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Wirtschaft | Di, 27.01.2009 09:01

Wirtschaftsminister der „Vier Motoren“ In den stärksten Regionen Europas wächst die Überzeugung, dass Weiterbildung eine der entscheidenden Stellschrauben ist, um Entlassungen zu vermeiden.

In den stärksten Regionen Europas wächst die Überzeugung, dass Weiterbildung eine der entscheidenden Stellschrauben ist, um Entlassungen zu vermeiden.


„Mit Weiterbildung und Qualifizierung können Unternehmen europaweit vorübergehende personelle Überkapazitäten sinnvoll abfedern“, betonte Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister beim Treffen der „Vier-Motoren-Regionen“ in Sitges bei Barcelona. Darin sei er sich mit seinen Kollegen aus den Partnerregionen einig.

„Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es sinnvoll, über den eigenen Tellerrand zu blicken. Wir können nur gewinnen, wenn die als „Vier Motoren Europas“ bekannten stärksten Regionen in der EU (Katalonien, Lombardei, Rhônes-Alpes, Baden-Württemberg) gemeinsam an den Stellschrauben für den wirtschaftlichen Wiederaufschwung drehen“, bekräftigte Pfister während des Treffen der Wirtschaftsminister beziehungsweise der für die wirtschaftlichen Entwicklung zuständigen Ressortchefs der „Vier Motoren–Regionen„ sowie der assoziierten Partner im katalanischen Sitges bei Barcelona. In der im April 1991 auf Initiative von Baden-Württemberg eingerichteten Arbeitsgruppe Wirtschaft arbeiten neben den vier Motoren Regionen (Katalonien, Lombardei, Rhônes-Alpes, Baden-Württemberg) seit einigen Jahren als assoziierte Partner auch Wales und Flandern mit. In Sitges traten erstmals die Wirtschaftsressortchefs aus allen 6 Regionen zusammen.

Erfahrungsaustausch auf regionaler und nationaler Ebene
Laut Wirtschaftsminister Pfister diente das Treffen vor „dem düsteren Hintergrund der jüngsten Konjunkturprognose der Europäischen Kommission“ deshalb vorrangig dem Erfahrungsaustausch der Regionen im Hinblick auf die aktuellen Anti-Krisenprogramme auf regionaler und nationaler Ebene. Außerdem sollten die gemeinsamen Interessen der vier Motoren Regionen gegenüber dem vom Europäischen Rat am 11./12. Dezember 2008 in Brüssel gebilligten europäischen Konjunkturprogramm definiert werden. „Als Kompass für die weitere Zusammenarbeit“ vereinbarte die Konferenz ein Grundlagendokument, das die künftigen Aktionsfelder der Vier Motoren Zusammenarbeit absteckt.

Neue Qualifizierungsprogramme für besondere Zielgruppen
Alle Regionen haben parallel zu den nationalen Konjunkturprogrammen spezifische regionale Anti-Krisenprogramme aufgelegt, die bei allen nationalen Unterschiedlichkeiten einige gemeinsame Ansatzpunkte erkennen ließen: Erhöhung des Bürgschaftsrahmen zur Absicherung der Kredite der Hausbanken an die Unternehmen, Erhöhung beziehungsweise Vorziehen der Ausgaben für Produktivinvestitionen in nachhaltigen Infrastrukturmaßnahmen. Daneben wurden neue Qualifizierungsprogramme für besondere Zielgruppen aufgelegt, insbesondere für ältere sowie un- und angelernte Beschäftigte. Pfister: „ Baden-Württemberg steht mit seinem Infrastrukturprogramm in Höhe von 950 Millionen Euro sowie den Mitteln, die aus dem zweiten Konjunkturprogramm der Bundesregierung in das Land fließen, im interregionalen Vergleich gut da. Die jetzt für 2009 vorgesehenen Mittel für die Verkehrsinfrastruktur, die Schulen und Universitäten sowie die Städtebauförderung sind wirksame Konjunkturinstrumente mit hoher Multiplikatorwirkung.“ Laut Pfister waren sich die Wirtschaftsressortchefs in Sitges auch darüber einig, dass die von der Europäischen Kommission angestoßenen „intelligenten Investitionen“ in Bildung und Weiterbildung, in eine verbesserte Energieeffizienz bei öffentlichen Gebäuden sowie Investitionen in umweltfreundliche Kraftfahrzeuge auf regionaler Ebene umgesetzt werden müssen und der Zugang der Regionen zu den Förderprogrammen der Europäischen Investitionsbank und der EU verbessert und vor allem administrativ erleichtert werden muss.

