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Wirtschaft | Do, 12.11.2009 09:14

Wirtschaftsminister Pfister ruft Unternehmen auf, dem Drop-Out von Ingenieurinnen entgegenzuwirken

„Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist der Fachkräftemangel für unsere Unternehmen ein bedeutendes Thema“, erklärte Wirtschaftsminister Ernst Pfister am Mittwoch, 11. November, in Stuttgart. „Denn Fachkräftemangel ist kein konjunkturelles, sondern ein strukturelles Problem.“ Allein in Baden-Württemberg fehlen auf der Basis ökonometrischer Hochrechnungen 13.000 Ingenieurinnen und Ingenieure in den Unternehmen.


Gleichzeitig stehen bundesweit 39.000 – in Baden-Württemberg rund 6.000 - ausgebildete Ingenieurinnen im erwerbsfähigen Alter dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung. „Das Potenzial gut ausgebildeter Fachkräfte ist für die nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen von entscheidender Bedeutung. Wir müssen deshalb alles dafür tun, um Ingenieurinnen auf ihren Berufswegen zu unterstützen und einem Drop-Out entgegenzuwirken,“ so Ernst Pfister.

Da die Ursachen des „Drop-Out“ von Ingenieurinnen bisher wissenschaftlich kaum erforscht sind, hat das Wirtschaftsministerium in Kooperation mit der IMPULS-Stiftung des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und dem Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg e.V. – Südwestmetall – im Juli 2008 eine wissenschaftliche Studie in Auftrag gegeben. Wirtschaftsminister Ernst Pfister stellte die Ergebnisse dieser Studie „Potenziale nutzen – Ingenieurinnen zurückgewinnen“, die unter der Leitung von Frau Professorin Dr. Susanne Ihsen, Fachgebiet Gender Studies in Ingenieurwissenschaften an der Technischen Universität München, erstellt wurde, heute vor. Die Studie wird durch einen Handlungsleitfaden ergänzt, der sich an Unternehmen, Politik und Verbände richtet.

Stefan Küpper, Geschäftsführer für Bildungspolitik bei Südwestmetall, unterstrich, dass der Verband die Ergebnisse der Studie offensiv in die Betriebe tragen werde. „Nach der Wirtschaftskrise kommt die Demografiekrise und es gilt, sich darauf rechtzeitig vorzubereiten. Unser besonderes Augenmerk wird der Reduzierung der Drop-Out-Quote und der Bindung der Ingenieurinnen an die Unternehmen gelten.“

Ulrich P. Hermani, Geschäftsführer des VDMA Baden-Württemberg und Vorstand der IMPULS-Stiftung, betonte, es sei vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und des weiterhin steigenden Anteils von Ingenieurinnen und Ingenieuren an den Beschäftigten im deutschen Maschinenbau dringend erforderlich, alle diesbezüglichen Potenziale zu erschließen. „Der VDMA setzt sich in der Diskussion mit seinen Mitgliedsfirmen dafür ein, jungen Ingenieurinnen bereits beim Berufsstart eine längerfristige Entwicklungsperspektive aufzuzeigen“, so Hermani.

Für die Studie wurden 19 Interviews mit Ingenieurinnen der Fachrichtungen Maschinenbau, Elektrotechnik und Verfahrenstechnik, die heute nicht mehr in ihrem erlernten Beruf arbeiten, sowie 20 Interviews mit Frauen einer vergleichbaren Kontrollgruppe geführt. Darüber hinaus fand eine standardisierte Onlinebefragung von Unternehmen aus den Branchen Elektrotechnik, Maschinenbau und Verfahrenstechnik statt, an der sich 74 Firmen beteiligten.

Die Studie ergab, dass der häufigste Auslöser für den Drop-Out von Ingenieurinnen die Unvereinbarkeit der Tätigkeit mit der Familie ist. Dabei spielen Kinder, aber auch die Pflege von Angehörigen eine Rolle. 70 Prozent der befragten Ingenieurinnen nannten dies ursächlich für den Drop-Out. Bei der Kontrollgruppe gaben dies nur 40 Prozent an. Zudem fanden vor dem Ausstieg keine Verhandlungen über Alternativen statt – weder gingen die Frauen mit Vorschlägen auf ihre Arbeitgeber zu, noch entwickelten diese eigene Bindungsstrategien. Zudem beschreiben die befragten Frauen, dass sie vor ihrem eigentlichen Ausstieg nur teilweise beruflich integriert waren, gleichzeitig ist ihre Identifikation mit ihrem Beruf hoch.

Die Studie empfiehlt, die Mitarbeiter/-innenzufriedenheit als Teil der Unternehmenskultur auszubauen. Je höher die berufliche Integration und die Zufriedenheit der Ingenieurinnen mit ihrem Unternehmen sind, umso besser kann eine frühzeitige Rückgewinnung an den Arbeitsplatz gelingen. Unternehmen sollten ihren Schwerpunkt von Rekrutierungs- auf Bindungsstrategien verlagern. Zudem sind flexible Arbeitsmodelle erforderlich. Neben Voll- und Teilzeitbeschäftigung gibt es eine Vielzahl flexibler Arbeitsmodelle, die Ingenieurinnen eine Rückkehr in ihren Beruf erleichtern könnten.

„Zielführende Instrumente in Unternehmen könnten sein, flexible Arbeitszeitmodelle zu fördern, Arbeitsformen und Aufgabengebiete anzupassen und Frauen beispielsweise durch Mentoring-Programme ans Unternehmen zu binden“, so Ernst Pfister. Zudem sei eine kontinuierliche, individuelle Personalentwicklung auch für (teilweise) Aussteiger/-innen in hochqualifizierten Tätigkeiten erforderlich.

Wirtschaftsministerium, IMPULS-Stiftung und Südwestmetall werden mit entsprechenden Projekten an den Ergebnissen der Studie anknüpfen. „Eine familienbewusste Personalpolitik wird für unsere Unternehmen immer mehr zum Standortvorteil“, so Ernst Pfister. Das Wirtschaftsministerium bietet daher allen kleinen und mittleren Unternehmen in Baden-Württemberg die Möglichkeit, sich im Rahmen des audit berufundfamilie der Hertie-Stiftung zertifizieren zu lassen. 50 Prozent der anfallenden externen Kosten können hierbei durch das Wirtschaftsministerium übernommen werden. Darüber hinaus sind Projekte für Ingenieurinnen geplant, die gerne wieder in ihrem ursprünglich erlernten Beruf tätig wären.

Der Wirtschaftsminister erklärte, dass auch der Innovationsrat Baden-Württemberg die Notwendigkeit sehe, dass sich die Landesregierung im Bereich Frauen in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) engagiere. Er empfahl der Landesregierung unter anderem, ein Programm „Frauen in MINT-Berufen in Wirtschaft und Wissenschaft“ aufzulegen. Durch das Programm soll das Interesse von weiblichen Jugendlichen für die MINT-Berufe mehr als bisher geweckt und die Erwerbsbeteiligung von Frauen allgemein erhöht werden.

(Wirtschaftsministerium)