden konjunkturellen Risiken nicht außer Acht gelassen werden“, sagte Frau Dr. Brenner. Ein wichtiger Risikofaktor ist der erwähnte Arbeitsmarkt. Wenn, wie zu erwarten ist, die Beschäftigung sinkt und die Arbeitslosigkeit steigt, wird vom privaten Konsum kaum ein positiver Wachstumsbeitrag ausgehen. Die Rolle des Konjunkturmotors dürfte einmal mehr der Auslandsnachfrage zufallen. Wenn diese sich 2010 wieder erholt, wovon allgemein ausgegangen wird, dürfte die baden-württembergische Wirtschaft aufgrund ihrer hohen Exportabhängigkeit hiervon überdurchschnittlich profitieren. Allerdings könnte die Erholung des Welthandels durch aufkeimenden Protektionismus gedämpft werden. Sowohl für die Auslandsnachfrage als auch die Binnennachfrage ist die Frage relevant, wie und wann Notenbanken und Regierungen ihre expansiven Maßnahmen wieder zurücknehmen (Exit-Strategien), ohne den Aufschwung zu gefährden. Schließlich ist offen, wie sich 2010 die Kreditvergabe der Banken an die Unternehmen darstellen wird.

Nach den Worten von Drautz wird für den Aufschwung viel Kraft und Ausdauer notwendig sein: „Der sich anbahnende konjunkturelle Aufschwung muss durch eine wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik Unterstützung erhalten. Er darf nicht an unzureichenden Kreditvergaben der Banken scheitern. Auch gilt es die Steuerpolitik einfacher und mittelstandsfreundlicher zu gestalten und Branchen mit besonders hohem Wachstums- und Innovationspotenzial zu unterstützen.“

(Stat. Landesamt/Wirtschaftsministerium BW)