Statt Entlassungen Investition in Weiterbildung
Wie Pfister weiter erklärte, haben bereits einige Regionen, darunter Katalonien, auch spezifische Programme zur Weiterbildung von beschäftigungslosen oder kurzarbeitenden Arbeitnehmern in der Automobilindustrie beziehungsweise in der Zulieferindustrie aufgelegt. Pfister: “Das gleiche Ziel verfolge ich bereits seit Herbst letzten Jahres in Baden-Württemberg. Fachleute in meinem Haus sondieren derzeit gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit, wie Unternehmen motiviert und unterstützt werden können, damit sie auf vorübergehende personelle Überkapazitäten nicht mit Entlassungen reagieren, sondern in die Weiterbildung und Qualifizierung ihrer wertvollen Fachkräfte investieren. Ständige Weiterbildung der Mitarbeiter ist für alle Branchen sinnvoll, gegenwärtig aber in besonderem Maße für die Automobilindustrie, die unter anderem durch die Elektrifizierung des Antriebsstrangs einen hohen Fortbildungsbedarf ihrer Mitarbeiter hat. Pfister kündigte an, in den nächsten Wochen gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit gemeinsam an die Öffentlichkeit zu gehen, um für die Weiterbildung zu werben.

Vor den in Sitges anwesenden Wirtschaftsressortchefs wies Pfister darauf hin, dass die Vollendung des europäischen Binnenmarktes sowie die Einführung des Euros gerade den exportorientierten Unternehmen in den Vier Motoren Regionen der Eurozone unbestreitbare Vorteile gebracht habe. Bei den nationalen und regionalen Anti-Krisenmaßnahmen sei deshalb darauf zu achten dass die Errungenschaften des Binnenmarktes nicht durch einen „wieder aufblühenden nationalen Protektionismus oder gar einen Subventionswettlauf gefährdet werden.“ In Anbetracht der wachsenden nationalen Haushaltsdefizite forderte Pfister die anwesenden Wirtschaftssressortchefs auf, in ihrem nationalen Umfeld darauf zu drängen, dass mit dem Tempo der hoffentlich bald einsetzenden wirtschaftlichen Erholung die öffentlichen Finanzen „so bald als möglich“ wieder den Vorgaben des Stabilitäts- und Wachstumspaktes der EU entsprechen. Pfister: „Ich sehe mit Sorge, dass sich das Zinsniveau bei den öffentlichen Anleihen in der Eurozone auseinander entwickelt und die schnell anwachsenden Haushaltsdefizite die zentrifugalen Tendenzen in der Eurozone stärken könnte. Gerade die export-starken Regionen der „Vier Motoren“ sind in besonderem Maß auf den Euro angewiesen.“

Gemeinsame Präsenz ausbauen und Internationalisierung der Unternehmen fördern
In den kommenden Jahren wollen die Vier Motoren im Bereich der Wirtschaft ihren Erfahrungsaustausch im Bereich der Cluster- und Innovationsförderung sowie der Existenzgründung- und Nachfolgeförderung verstärken. Durch gemeinsame Projektanträge bei EU-Förderprogrammen sollen die Rückflüsse der EU-Fördermittel in die Regionen erhöht werden.

Auf Anregung von Baden-Württemberg wollen die Vier Motoren-Regionen zudem ihre gemeinsame Präsenz bei wichtigen Messen ausbauen und so die Internationalisierung ihrer Unternehmen fördern.

Baden-Württemberg hatte zuletzt für seine Partnerregionen im April 2008 eine gemeinsame Wirtschaftsmission in Jekaterinenburg organisiert.

Jetzt wollen die Vier Motoren Regionen auf Vorschlag von Wirtschaftsminister Pfister ihre Beziehungen zu der russischen Region Swerdlowsk (die Partnerregion von Baden-Württemberg) weiter ausbauen und für Vertreter dieser russischen Region im Herbst 2009 ein Besuchsprogramm in allen Partnerregionen organisieren.

Quelle: Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg