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| Di, 08.07.2008 10:57

Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg bewilligt rund 13,5 Millionen Euro zur Erhaltung, Sanierung und Nutzung von Kulturdenkmalen

Wirtschaftsminister Pfister: „Denkmalförderprogramm 2008 umfasst rund 490 Maßnahmen im ganzen Land – lohnende Investition in die Zukunft“


Zur Erhaltung, Sanierung und Nutzung von Kulturdenkmalen im Land stellt das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg im Jahr 2008 insgesamt 13,5 Millionen Euro zur Verfügung. Dies teilte Wirtschaftsminister Ernst Pfister heute in Stuttgart mit. Im Rahmen des Denkmalförderprogramms 2008 können etwa 490 Maßnahmen im ganzen Land gefördert werden. Die Fördermittel kommen zu rund 45 Prozent privaten Denkmaleigentümern, zu rund 14 Prozent den Kommunen und zu rund 41 Prozent den Kirchen als Denkmaleigentümern zugute.

„Baden-Württemberg gehört mit mehr als 90.000 Bau– und Kunstdenkmalen und über 60.000 archäologischen Denkmalen zu den Ländern mit den meisten und bedeutendsten Kulturdenkmalen in Deutschland“, so Wirtschaftsminister Ernst Pfister. „Ziel unserer Denkmalpolitik ist es, diese Kulturdenkmallandschaft in ihrer Einzigartigkeit, ihrer überlieferten Vielfalt und historischen Aussagekraft für heutige und kommende Generationen zu erhalten und mit adäquaten und zukunftsfähigen Nutzungen in unser heutiges Leben zu integrieren“.

423 Maßnahmen mit einem Förderumfang von rund elf Millionen Euro seien bereits zur Bewilligung freigegeben, so Ernst Pfister. Dazu gehören im Regierungsbezirk Stuttgart 131 Projekte mit einem Förderumfang von 3,7 Millionen Euro, im Regierungsbezirk Karlsruhe 100 Projekte mit einem Förderumfang von 1,9 Millionen Euro. Im Regierungsbezirk Freiburg werden 96 Projekte mit 3,2 Millionen Euro, im Regierungsbezirk Tübingen ebenfalls 96 Projekte mit 2,2 Millionen Euro gefördert. Über die noch verbleibenden Mittel wird im Rahmen der Fortschreibung und des Abschlusses des Programms im August entschieden.

Im diesjährigen Programm sind neben einer Vielzahl von privaten Bauvorhaben auch Erhaltungs- und Instandsetzungsmaßnahmen an bedeutenden Kirchenbauten und Schlössern des Landes vertreten, beispielsweise an den Münstern Freiburg und Ulm, dem Ritterstift St. Peter in Bad Wimpfen, dem Kloster Neresheim oder der Burgruine in Wertheim, der Wachenburg in Weinheim und der Martin-Luther-Kirche in Trossingen sowie der Pfarrkirche St. Martin in Mengen.

Die Bandbreite der geförderten Projekte des Programms 2008 reicht von landschaftsprägenden Burgen wie der Burgruine Dietfurth in Inzigkofen und dem Glockenturm im Heilig-Kreuz-Münster in Schwäbisch Gmünd, Schlössern und Schlösschen sowie Stadtmauern über bäuerliche Hofanlagen und ehemals herrschaftliche Villen bis hin zur Wasserkunstanlage „Das Paradies“ in Baden-Baden. Gefördert wird auch die Sanierung von Wegekapellen und Bildstöcken wie beispielsweise der Michaelskapelle in Riegel oder der Wallfahrtskapelle auf dem Frohberg in Erolzheim. Auch archäologische Kulturdenkmale werden berücksichtigt. So soll die Beschilderung am Unesco-Welterbe „Obergermanisch-Rätischer-Limes“ weiter vervollständigt werden.

Im Programm vertreten sind auch bedeutende Denkmale der Technikgeschichte wie beispielsweise die Sanierung von handbetriebenen Schleusentoren am Wilhelmskanal in Heilbronn und einer gusseisernen Fussgängerbrücke über die Schiltach in Schramberg.

