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Wirtschaft | Do, 21.07.2011 09:33

Zahl der atypisch Beschäftigten in Baden-Württemberg steigt an

Der Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg unterlag in den letzten Jahren und Jahrzehnten auch im Hinblick auf die Beschäftigungsverhältnisse einem grundlegenden Wandel. Berufstätigkeit ist längst nicht mehr mit Normalarbeitsverhältnissen gleichzusetzen, bei denen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unbefristet beschäftigt und in vollem Umfang in die sozialen Sicherungssysteme integriert sind. Vielmehr haben in den letzten Jahren so genannte atypische Beschäftigungsverhältnisse zunehmend an Bedeutung gewonnen. Diese Beschäftigtengruppe setzt sich zusammen aus abhängig Beschäftigten, die befristet beschäftigt bzw. geringfügig oder in Teilzeit (mit 20 oder weniger Stunden pro Woche) tätig sind.


Nach den Ergebnissen des Mikrozensus, der größten amtlichen Haushaltsbefragung in Deutschland, waren im Jahr 2010 in Baden-Württemberg mehr als 1 Million Männer und Frauen in einem atypischen Beschäftigungsverhältnis und knapp 3,2 Mill. in einem Normalarbeitsverhältnis tätig. Somit zählte rund ein Viertel (24,9 Prozent) der gut 4,2 Mill. abhängig Beschäftigten zu den atypisch Beschäftigten. Der Vergleich mit dem Jahr 2000 verdeutlicht eine Zunahme der atypisch Beschäftigten auf dem baden-württembergischen Arbeitsmarkt: Vor 10 Jahren lag der Anteil der atypisch Beschäftigten an den abhängig Beschäftigten noch bei knapp 22 Prozent und somit um gut 3 Prozentpunkte unter dem heutigen Prozentsatz.

Die Zahl der Baden-Württemberger in Normalarbeitsverhältnissen hat gegenüber 2000 um gut 2 Prozent zugenommen, die der atypisch Beschäftigten hingegen um rund 22 Prozent. Vor allem die Ausweitung der befristeten Arbeitsverträge hat zu diesem erheblichen Bedeutungszuwachs beigetragen.

Frauen sind unter den atypisch Beschäftigten deutlich überrepräsentiert: Im Jahr 2010 waren 78 Prozent aller atypisch Beschäftigten Frauen, während Männer mit 22 Prozent in dieser Gruppe deutlich schwächer vertreten sind. Männer dominieren dagegen mit einem Anteil von gut 62 Prozent die so genannten Normalarbeitsverhältnisse. Die Überrepräsentanz von Frauen unter den atypisch Beschäftigten resultiert vor allem aus der Tatsache, dass Frauen weitaus häufiger als Männer Teilzeit arbeiten bzw. geringfügige Beschäftigungsverhältnisse ausüben.

Atypisch Beschäftigte überwiegend im Dienstleistungssektor anzutreffen

Mehr als die Hälfte der atypisch Beschäftigten ist im Bereich »Sonstige Dienstleistungen« beschäftigt (rund 54 Prozent), darunter knapp 18 Prozent im »Gesundheits- und Sozialwesen«. In den Wirtschaftsbereichen »Handel, Gastgewerbe und Verkehr« sind gut 26 Prozent und im Produzierenden Gewerbe gut 19 Prozent dieser Personengruppe anzutreffen, während in der Land- und Forstwirtschaft nur knapp 1  Prozent der atypischen Beschäftigten arbeitet. Von allen abhängig Erwerbstätigen in Baden-Württemberg arbeiteten hingegen im Jahr 2010 62 Prozent im tertiären Sektor, knapp 38 Prozent im Produzierenden Gewerbe und annähernd 1 Prozent in der Land- und Forstwirtschaft.

Baden-Württemberger in atypischen Beschäftigungsverhältnissen sind in aller Regel schlechter ausgebildet als ihre Kollegen in Normalarbeitsverhältsnissen: So können rund 23 Prozent der atypisch Beschäftigten (noch) keine anerkannte Berufsausbildung vorweisen, während dies lediglich bei gut 12 Prozent der Personen in Normalarbeitsverhältnissen der Fall ist. Im Gegenzug verfügt nur jeder fünfte atypisch Beschäftigte, aber nahezu jeder dritte Erwerbstätige in einem Normalarbeitsverhältnis über einen tertiären Abschluss, d.h. über einen Fachhochschul- bzw. Hochschulabschluss, eine Meister- oder Technikerausbildung oder einen gleichwertigen Fachschulabschluss.

Da ein hoher Anteil der Personen, die eine atypische Beschäftigung ausüben, Teilzeit (20 oder weniger Stunden pro Woche) arbeitet oder geringfügig beschäftigt ist, ist in dieser Gruppe der Anteil derer, die überwiegend von ihrer Erwerbstätigkeit leben, mit 74 Prozent vergleichsweise gering. Für gut 18 Prozent der atypisch Beschäftigen bildete der Unterhalt durch Eltern, Ehegatten oder andere Verwandte die zweitwichtigste Einkommensquelle, knapp 5 Prozent erhielten staatliche Transferleistungen wie zum Beispiel Hartz IV. Von den Baden-Württembergern in Normalarbeitsverhältnissen gaben rund 99 Prozent an, ihren Lebensunterhalt überwiegend aus ihrem Erwerbseinkommen zu bestreiten.

(Redaktion)