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Wirtschaft | Mi, 02.02.2011 07:28

Wirtschaftsministerium kündigt Innovationspaket für baden-württembergische KMU an

„Für eine intakte Innovationskultur schnüren wir ein Innovationspaket für den Mittelstand. Vom Innovationspaket profitieren kleine und mittlere Unternehmen in den drei Säulen Innovationsförderung, Energieeffizienz, Fachkräftesicherung“, kündigte Wirtschaftsminister Ernst Pfister an. „Die Maßnahmen kommen schnell, einfach und effizient bei kleinen und mittleren Unternehmen an“, so Pfister. Für das Innovationspaket plant das Wirtschaftsministerium insgesamt 2,8 Millionen Euro ein. Der Landtag werde voraussichtlich in seiner Sitzung diese Woche im Rahmen des Nachtragshaushaltes über die entsprechenden Mittel entscheiden. „Mittelstandspolitik muss auch Innovationspolitik sein, mit der sowohl Bereitschaft als auch Fähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen zur Innovation erhöht wird“, sagte der Minister.


„Mit dem System der Innovationsgutscheine ist die baden-württembergische Mittelstandspolitik Vorreiter. Wir erweitern das erfolgreiche System nun in wichtige, weitere Felder“, so Pfister. Das laufende Modellvorhaben „Innovationsgutscheine für kleine und mittlere Unternehmen“ wird um zwei spezielle Gutscheinansätze für Start-Ups aus dem High-Tech-Bereich und zur Entwicklung von innovativen Unternehmen aus der Soloselbständigkeit in der Kreativitätswirtschaft ergänzt. Dafür sieht das Innovationspaket insgesamt 800.000 Euro vor.

Mit dem neuen Innovationsgutschein B (High Tech) wird Start-Ups in den Schwerpunktfeldern „Nachhaltige Mobilität“, „Umwelttechnologie und Ressourceneffizienz“, „Gesundheitswirtschaft/Lebenswissenschaften“ und „IT in Produkten und IT-Dienstleistungen“ eine Unterstützung für Innovationen bei Gründern und in jungen Unternehmen geboten, die aufgrund ihrer noch jungen Marktexistenz Schwierigkeiten in der Wachstumsfinanzierung haben. Mit dem Innovationsgutschein B (High Tech) soll in diesem Modellvorhaben Start-Ups ein Zuschuss von 20.000 Euro zum Beispiel zur Entwicklung bzw. zum Bau eines Prototyps geboten werden. Auf diese Weise wird den Start-Ups der Weg zu den verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten, von der Hausbank bis hin zum geplanten „Seedfonds“, erleichtert.

Der neue Innovationsgutschein C zielt vorwiegend darauf, Gründerinnen und Unternehmerinnen in der Kreativitätswirtschaft einen Anreiz zur Entwicklung von innovativen Unternehmen aus der Soloselbständigkeit zu bieten. Wachstumsorientierte Gründungen sind ein Hauptziel der baden-württembergischen Mittelstandspolitik. Da die Soloselbständigkeit gerade in der Kreativitätswirtschaft und vor allem bei Frauen häufig dominiert, besteht in diesem Bereich besonderer Handlungsbedarf.

Der Vorstand der Fraunhofer-Gesellschaft hat am 17.01.2011 unter dem Vorbehalt einer entsprechenden Bereitstellung von Mitteln durch das Land  Baden-Württemberg beschlossen, eine "Fraunhofer-Projektgruppe für die Automatisierung in der Medizin und Biotechnologie (PAMB)" in Mannheim als Außenstelle des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) zu gründen. Fraunhofer-Projektgruppen sind Vorstufen für die Gründung von Fraunhofer-Instituten. Es würde sich um das erste FhG-Institut am Standort Mannheim und um die Neugründung eines FhG-Instituts in Baden-Württemberg handeln. Als Arbeitsgebiete dieser Projektgruppe sind Themen wie biophotonische Diagnose- und Therapiesysteme, Gewebe- und Zelldiagnostik sowie non-invasive Marker-Messmethoden vorgesehen. Dabei soll die Arbeit der Projektgruppe speziell auf die Automatisierungstechnik als Lösungsansatz für die Bio- und Medizintechnologie fokussiert werden. Aus dem Innovationspaket sind hierfür 300.000 Euro vorgesehen. Die fünfjährige Aufbauphase soll mit einem Gesamtvolumen von 9,3 Millionen Euro unterstützt werden.

Mit 250.000 Euro will das Wirtschaftsministerium die Energie-Effizienz gezielt in den Branchen Metzger und Bäcker erhöhen. In diesen Branchen wird für Prozesskälte überdurchschnittlich viel Strom verbraucht. Jedoch herrscht ein erheblicher Sanierungsstau, sodass die meist veralteten Anlagen sehr uneffizient arbeiten. Zudem kann das Land durch die Initiierung von Energy-Contracting-Modellen sowohl die Betreiber von Produktionsanlagen bei einem schnellen Einstieg in die ressourceneffiziente Produktion unterstützen als auch den öffentlichen Gebäudebestand schneller energetisch sanieren. Bei Ausschreibungen von Energiecontracting durch Kommunen kommen allerdings derzeit fast ausschließlich große Unternehmen zum Zuge. Mit 250.000 Euro aus dem Innovationspaket sollen die Rahmenbedingungen für Contracting so gestaltet und kommuniziert werden, dass Handwerker und Ingenieurbüros im Wettbewerb mit großen Anbietern auch Chancen haben.

Mit Sommerkollegs soll die Ausbildungsreife schwächerer Schulabgänger ausbildungs-spezifisch nachgebessert werden, um Betriebe vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen in die Lage zu versetzen, auch Schwächere ausbilden zu können. Diese Schulabgänger werden dringend benötigt, um offene Lehrstellen insbesondere im Handwerk besetzen zu können. Die Grundphilosophie lautet dabei: direkter Weg von der Schule in die Ausbildung ohne Warteschleifen. Dafür sind im Innovationspaket 950.000 Euro vorgesehen.

Für Maßnahmen zur Erschließung des Fachkräftepotenzials von qualifizierten Wiedereinsteigerinnen soll das Innovationspaket 250.000 Euro beinhalten. Um die Innovationskraft und -dynamik des Standorts zu erhalten und zu erhöhen, gilt es das Potenzial gut ausgebildeter Frauen besser und dauerhaft durch geeignete Maßnahmen für die Wirtschaft zu erschließen. Im Sinne der Fachkräftesicherung besteht hier ein großes nicht ausgeschöpftes Potenzial für die Wirtschaft, das besser in den Erwerbsprozess integriert werden muss.

(Redaktion)