„Die Landesdenkmalpflege unterstützt in vielen Fällen auch besonderes bürgerschaftliches Engagement für die Erhaltung und zeitgemäße Nutzung von wertvollen Kulturdenkmalen“, betonte Ernst Pfister. Als Beispiel nannte der Minister den „Verein Leonhardt e.V.“, der sich ehrenamtlich für die Erhaltung des letzten vollständig erhaltenen Ackerbürgerhauses in Emmendingen einsetzt, und den „Verein der Freunde und Förderer des Ritterstifts St. Peter zu Bad Wimpfen e.V“., der sich für die Erhaltung einer der bedeutendsten Klosteranlagen engagiert. Großen persönlichen Einsatz unter anderem für die Rettung und Erhaltung von Wagen des früheren Hohenzollernzuges in Neuffen bringt auch die „Gesellschaft zur Erhaltung von Schienenfahrzeugen Stuttgart e.V.“.

„Das vielfältige Engagement von Bürgerinitiativen und Fördervereinen für oftmals bereits vom Abriss bedrohte Kulturdenkmale ist für die Erhaltung der wertvollen Denkmallandschaft in Baden-Württemberg von unschätzbarer Bedeutung und verdient jedwede Unterstützung“, erklärte Ernst Pfister. Auch in Zeiten knapper Haushaltsmittel sei es wichtig, das Engagement von Denkmaleigentümern und Denkmalförderern durch eine effektive staatliche Denkmalförderung zu unterstützen.

Denkmalförderung bedeute nicht nur die Bewahrung des historischen Erbes des Landes, sondern leiste auch einen erheblichen Beitrag zur nachhaltigen Stadt- und Dorfentwicklung im Bestand und stelle eine lohnende Investition in die Zukunft dar. „Die Förderung löst Folgeinvestitionen in achtfacher Höhe aus. Dies kommt insbesondere dem lokalen mittelständischen Baugewerbe und dem Handwerk zugute und trägt dazu bei, Arbeitsplätze in diesen Bereichen zu sichern“, so der Minister. Die Denkmäler des UNESCO-Welterbes wie das Zisterzienserkloster Maulbronn, die Klosterinsel Reichenau oder der obergermanisch-rätische Limes zeigten auch beispielhaft, dass sich durch die Denkmalförderung ein nachhaltiger Kulturtourismus entwickeln lässt.

Die Mittel der Denkmalförderung stammen ausschließlich aus dem Aufkommen der staatlichen Wetten und Lotterien. „Die Denkmalförderung soll die zusätzlichen Lasten mildern, die dem Denkmaleigentümer im Interesse der Allgemeinheit durch das gesetzliche Erhaltungsgebot auferlegt sind“, so Ernst Pfister. Ergänzend wirkten die Denkmalstiftung Baden-Württemberg, die insbesondere dort helfen solle, wo die staatliche Denkmalpflege nicht fördern könne oder allein nicht ausreichend sei, sowie die Landesstiftung Baden-Württemberg, die jedoch nur gemeinnützige Denkmalprojekte von herausragender Bedeutung unterstützen könne.

Info:
Anträge auf Förderung aus Landesdenkmalmitteln können bei den regional zuständigen Regierungspräsidien gestellt werden. Diese entscheiden auf der Grundlage des vom Wirtschaftsministerium jährlich aufgestellten Denkmalförderprogramms über die Anträge und zahlen die Zuwendungen aus.

Förderfähig sind bei Kulturdenkmalen die Ausgaben, die im Rahmen von Sicherungs-, Instandsetzungs- und Unterhaltungsmaßnahmen allein oder überwiegend aus Gründen der Denkmalpflege erforderlich werden, soweit sie den Aufwand bei vergleichbaren nicht geschützten Objekten übersteigen (so genannte denkmalbedingte Mehrausgaben).

Quelle: Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg